Impfen bei Jungtieren

Die „Ständige Impfkommission Vet“ des Bundesverbands Praktizierender Tierärzte empfiehlt die komplette Schutzimpfung für Katzen im Alter von acht Wochen, die Immunisierung sollte anschließend im Alter von zwölf und 16 Wochen sowie von 15 Monaten wiederholt werden. Gleiches gilt für Hunde: Die sogenannte Grundimmunisierung erfolgt bei Welpen im Alter von acht, zwölf und 16 Wochen sowie nach 15 Lebensmonaten. Eine Impfspritze kostet etwa 50 Euro. Hinzu kommen die Kosten für den Impfstoff sowie für die jeweilige Untersuchung des Tieres durch den Arzt.

Interview

„Die meisten Impfstoffe sind veraltet“

Monika Peichl befasst sich seit Ende der 90er Jahre mit Haustierimpfungen und hat zum Thema Bücher und Artikel veröffentlicht, unter anderem in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Morgen um 14 Uhr hält sie im großen Sitzungssaal im Haus der Kreisverwaltung den Vortrag „Haustiere impfen mit Verstand“. Der HAZ hat sie erzählt, was sie beim Thema „Haustierimpfungen“ in Deutschland vermisst.

HAZ: Sie schreiben seit Jahren über das Thema Haustierimpfungen. Wie kamen sie darauf?

Monika Peichl: Eine meiner Katzen, ein zuvor kerngesundes Tier, erkrankte mit zwölf Jahren an einem Impfsarkom und musste nach zwei Operationen eingeschläfert werden. Der Tierarzt sagte mir damals nicht, dass Fibrosarkome von Impfungen verursacht werden können. Das habe ich selbst durch Internetrecherchen herausgefunden. Danach habe ich mich in das Thema vertieft und viele wissenschaftliche Arbeiten gelesen.

Und was haben Sie herausgefunden?

Dass die jährliche Komplettimpfung bei Haustieren wissenschaftlich nicht zu rechtfertigen ist. Und dass US-Tierarztorganisationen bereits 1997 neue Impfrichtlinien für Katzen herausgegeben haben, 2003 folgten welche für Hunde. Kernstück dieser Richtlinien sind längere Abstände für die meisten Impfungen. In Deutschland wurde das erst 2006 bekannt.

Halten Sie die Impfrichtlinien für ausreichend?

Ich denke, sie sind eine Kompromisslösung – wenn nicht mehr jährlich gegen alles geimpft wird, ist das ein Fortschritt. Es ist auf jeden Fall zu begrüßen, wenn Haustiere weniger unnötige Nachimpfungen bekommen. Es gibt aber keinen wissenschaftlichen Beweis, dass Katzen alle drei Jahre gegen Katzenseuche und Hunde alle drei Jahre gegen Hepatitis, Staupe und Parvovirose geimpft werden müssen. Studien aus den USA belegen, dass der Schutz länger hält. Schlimm finde ich, dass Impfnebenwirkungen in den deutschen Richtlinien überhaupt nicht auftauchen. Das ist in den USA anders.

Bösartige Tumore an der Impfstelle können bei Katzen nach Tollwut- und Leukoseimpfungen auftreten. Impfungen gegen Katzenschnupfen haben diese Nebenwirkung nicht. Heißen Sie diese also gut?

Schnupfenimpfstoffe sind vermutlich selten an der Entstehung von Impfsarkomen beteiligt. Aber sie sind alles andere als perfekt: Sie schützen nicht vor der Infektion, sondern können allenfalls die Symptome mildern. Zudem sind die meisten Impfstoffe gegen den Schnupfenerreger Calicivirus veraltet, sie passen nicht mehr zu den aktuell zirkulierenden Virustypen. Das weiß die Wissenschaft schon lange, den meisten Herstellern scheint das aber egal zu sein.

Interview: Judith Seiffert