(wü) Wie kam der Todesschütze Christian H. an die Tatwaffe? Auf diese Frage haben Polizei und Staatsanwaltschaft noch keine Antwort. Die Ermittler gehen davon aus, dass sich der Forstwirt die Pistole des US-Fabrikats Ruger Kaliber 45 auf dem Schwarzmarkt besorgt hat. Nach Informationen dieser Zeitung könnte die Spur in die thüringische Stadt Eisenach führen. Christian H. war dort Mitglied eines dubiosen Sportschützenvereins, dessen Vorsitzender soll in Waffengeschäfte verstrickt gewesen sein.
Warum sich der 37-Jährige die Pistole und eine Doppelflinte, die nach der Tat in seinem Haus gefunden wurde, illegal besorgt hat, wird wohl ungeklärt bleiben. Fest steht: Er hätte sich die Waffen offiziell kaufen können. Denn Christian H. hatte im April 2005 zwei Waffenbesitzkarten für eine Pistole und eine Doppelflinte beim Landkreis Hildesheim beantragt und von der Behörde auch genehmigt bekommen.
Dem Landkreis vorgelegt hatte Christian H. auch die Mitgliedsbescheinigung eines mittlerweile aufgelösten Schützenvereins in Eisenach, der Lerchenberger Schützengarde. Die bescheinigte der Hildesheimer Behörde am 10. April 2005, dass der Hornsener dem Klub seit mindestens zwölf Monaten als aktiver Schütze angehöre, regelmäßig am Schießbetrieb teilnehme und einen sogenannten Sachkundenachweis im Umgang mit Waffen erbracht habe. Eine solche Vereinsbestätigung ist eine der Voraussetzungen, um eine Waffenbesitzkarte zu erhalten.
Recherchen dieser Zeitung ergaben, dass der inzwischen verstorbene Vorsitzende der Lerchenberger Schützengarde im Jahr 1996 unter anderem wegen Verstößen gegen das Waffengesetz verurteilt worden war. Der Vereinschef habe auch Waffen illegal verkauft, bestätigt der ehemalige Landesvizepräsident des Bundes deutscher Sportschützen in Thüringen, Eckhard Steffan. Er hatte die Schützengarde Anfang der 1990er Jahre mitgegründet, war zunächst die „rechte Hand“ des Vorsitzenden, verließ den Verein 1996 aber wegen dessen kriminellen Machenschaften.
Steffan, der im Prozess gegen den Vorsitzenden der Schützengarde als Zeuge und Gutachter ausgesagt hatte, schließt nicht aus, dass der Hornsener Todesschütze Christian H. die Tatwaffe von der Vereinsführung illegal gekauft haben könnte. „Ich kann mir auch gut vorstellen, dass Mitgliedschaften gegen Geldzahlungen bescheinigt worden sind“, sagt Steffan.