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Kein kurzer Weg mehr am Ratsbauhof
Zur Scheelenstraße geht es bald nur noch außen herum
Hildesheim (br). Wer schnell vom Ratsbauhof zur Scheelenstraße will, benutzt dafür den Durchgang am Café Borchardt. Doch diese Abkürzung ist bald passé: Die Eigentümer wollen den Tunnel aller Voraussicht nach schließen, weil die Stadt ihn künftig nicht mehr säubert. ..(Auszug Hildesheimer Allgemeine Zeitung, 23. August)
Christian Becker (Inhaber Becker Optik Team, Scheelenstraße): So schnell geht das also. Da schließt die Stadt indirekt eine wichtige Lebensader zwischen Ratsbauhof und Scheelenstraße - einer Straße, in der 2009 - 2010 mehr als 7 Geschäfte schließen mussten. Noch mal richtig ein Nachtreten zu der Angst, die nun eh schon umgeht mit der Eröffnung der neuen Arnekengalerie. Und das wegen 6000 Euro.
Wie viel Steuern bekommt die Stadt dadurch aber weniger, wenn weiterhin der Umsatz in einer ganzen Straße zurückgeht und evtl. sogar weitere Geschäfte schließen müssen ? Einerseits versuchen die Einkaufsgemeinschaften Scheelen- Juden- Oster- und Rathausstraße alles, um wieder besser dazustehen und andererseits gräbt die Stadt weiter das Wasser ab. Wie passt das mit dem Ziel zusammen, Hildesheim attraktiver zu gestalten ? Lieber kapitulieren vor Vandalismus und zurückziehen aus Verantwortlichkeiten. Passt sowas zusammen?
Carmen Röwer (Hildesheim): Es ist wohl schon wieder so ein Problem, bei dem man "den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht".
Natürlich denke auch ich, dass der Durchgang geöffnet bleiben sollte. Der Hinweis darauf wie die Geschäftswelt unter solchen Entscheidungen leidet zeigt jedoch auch schon eine mögliche Lösung des Problems, vorausgesetzt es handelt sich tatsächlich "nur" um die Sauberhaltung des Durchgangs weshalb er geschlossen werden soll.
Wie sieht es denn aus, wenn die Geschäftsinhaber, welche den Nutzen dieser Passage haben, jeder einen kleinen Betrag zur Reinigung des Durchgangs zusammenlegen und dann (z. B. mit einer Ausschreibung oder durch eine Anstellung) von einem Menschen regelmäßig die Reinigung machen lassen würden. So wäre es auch möglich diese Kosten wieder steuerlich abzusetzen, als öffentliche Betriebskosten. Das könnte doch auch den Besitzer nicht stören.
Weil sie ein Mädchen ist
Traumberuf Mechatronikerin – doch eine 19-Jährige scheitert schon bei der Lehrstellensuche / Grund: fehlende Damenklos
Hildesheim (rei). Kein Damenklo, kein Ausbildungsplatz – so lautet, etwas vereinfacht, die Argumentation, mit der eine junge Hildesheimerin bei ihren Bewerbungen abgewiesen wurde. Dabei waren die Stellen im Bereich Kfz-Mechatronik sowohl für männliche als auch für weibliche Bewerber ausgeschrieben. ..(Auszug Hildesheimer Allgemeine Zeitung, 3. August)
Carmen Röwer (Hildesheim): Sofort dachte ich an meine Jugendzeit und meinen Wunsch damals Autoschlosser und Fernfahrerin zu werden. Das war 1969 denn ich hatte schon immer in den großen Ferien in der Autowerkstatt als Praktikantin gearbeitet. Aber ich durfte es nicht weil ich ja ein Mädchen war. Ruhe hat mir das jedoch nie gelassen und im reifen Alter 1995 erlaubte ich mir dann eine Fahrt mit dem Auto zuerst bis Turkmenistan und danch bis Murmansk. Diese Reisen waren die schönsten die ich je gemacht habe. Vor allem dachte ich unterwegs oft daran, dass diese Fahrten durch Russland ungefähr so waren wie ich mir als Mädchen immer das "Fernfahren" vorgestellt hatte.
Mein Vater und auch meine Tante waren schon 1945 Fernfahrer. Deshalb kam mir das gar nicht komisch vor. Gerade während des Krieges und danach haben doch Frauen alle Arbeiten gemacht, weil es nicht genug Männer gab.
Ich finde es schlimm dass wir heute wieder so weit zurückgeschritten sind, dass es für Frauen und Mädchen keine Gleichheitschance gibt. Wo sind nur die Emanzipationsbewegungen der 60er und 70er Jahre geblieben? Wenn man heute von Emanzipation etwas hört, dann geht es wieder nur um Männer. Männer die zu Hause bleiben, sich um die Kinder kümmern und kochen etc. da ist die Lobby groß.
Im übrigen war mein Vater auch schon Hausmann und wenn ich das erzähle fragen mich die Leute immer ob ich "aus dem Osten" komme.
Nee ich komme nicht aus dem Osten und in meiner Familie wurden alle gleich behandelt. Wenn ich lieber am Auto schrauben wollte statt zu nähen dann durfte ich das auch.
Es ist mir als Deutsche peinlich wenn ich dann lese dass ein Mädchen (wegen einem fehlenden Klo???) hier keine Ausbildung machen darf. Aber leider haben wir ja in der Pisastudie nicht so gut abgeschnitten - schade nur dass offensichtlich die meisten dieser Pisageschädigten an allen hohen Positionen sitzen.
Bombe wird am 11. Juli geräumt
Hildesheim (hei). Die Stadtverwaltung hat sich entschieden: Die unter dem Pflaster der Kreuzstraße geortete Fliegerbombe wird am Sonntag, 11. Juli, geräumt. Dafür müssen große Teile der Innenstadt evakuiert werden ... (Auszug Hildesheimer Allgemeine Zeitung, 2. Juli)
Thomas Kittel (Hildesheim): 2010, das Michaelis-Jubiläumsjahr. Parallel wird der Dom geschlossen, ein Straßenzug für die Arnekengalerie abgerissen, diverse Straßen für den Fernwärmebau der EVI gesperrt und die Umleitungsschilder sind nach wie vor nicht zu verstehen. Perfektes Timing! Hinzu kommen der werdende Neubau des Klinikums und der Umbau der Senator-Braun-Allee. Perfektes Timing! Der PvH ist nun auch eine Kraterlandschaft, passend zur WM und Sommer, was den Platz sehr attraktiv für die Nutzung der Gastronomie macht. Perfektes Timing! Das Phönixgelände ist ebenfalls eine Großbaustelle, genauso wie die Erschließung des zu groß geratenen Baugebiets in Ochtersum. Perfektes Timing! Nun also eine Bombenentschärfung am Tag des Endspiels zur Fußball-WM. Ich hoffe die Spezialisten vor Ort haben ein besseres Timing.
Ottmar von Holtz (Hildesheim): Wir sollen zwar die Sonnabendausgabe abwarten, aber schon jetzt befürchte ich den GAU: Bombenentschärfung samt Räumung sicherlich auch der ganzen Friesenstraße und des PvH am Tag des Fußball-WM-Endspiels. Das hätte was! Die, die das entscheiden, rechnen wohl nicht damit, dass Deutschland das Endspiel erreicht.
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