
Die weiterführenden Schulen konkurrieren um immer weniger Schüler – und immer deutlicher zeichnet sich ab, wer die Verlierer und wer die Gewinner sind. Das Goethegymnasium und die Marienschule steigern ihre Beliebtheit. Das Scharnhorstgymnasium hingegen wird seltener gewählt, die Geschwister-Scholl-Schule gerät in Bedrängnis. Das zeigen die Voranmeldungen für die weiterführenden Schulen.
Beliebteste Schule ist weiterhin die Robert-Bosch-Gesamtschule (RBG). Allerdings ist die Zahl der Voranmeldungen deutlich zurückgegangen – viele Eltern versuchen es bei den zuletzt gegründeten Gesamtschulen in Bad Salzdetfurth, Gronau und in der Stadtmitte. „Wir sind weiterhin die nachgefragteste Schule und das freut uns“, sagt RBG-Leiter Wilfried Kretschmer. In den Vorjahren hatte die Schule viele Bewerber mangels Platz ablehnen müssen – da sei es verständlich, dass die Eltern es in anderen Gesamtschulen versuchten. Die Stadt sieht ihre Entscheidung bestätigt, eine weitere IGS zu gründen. „Die Schulform ist sehr beliebt und wird auch im Landkreis sehr gut angenommen“, sagt Stadtsprecherin Marion Dobias.
Das mit Abstand am meisten gewählte Gymnasium ist das Goethegymnasium. Immer größer wird die Kluft zum Scharnhorstgymnasium, das wie schon im Vorjahr erneut Zuspruch verliert. Scharnhorst-Schulleiter Reinhard Sell zeigt sich überrascht und betroffen von den Zahlen. „Von den Eltern und den Schülern, die bei uns zum Schnuppern kommen, haben wir positive Rückmeldungen“, sagt er. Die Schule müsse sich nicht verstecken, wohl aber ihr gutes Angebot noch besser bekanntmachen. Die Stadt als Schulträgerin verweist darauf, dass das Goethegymnasium seit langem Ganztagsschule ist, Scharnhorst erst seit kurzem. „Möglicherweise ist das vielen Erziehungsberechtigten noch nicht so präsent“, vermutet Stadt-Sprecherin Dobias. Wer den begehrten Platz im Goethegymnasium nicht bekomme, werde auch in diesem Jahr auf freie Plätze an anderen Gymnasien verteilt.
Die beiden großen Gewinner im Wettbewerb um Schüler halten sich unterdessen mit Deutungen zurück. Goethe-Schulleiter Reinhard Weddig legt sich ebenso Zurückhaltung auf wie die Spitze der Marienschule. Die verzeichnet wie schon im Vorjahr steigende Nachfrage und richtet sich erneut auf fünf fünfte Klassen ein (siehe auch Kasten). Ihre katholische Schwesterschule, das Bischöfliche Gymnasium Josephinum, hat die Marienschule deutlich hinter sich gelassen.
In allen Schulen beginnt jetzt die Analyse der Zahlen. Im Josephinum war der Schulleiter gestern für eine Einschätzung nicht erreichbar. Das evangelische Gymnasium Andreanum, das knapp vor dem Josephinum liegt, aber ähnlich starke Verluste verzeichnet, gibt sich gelassen. Überraschend sei eher der Anstieg im vergangenen Jahr gewesen, sagt Schulleiter Hartmut Schulz. Weniger Nachfrage gebe es vor allem aus dem Landkreis: Die neuen Gesamtschulen seien für viele eine Alternative.
Alle Schulen haben gleichermaßen mit schrumpfenden Jahrgängen zu kämpfen. In der Stadt sind für diesen Sommer 250 Schüler weniger vorangemeldet als vor zwei Jahren. Gleichzeitig sinkt die Akzeptanz der Hauptschule auf ein historisches Tief. Der Alte Markt nimmt bereits seit vergangenem Jahr keine Fünftklässler mehr auf, für die Don-Bosco-Schule gilt von diesem Sommer an das selbe. Bei den verbliebenen Hauptschulen wird die Nachfrage jedoch nicht größer – sie sinkt noch weiter ab. Nur noch 40 Kinder sind im Hauptschulzweig der St.-Augustinus-Schule vorgemerkt (Vorjahr: 61), gerade 25 in der Geschwister-Scholl-Schule (Vorjahr: 45). Damit entscheiden sich nur noch 4,9 Prozent der Eltern für die Hauptschule.
(Hildesheimer Allgemeine Zeitung, 23. Februar 2011)
Das Bistum hat seine Pläne revidiert, im kommenden Jahr seine beiden Gymnasien zu verkleinern. Ursprünglich sollten das Josephinum und die Marienschule ab 2012 nur noch drei fünfte Klassen aufnehmen. Ziel war, dass beide Schulen schrumpfen, damit sie ohne das gemeinsam genutzte Kolleggebäude auskommen können. Die Obergrenze von drei Klassen ist nun jedoch vom Tisch. Das bestätigt Dr. Jörg-Dieter Wächter, Chef der Hauptabteilung Bildung im Bistum. „Wir werden das Kolleggebäude noch etwas länger nutzen, weil wir es möglicherweise als Ausweichquartier brauchen“, sagt Wächter. Grund sind anstehende Sanierungen in der Marienschule. Wächter betont, grundsätzlich sei es richtig, Schulen rechtzeitig zu verkleinern, bevor sie von sinkenden Schülerzahlen überrascht würden. Die Dreizügigkeit soll nun vom Sommer 2014 an gelten.