
(ha). Die Menschen waren froh, nach dem zerstörerischen Krieg wieder ein Dach über dem Kopf zu haben. Mit fließend Wasser, Toilette und schönen geraden Wänden waren die Häuser, die in den 50er Jahren in Hildesheim und vielen anderen Städten aus dem Boden gestampft wurden, sogar ausgesprochen modern und begehrt. Doch das ist lange her: Seither haben sich die Energiepreise vervielfacht – und die Ansprüche an Wohnraum drastisch gewandelt.
"In Hildesheim gibt es allerdings immer noch viele Häuser aus den 50er und 60er Jahren, die echte Energieschleudern sind", sagt die Architektin Dagmar Schierholz-Heilmann, die auch als Energieberaterin im Cafe Acku am Andreasplatz und im Energie-Beratungszentrum in der Osterstraße arbeitet und sich auf Bauen im Bestand spezialisiert hat. Damals sei es durchaus üblich gewesen, die Außenwände aus 13 Zentimeter dickem Beton zu errichten. Würde man das nur dürftig isolierende Material den heutigen Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV) anpassen wollen, müsste, so die Architektin, die Wand absurde 93 Zentimeter stark sein.
Spätestens beim Blick auf die Heizkostenrechnung und die Weltklimadaten dürfte jedem klar sein, dass das Gebot der Stunde dämmen heißt. Die EnEV ist Teil des deutschen Baurechts. Die Bundesregierung schreibt Bauherren darin die bautechnische Mindestanforderungen für den Energieverbrauch ihres Gebäudes oder Bauprojektes vor. Sie gilt für Wohngebäude, Bürogebäude, zum Teil auch für Betriebsgebäude. Und sie wird alle paar Jahre novelliert und weiter verschärft. Ihre erste Fassung trat 2002 in Kraft, die zweite 2004. Auflage Nummer drei folgte im Oktober 2007. Im nächsten Jahr werden in einer neuen Fassung die Eckwerte noch einmal drastisch verschärft.
Schwachstelle Fenster
Beim Stichwort Energieverlust denken die meisten spontan an die Fenster. Kein Wunder, denn der Blick in stürmische Winterabende lässt einen selbst im warmen Zimmer frösteln. Auch für Energieexperten gehören alte Fenster zu den Schwachstellen der Gebäudehülle: Vor 20 Jahren hatten Fenster noch einen U-Wert (früher k-Wert) von 2,4 bis drei, bei modernen Fenstern liegt er heute um eins. Die Einheit bezeichnet den Wärmeverlust: je kleiner er ist, desto geringer ist die Wärmedurchlässigkeit.
Dagmar Schierholz-Heilmann warnt allerdings davor, die Gebäudesanierung nur auf eine Komponente zu beschränken: "Man muss immer das Gesamtgefüge betrachten." Und dazu gehören eben nicht nur die Fenster, sondern auch die Wände, die Bodenplatte, das Dach. Wird das Dachgeschoss nicht als Wohnraum genutzt, genügt es, die obere Decke zu isolieren. Soll der Raum hingegen bewohnt werden, kommt es auf eine gute Dämmung unter den Ziegeln an. Eventuell müssen die Sparren erhöht werden, um ausreichend Höhe für das Dämmmaterial zu gewinnen.
Der Knackpunkt dabei: Die Dampfsperre muss absolut luftdicht sein. Unter einer Dampfsperre versteht man eine Isolierschicht, die auf der warmen Seite eines Bauteils, in aller Regel also auf der Innenseite, angebracht wird, um die Durchfeuchtung der dahinter liegenden Dämmschicht durch diffundierenden Wasserdampf zu verhindern. Eine unsachgemäß eingebaute Dampfsperre kann fatale Folgen haben: Warme Innenraumluft dringt in die Dämmung ein, kühlt sich dort ab. Die in der Luft enthaltene Feuchtigkeit kondensiert und schlägt sich als Tauwasser nieder. Dieses Tauwasser kann nun ins Mauerwerk eindringen, sich durch mehrere Etagen arbeiten und an ganz anderer Stelle wieder austreten. Dann die wahren Ursachen zu finden, kann zur Sisyphus-Arbeit werden. Schon wenige undichte Stellen durch Kabeldurchlässe oder Steckdosen machen jede Dampfsperre wirkungslos. Bei der Fassadendämmung ist eine Innen- oder eine Außendämmung möglich: Auch hier spielt das Thema Dampfdiffusion wieder eine wichtige Rolle, wenn man keine bösen überraschungen erleben will. "Man muss bauphysikalisch wissen, was passiert", warnt die Architektin. Für die Innendämmung (die den Raum etwas verkleinert) eignen sich zum Beispiel Calciumsilikatplatten. Als idealer Baustoff wird gerade der traditionelle Lehmputz wiederentdeckt.
Bei einer Außendämmung, die meist aus einer Dämmschicht und vorgesetztem Klinkerverblender besteht, muss man berücksichtigen, dass die Ummantelung auch die Fensteröffnungen umschließt. Die Architektin empfiehlt, beim Einbau der Fenster einen größeren Rahmenanteil zu wählen, damit man hinterher nicht den gewöhnungsbedürftigen Schießschartenblick genießt. Manchmal aber steckt der Teufel im Detail: Durch einen nicht isolierten Rollladen kann teure Wärme ungehindert nach außen dringen. Tückisch auch Balkone älterer Bauart: Bis in die 80er, 90er Jahre hinein wurden sie oftmals einfach aus der Bodenplatte herausgezogen und sorgen nun dafür, dass die Wärme über diese Zunge ungehindert aus dem Raum ins Freie dringt.
Angesichts rasant steigender Energiepreise kann sich eine effektive Dämmung neuralgischer Gebäudeteile also lohnen. Sie spart nicht nur laufende Kosten, sondern sichert langfristig auch den Werterhalt der Immobilie. Ab welchem Gebäudealter sich Hausbesitzer Gedanken über eine energetische Sanierung machen sollten, lässt sich nicht pauschal beantworten. Denn Häuser, die von den Vorfahren in wirtschaftlich prosperierenden Phasen gebaut wurden, können durchaus noch eine manierliche Energiebilanz aufweisen.
Entscheidend ist auch die Bauweise selbst: Sind Reihenhäuser zuletzt ein wenig aus der Mode gekommen, bieten sie unter dem Energieaspekt einen gewaltigen Vorteil: Ihre Seitenwände werden vom Nachbarhaus gedämmt. Beim Doppelhaus hat man immerhin noch eine warme Seite. Hübsche kleine Erker und Vorsprünge hingegen hält Dagmar Schierholz-Heilmann unter dem Energieaspekt für bedenklich. "Wir werden in der Zukunft zu ganz neuen Bauweisen kommen: Die Häuser werden wieder viel kompakter werden, Friesenhäuser werden dann wohl nicht mehr gebaut."

Endlich neue Fenster, die den Lärm draußen und die Wärme drinnen halten. Immer wieder aber wird die Freude getrübt, weil sich an den Wänden plötzlich fiese schwarze Schimmelflecke bilden. Wie kann das passieren? Die Erklärung hat Energieberaterin Dagmar Schierholz-Heilmann:
HAZ: Warum kommt es überhaupt zu Schimmelbildung in der Wohnung?
Schierholz-Heilmann: Dafür kann es viele Gründe geben. In den meisten Fällen ist die Ursache der Schimmelbildung aber falsches oder zu geringes Lüften. Ein Mensch gibt in jeder Stunde 150 Gramm Wasser in die Raumluft ab. Dazu kommt die Feuchtigkeit vom Kochen und Duschen, von Zimmerpflanzen und Aquarien. Je wärmer die Raumluft ist, desto mehr Feuchtigkeit kann sie aufnehmen. Was im Gegenzug bedeutet, dass kalte Luft die Feuchtigkeit wieder abgibt. 23 Grad warme Luft kann pro Kubikmeter 20 Gramm Wasser speichern, bei 20 Grad sind es 17, bei 15 Grad aber nur noch elf Gramm. Ist nun die Innenwandtemperatur deutlich niedriger als die Innenraumtemperatur, weil die Außenwand nicht ausreichend gedämmt ist, kann der Taupunkt überschritten werden: Feuchtigkeit schlägt sich an der Wand nieder und bietet Schimmel gute Wachstumsbedingungen.
Warum tritt das Schimmelpilz-Phänomen gerade nach dem Einbau neuer Fenster auf?
Früher waren die Fugen an den Fensterrahmen so undicht, dass es eine Art Dauerlüftung gab, die die Raumluft entfeuchtete und so die Schimmelbildung vermied. Moderne Fenster sind extrem dicht. So lange noch schlecht isolierte Einfachglasfenster eingebaut waren, waren die Glasscheiben die kälteste Oberfläche, die Luftfeuchtigkeit schlug sich an der Scheibe sichtbar nieder. Wird nun ein wärmegedämmtes Fenster eingebaut, kann es bei ungenügend gedämmten oder beheizten Wohnungen zu Schimmelbildung kommen, vor allem wenn Wärmebrücken vorliegen, wie zum Beispiel an Gebäudeecken.
Wie kann man sich schützen?
Man sollte darauf achten, dass die Temperaturunterschiede zwischen Raumluft und Innenwandoberfläche möglichst gering sind. Dies lässt sich am Besten durch eine zusätzliche Dämmung der Außenwände erzielen. Außerdem ist es wichtig, richtig zu lüften: Mindestens zwei Mal täglich für wenige Minuten Stoßlüften, damit küühlere, trockenere Luft ins Zimmer strömt. Eine relative Luftfeuchtigkeit von bis zu 60 Prozent fördert das Wohlbefinden, sehr trockene Luft kann dagegen die Schleimhäute austrocknen.
Also niemals die Fenster zum Lüften auf Kipp stellen?
Das vergeudet nur unnötig Energie, sorgt kaum für frische Luft im Zimmer. Außerdem kühlen davon die Wände aus, was die Schimmelbildung eher fördert.
(ha). Nicht jeder hat die Möglichkeit, das Haus, in dem er wohnt, energetisch zu sanieren. Kann man dennoch sparen? Man kann. Indem man jahreszeitlich bewusst lebt: Im Winter muss das Wohnzimmer nicht 24 Grad haben. Ein warmer Pulli oder eine Decke tun es auch. Jedes Grad weniger spart schließlich sechs Prozent Heizkosten. Außerdem sollte man nach Bedarf heizen: Die Heizung muss nicht voll aufgedreht durchlaufen, wenn über Stunden niemand zu Hause ist. Auch müssen nicht alle Räume gleich warm sein: Wohn- und Arbeitsräume sollten etwas wärmer, Schlafräume dagegen kühler sein. Das Thermostat abends aufzudrehen, um es morgens im Bad schön warm zu haben, ist Unsinn. Moderne Heizungen und Heizkörper werden schnell heiß. Es lohnt sich auch, an die Nachtabsenkung um etwa fünf Grad zu denken und die Temperatur auf 15 Grad bei längerer Abwesenheit zu drosseln.
Viele Heizkörper sind in Nischen eingelassen, hinter denen die Wand extrem dünn ist. Diese Wärmebrücken sollten man nachträglich dämmen; helfen kann dabei schon eine dünne Aluminium-Dämmfolie aus dem Baumarkt. Wichtig ist auch, Zug innerhalb des Hauses zu vermeiden: Der gute alte Türdackel etwa kann helfen, den Schlitz zwischen Boden und Tür zu stopfen, damit die Wärme nicht ins Treppenhaus abzieht.
Zum Lüften die Fenster nicht auf Kipp stellen, sondern lieber kurz und kräftig, am besten mit Durchzug lüften. In dieser Zeit die Heizung herunterdrehen. Weil Wände und Möbel dabei warm bleiben, stellt sich schnell wieder ein behagliches Raumklima ein. Nachts Rollläden, Fensterläden und Vorhänge schließen, auch das spart wertvolle Wärme. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat ausgerechnet, dass alltägliche "kleine Heizsünden" mehrere hundert Euro im Jahr kosten können.
Wer sparen will, sollte auch die Heizkörper regelmäßig kontrollieren: Gluckert nämlich nur warme Luft statt Wasser durch die Leitungen, kostet das unnötig Geld.
Deshalb an den Ventilen regelmäßig entlüften. An die Heizkosten sollte man allerdings schon beim Einrichten denken: Sind die Heizkörper mit Möbeln zugestellt oder von dicken Übergardinen umhüllt, werden zwar Möbel und Vorhänge warm, in der Wohnung selbst wird heizen um so teurer, weil die Luft nicht frei zirkulieren kann. Auch das kann in der Jahresschlussrechnung etliche Euro bringen.