Sie suchten Schutz, aber sie fanden den Tod

Opfer hatte es auch vorher schon gegeben, doch am 22. Februar 1945 fing der Bombenkrieg auf Hildesheim erst richtig an. In der Neustadt starben an diesem Tag Helene und Frieda Leßmann, Anna Friedrich – und Dutzende weitere Menschen. ..weiterlesen

„Als wir rauskamen, regnete es Asche“

Am 22. März 1945 legten englische und kanadische Bomber Hildesheim in Schutt und Asche. Mehr als 1600 Menschen starben – Hildegard Schlange, Heidi Schmalhorst und Karl Scheide überlebten das Flammen-Inferno, das auch einen Großteil der Fachwerk-Häuser vernichtete. ..weiterlesen

Ermordung italienischer Zwangsarbeiter

Sigurd Prinz erinnert sich an die Ermordung italienischer Zwangsarbeiter auf dem Marktplatz kurz nach der Zerstörung Hildesheims im März 1945. ..weiterlesen

Zeitzeugen brechen ihr Schweigen

Nach Kriegsende brechen Zeitzeugen ihr Schweigen. „Wann, wenn nicht jetzt?“ ist das Credo der inzwischen meist zwischen 80 und über 90 Jahre alten Menschen. Das Reden über das grausige Geschehen scheint Dämme zu brechen. ..weiterlesen

Geschichte der Besetzung der Region

Weit weniger im Fokus der Öffentlichkeit steht die Geschichte der Besetzung der Region. Das möchte ein 55-jähriger Stabsoffizier ändern. Der aus Hohenhameln stammende Karl-Heinz Heineke, derzeit im Heeresamt in Köln eingesetzt, versucht seit einiger Zeit, das Vorgehen der Amerikaner im April 1945 historisch aufzuarbeiten. ..weiterlesen

Dieser Grabstein steht für die Brutalität des Bombenkrieges: Dort liegt eine 19-jährige Mutter mit ihrem Kind begraben, das nur ein Jahr alt geworden ist. Fotos: Hartmann

Margret und Fritz Kiel: Wir haben beide den Angriff miterlebt. Die Gedenkveranstaltung ist sinnvoll. Wir haben damals die Toten liegen sehen, und das berührt uns noch heute, als wäre es erst gestern passiert. Über unsere Erlebnisse könnten wir ein ganzes Buch schreiben.

Gregor Grunwald: Das Gedenken ist sinnvoll. Man kann die Qualen der Menschen nicht übergehen. Ich finde es nur schade, dass so wenig junge Menschen da sind. Gerade sie könnten hier erfahren, dass Gewalt wenig Sinn hat.

Henning Schindler: Meine Großeltern sind in der Wollenweberstraße ums Leben gekommen. Dort sind viele Phosphorbomben abgeworfen worden. Die Menschen waren verbrannt, die Leichen waren nur so groß wie Kinder. Das alles darf nicht in Vergessenheit geraten.

Edeltraud Seifert: Ich habe den Bombenangriff als ganz kleines Kind miterlebt. In unserem Haus am Alten Markt sind Menschen umgekommen. Die Erinnerung an dieses Geschehen halte ich für sehr sinnvoll, auch wenn immer weniger Teilnehmer das alles selbst erlebt haben.

Erwin Reinecke: Ich finde diese Gedenkveranstaltung sehr sinnvoll. Das Geschehen von damals darf man nicht vergessen. Gerade, weil viele, die das alles erlebt haben, schon tot sind, ist es wichtig, daran zu erinnern.

Marlene Wieland: Meine Tante Maria war die einzige Überlebende ihrer Familie, und das nur, weil sie am 22. März 1945 durch Zufall einen Fahrradausflug unternahm. Von Weitem sah sie plötzlich die Stadt brennen. Die Rückkehr ein Grauen - es sind hier Fotos, die mehr als Worte sagen. Tage später lagen die durch die Phosphorbomben gezeichneten Toten auf dem Marktplatz und sollten identifiziert werden. Tante Maria erkannte ihre Tante nur daran, da diese Zeit ihres Lebens Schnürstiefel trug und die waren deutlich zu erkennen.

Heinz-Wilhelm Gramann in Münster: Ich bin Augenzeuge des grauenvollen Tages und nur knapp dem Tode entronnen. Ich bin damals im hinteren Brühl Nr. 25 gegenüber der Stadthalle aufgewachsen und habe das alles mit ca. 12 Jahren (Jahrgang 1933) persönlich erlebt. Unser Luftschutzkeller war der Gewölbekeller unter der Kirche des Priesterseminars, den wir im vorderen Brühl betraten. Hierüber konnten wir dann allerdings den Keller nicht mehr verlassen, da eine Luftmine diesen Eingang verschüttet hatte. In unserem Kellerteil flog allerdings die schwere Stahltür aus der Verankerung mitten in unseren Kellerraum, sodass wir später über den Gartenhof ins Freie gelangten. Eine Wolldecke wurde uns über den Kopf gelegt, da immer brennende Teile vom Kirchturm herunterfielen. Das technische Hilfswerk (oder ähnliche Institution) half uns über Fenster in der Strasse zum gelben Stern ins Freie zu gelangen. Durch die Rückverlegung der Kriegsfront waren in der uns gegenüberliegenden Stadthalle KZ-Häftlinge untergebracht. Von den Kommandos [Mützen ab] wurde ich jeden Morgen um ca. 6 Uhr geweckt. Auf den offenen Pritschenwagen lagen dann jeden Tag einige Tote, die vermutlch in den Bombentrichtern  (Güterbahnhof bzw.Senkingwerk?) beseitigt wurden. Es ist gut so, dass es wohl Fliegeralarm nicht mehr geben wird. Aber die schrecklichen Erinnerungen bleiben.