
Sechsköpfige Kaninchenfamilie ausgesetzt / Hildesheimer Tierheim hat Platzprobleme
Plötzlich und unbemerkt standen die zwei Käfige vor der Tür des Hildesheimer Tierheims. In dem einen – eigentlich zum Halten von Hamstern gedacht – hockten dicht aneinander gedrängt drei Kaninchen, ein ausgewachsener Rammler und zwei kleine Babys; in dem anderen saß das Muttertier mit zwei weiteren Jungen. Die sechs Langohren wurden einfach ausgesetzt. „Wir haben die Kaninchen morgens früh um halb sieben gefunden“, berichtet Sabine Oelschläger, Leiterin des Tierheims. Die Besitzer hätten nicht den Mut gehabt, anzuklingeln oder ein paar Sätze über die Gründe der Abgabe zu verlieren. Die Nager sind gesund, nicht unterernährt und zutraulich. Oelschläger hofft daher, dass sie bald ein neues Zuhause finden.
Denn im Kleintierhaus ist auch ohne den sechsköpfigen Zuwachs schon jeder Platz belegt. Selbst im Gang mussten zusätzliche Boxen aufgestellt werden, um die Streicheltiere unterbringen zu können. Schon jetzt, zu Beginn der Ferienzeit, ist das Tierheim voll belegt. „Allein 13 Tiere haben wir am ersten Ferientag reinbekommen“, berichtet die Tierärztin Dr. Anja Beschorner. Darunter drei Katzenbabys, die in der Meisenstraße ausgesetzt wurden. Acht Wochen alt ist der Katzennachwuchs, schätzt die Veterinärin. Bei dem Trio wird es aber wohl nicht bleiben. Viele Katzen, gerade auch die wild lebenden, bekämen jetzt vermehrt Junge, weiß Beschorner. Häufig mit der Folge, dass der ungewollte Nachwuchs ausgesetzt wird oder direkt im Tierheim landet. Sie hofft, dass die Zahl der abgegebenen Katzenjungen durch die neue Kastrationsverordnung der Stadt sinkt. Danach sind die Katzenhalter, die ihrer Katze Zugang ins Freie gewähren, verpflichtet, diese zuvor von einem Tierarzt kastrieren und mittels Tätowierung oder Mikrochip kennzeichnen zu lassen. „Aber generell hat die Zahl derer, die sich der Haustiere entledigen, zugenommen“, beklagt Oelschläger. Wenn sie lästig werden, landen sie im Tierheim. Oder sie werden einfach ausgesetzt, das macht weniger Arbeit. Schuld sind also nicht allein die Sommerferien. „Manchmal reicht auch das Geld für Futter und Tierarzt nicht“, mutmaßt die Leiterin. „Und wenn die Tiere alt werden, brauchen sie auch nun mal mehr Betreuung.“
Das Tierheim versucht zu helfen, so gut es geht. Allerdings seien auch die eigenen finanziellen Mittel begrenzt. Zwar bekommt die Einrichtung Zuschüsse von der Stadt und den Gemeinden, ist aber auf Spenden angewiesen – gerade auch, um den rasenden Zuwachs von Bello, Minka und Co. zu verkraften.
(Hildesheimer Allgemeine Zeitung, 9. Juli 2011)

Tierheim-Leiterin Sabine Oelschläger hat mit dem tierischen Zuwachs alle Hände voll zu tun.