
Jahrzehntelang ist das Thema diskutiert worden, nur wenig ist passiert: Der Klingeltunnel sorgt immer wieder für Ärger. Seit den 90er Jahren steht außer Frage: Die Situation im Nadelör ist gefährlich, oft kommt es zu Unfällen mit Fußgängern und Radfahrern. Anfangs durften Radler in beide Richtungen rollen, dann wurde der Zuweg zum Tunnel einseitig gesperrt. Doch an das Verbot halten sich die wenigsten. Mal sollen Spiegel Abhilfe schaffen, mal soll es eine neue Ampel richten, mal der Radweg verbreitert werden. Jahr für Jahr dreht sich die Diskussion im Kreis - mehr dazu hier.
Nun beginnt ein neues Kapitel: Die Stadt hat Geländer an Ein- und Ausfahrt des Tunnels montiert. Das soll Fußgängern besonders im Winter und bei Regenwetter mehr Sicherheit bieten. Zudem ist mal wieder die Rede von einer neuen Beleuchtung, der Verspiegelung des Tunnels und einer Verbreiterung der Einfahrt aus südlicher Richtung.
Der Klingeltunnel ist ein Nadelöhr für Fußgänger und Radfahrer, die von der Marienburger Höhe in Richtung Stadtzentrum fahren. Gerade einmal zwei Meter breit ist die Fahrspur für Radler aus beiden Richtungen, weitere zwei Meter sind für Fußgänger reserviert. Der Tunnel beschreibt eine S-förmige Linie, die beiden Kurven sind fast rechtwinklig. Am Ausgang Struckmann-Straße verläuft der Radweg in der Innenkurve. Es ist nicht zu sehen, ob jemand entgegen kommt. Wer hier nicht rechtzeitig klingelt, riskiert einen Unfall.
Hier geht es zum Zeitraffer: Der Klingeltunnel im Laufe der vergangenen 20 Jahre.
Im September 2007 fragte die Redaktion die Leser: Wie soll es mit dem Klingeltunnel weitergehen? Das Ergebnis des Telefon-Votings war eindeutig: Die Mehrheit der Leser vertraute auf gesunden Menschenverstand gepaart mit Fairness: 59 Prozent der Teilnehmer meinten, dass Rücksicht ausreichen müsste, um die Misere am Klingeltunnel zu entschärfen. 24 Prozent befürworteten, dass der Tunnel zugeschüttet und dafür ein Bahnüberweg gebaut wird. 18 Prozent gaben ihre Stimme für folgende Variante ab: Der Radweg zum Tunnel würde zu Lasten der Trogstrecke verbreitert.
Der Klingeltunnel ist zweifelsohne das Musterbeispiel einer Fehlplanung. Radfahrer, die das Nadelöhr zur Südstadt durchqueren möchten, müssen je nach Fahrtrichtung drei Dinge tun: Rücksicht nehmen, langsam fahren und kleine Umwege in Kauf nehmen. Ist das so schlimm? Der Stadtentwicklungsausschuss sieht jedenfalls Handlungsbedarf. Stadtbaurat Thomas Kulenkampff soll zwei Lösungen untersuchen. Die so genannte kleine Lösung erfordert wohl eine satte sechsstellige Summe. Die große Lösung dürfte einen siebenstelligen Betrag verschlingen - selbst wenn beide Varianten von der Rat(d)haus-Lobby schöngerechnet würden. Jeder Radfahrer in Hildesheim kennt den Klingeltunnel und weiß, wer sich vorschriftsmäßig verhält, zu Miniumwegen bereit ist und nicht in Rambomanier durch das Nadelöhr brettert, braucht keine teure Fahrradautobahn an dieser Stelle. Der Rat sollte die Schulden, die er für den Bau einer bequemeren Rad-Lösung machen müsste, besser in die Sanierung städtischer Schulen oder in andere Projekte investieren. Manfred Hüttemann
Na, wenn das kein Fall für den Bund der Steuerzahler ist! Die Stadt ist hoch verschuldet. An allen Ecken und Enden soll gespart werden. Um es den Radfahrern jedoch ein wenig bequemer zu machen, will die Stadt für einen ampelgesteuerten Überweg auf Höhe des Klingeltunnels rund 70 000 Euro verpulvern. Unabhängig von dieser Geldverschwendung scheint das Ganze auch inhaltlich nicht richtig durchdacht. Die Ampel soll am Ende der aufsteigenden Trogstrecke installiert werden. Das birgt doppelte Gefahr in sich. Bei hohem Verkehrsaufkommen aus Richtung Hohnsen auf die Marienburger Straße können sich die Autos vor der Ampel schnell bis zu der scharfen, nicht einsehbaren Kurve zurückstauen. Da sind gefährliche Auffahrunfälle programmiert und Blechschäden, denn das Anfahren am Berg ist nun mal nicht jedermanns Sache. Und das alles nur, weil den Radlern ein 225 Meter kurzer Umweg erspart bleiben soll. Da kann man sich auch als passionierter Radfahrer nur an den Kopf fassen und sich fragen, ob in Hildesheim nicht andere Probleme zu lösen sind. Manfred Hüttemann

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