
Hildesheim (art). Gerade noch haben sie dem Bau der Pyramiden zugeschaut. Da landet die K 135 mit tösendem Geschepper und Kleopatra und Bernward als Gästen aus der Vergangenheit an Bord im Jahr 2010 an der Steingrube: „Hildesheim ist immer eine Reise wert“, tönt Reiseführer Dirk Zulauf (Oliver Dressel) mit routinierter Überzeugerstimme. Und lädt das Publikum – zur Premiere haben bei bestem Wetter 250 Reiseteilnehmer eingecheckt – zu einem Rundgang durch Stadt und Historie Hildesheims ein. Das Stationentheater „M – Zeitreise zu Michaelis“ ist ein gewaltiges Projekt, das mit einem Vorlauf von zwei Jahren und letztlich zusammengestrichener finanzieller Unterstützung 150 Darsteller in verschiedenen Gruppen auf den Weg durch die Jahrhunderte schickt. Dank der Zeitmaschine K 135 lässt sich so auch der alles entscheidende Hüpfer ins Jahr 993 machen, als Bernward noch Otto III. unterrichtete und plötzlich vor der Wahl stand, sein (historisch nicht belegtes) Verhältnis zu Ottos Mutter Theophanu zu legalisieren oder sich als Bischof ganz Gott zu widmen. Bernward wählt die Ehe – zumindest vorerst. Und taucht für den Rest des dreistündigen Marschs von Steingrube über Stadttheater, Osterstraße, Lilie, Mark- und Andreasplatz bis St. Michael sporadisch wieder auf, um die Einzelaktionen zu verbinden. Immer begleitet durch das Zeitreise-Mobil, das dafür sorgt, dass sich die Zeitfenster in die Historie öffnen. Die vorrangig nach Bespielbarkeit ausgewählten Plätze werden Hildesheimer Ereignissen oder Personen wie Didrik Pining, der Zerstörung der Dammstadt oder der Schlacht bei Dinklar zugeordnet. Allerdings sind diese Themen mehr theatralisch humorvoll ausgeformt als informativ (Daten und Fakten sind im Programmheft gut aufbereitet). Und die einzeln erarbeiteten Themen durch Gruppen wie Theater Alt & Jung, TfN-Laienspielgruppe oder Hildesheimer Bürger wirken in der Abfolge eher gestückelt als gereiht. Das stört das bestens gelaunte Premierenpublikum, das – ganz wie beim großen Vorbild Heersumer Sommertheater – mit Rucksack, Proviant und Schutzjacke durch die von der Polizei abgesicherten Straßen zieht, nicht. Und genau wie in Heersum, ist das Stationentheater mit vielen bunten Extras liebevoll garniert und ist die Story ziemlich verwirrend – und macht trotzdem Spaß (eine ausführliche Besprechung mit Fotos folgt morgen auf der Kulturseite). Weitere Möglichkeiten, Historie und Stadt Hildesheims zu erkunden, sind am Freitag und Sonnabend, 11./12. Juni, um 17 Uhr, Sonntag, 13. Juni, um 16 Uhr. Treffpunkt an der Steingrube. Tickets kosten zwischen sechs und 15 Euro (plus Vorverkaufsgebühr).