
(ha). Glaubt man den Experten, schlummern in der Erde noch drei Billiarden Barrel öl. Fast drei Mal so viel, wie die Menschheit bislang überhaupt verbraucht hat. Nach aktuellen Hochrechnungen aber kann diese Reserve den Weltverbrauch nur noch 50 Jahre decken. Wer an die Tankstelle fährt, bekommt schon heute schmerzhaft zu spüren, warum der Rohstoff "schwarzes Gold" genannt wird. Die Suche nach Alternativen hat begonnen.
Lange Zeit genügten den Autofahrern drei Zapfhähne: Benzin, Super, Diesel. Mit erwachendem Umweltbewusstsein kam bleifreies Benzin hinzu, Mitte der 90er wurde verbleites Benzin aus dem Programm genommen, gerade verschwindet Normalbenzin aus den Tanks. Dafür werden heute Kraftstoffe angeboten, an die vor einigen Jahren Otto Normalverbraucher noch nicht gedacht hätte. Autogas, Erdgas, Biodiesel: Nur drei Ansätze, um Klima, Ressourcen oder Portemonnaie, im besten Fall sogar alles drei zu schonen. Was ist von den neuen Kraftstoffen zu halten? Wann lohnt sich eine Umrüstung? Wie sind die Auswirkungen auf die Umwelt? Der ADAC hat den Test gemacht, Kommunikationschef Roman Mölling zieht Bilanz.
Autogas
Unter Autogas versteht man ein Gemisch aus Propan und Butan, das bei der Erdöl- und Erdgas-Förderung anfällt. Mit herkömmlichem Erdgas hat Autogas nichts zu tun. Chemisch ist es mit Benzin verwandt und kann – nach Anpassung des Autos – auch in Ottomotoren eingesetzt werden. Bei atmosphärischem Druck ist es gasförmig, bei maximal zehn bar (je nach Temperatur) geht es in den flüssigen Zustand über und lässt sich nun in Druckbehältern lagern. Als Tank dienen Spezialbehälter, zumeist in Zylindern aus Stahl. Getankt wird mit einem speziellen Füllstutzen, den man mit dem Tankstutzen des Autos verbindet.
Der Ausstoß gesetzlich limitierter Schadstoffe (Kohlenmonoxid, Kohlenwasserstoff, Stickoxide) vermindert sich bei Autogas-Motoren nicht wesentlich, allerdings pusten Autogas-Motoren gegenüber Benzinern weniger nicht limitierte Schadstoffe wie aromatische Kohlenwasserstoffe (Benzol) aus.
Wer einen Neuwagen mit Autogas-Ausrüstung sucht, wird enttäuscht: Anders als in Frankreich, Italien oder den Niederlande ist der Markt in Deutschland bislang klein. Gebrauchtwagen lassen sich aber umrüsten. "Das sollte man einem qualifizierten Fachbetrieb überlassen, der möglichst die seit 2006 vorgeschriebenen Prüfungen der Gasanlagen GAP und GSP durchführen darf", rät Mölling. Eine Firmenliste steht unter www.autogastanken.de im Internet. In der Regel sind Benziner auf wechselweisen Betrieb ausgelegt: Der Fahrer kann während der Fahrt von Benzin- auf Gasbetrieb und umgekehrt umschalten. Dies ist auch notwendig, da das Autogas-Tankstellennetz weitmaschig ist.
Weil Autogas viel billiger ist als Benzin, kann sich eine Umrüstung vor allem bei Vielfahrern und Besitzern von Wagen mit hohem Benzinverbrauch lohnen. Der Heizwert von Autogas liegt um ein Viertel niedriger. Deshalb steigt der Verbrauch. Autogasfahrzeuge sparen im Schnitt 3,2 Cent pro Kilometer gegenüber Benzinern und 2,8 Cent gegenüber dem Diesel.
Wer umrüsten will, sollte darauf achten, dass das Auto nicht zu alt ist, damit sich die Investition lohnt. Zudem verschlechtert sich die Rentabilität, wenn Autos mangels Tankstelle zwischendurch mit Benzin gefahren werden. Eine nachträgliche Umrüstung kostet zwischen 1800 und 3500 Euro. Tipp: Vor dem Umbau vom Umrüster eine schriftliche Unbedenklichkeitserklärung geben lassen. Einige Hersteller lehnen die Autogasumrüstung nämlich wegen möglicher Probleme an den Motorventilen generell ab.
Erdgas
Was Wohnungen wärmt, lässt sich auch in den Tank packen: Erdgas. Das brennbare organische Naturprodukt besteht zu 85 Prozent aus Methan, zu zehn Prozent aus Stickstoff- und Kohlendioxid. Den Rest bilden höhere Kohlenwasserstoffe wie Ethan, Propan und Butan. Bei der Verbrennung entstehen weniger Schadstoffe als bei Benzin und vor allem Diesel. Der Grad der Schadstoffminderung hängt vom Motor und Antriebskonzept ab. Zum Tanken sind Druckbehälter nötig, denn der Betriebsdruck beträgt 200 bar. An der Erdgastankstelle wird eine Kupplung aufgesetzt und verriegelt. Die meisten Autos laufen bivalent, wahlweise mit Gas oder Benzin. Motoren monovalenter Modelle sind auf Erdgas optimiert. Dessen Energiegehalt (130 Oktan im Vergleich zu 95 Oktan bei Super) wird über höher verdichtende Motoren voll ausgeschöpft. Ein kleiner Benzintank dient als Reserve.
Die Nachrüstung kostet 2500 bis 4500 Euro. Da keine Unterflurtanks eingebaut werden können, schrumpft das Kofferraumvolumen. Vorsicht bei Neuwagen: Bei einer Umrüstung kann die Sachmangelhaftung oder Garantie des Herstellers erlöschen. Eine Nachrüstung ist nach Einschätzung des ADAC deshalb nicht sinnvoll. Und noch ein Manko: Die Reichweite im Gasbetrieb beträgt lediglich 200 bis 450 Kilometer.
Der Preis von Erdgas hängt vom Energiegehalt ab, der in Kilowattstunden (KWh) oder Megajoule (MJ) angegeben wird. An Tankstellen wird Erdgas nach Masse (kg) verkauft. Um vergleichen zu können, muss man den Energiegehalt eines Kilogramms Erdgas von 13,0 kWh, eines Liters Diesel von 9,84 kWh und eines Liters Superbenzin von 8,88 kWh ins Verhältnis setzen. Ein Kilogramm Erdgas hat einen Energiegehalt von 1,3 Litern Diesel oder 1,5 Litern Benzin. Kostet ein Kilogramm Erdgas 95 Cent, entspricht dies einem Superbenzin-Preis von 0,63 Cent pro Liter.
Bei 15 000 Kilometern Fahrleistung im Jahr und einer Haltedauer von vier Jahren sparen Erdgasfahrer im Schnitt 3,2 Cent pro Kilometer oder 480 Euro pro Jahr gegenüber Benzinern. Gegenüber Diesel fährt das Erdgasauto drei Cent günstiger (450 Euro). Wann sich der höhere Kaufpreis bezahlt macht, zeigt der ADAC-Kostenvergleich unter www.adac.de, Telefon 0 18 05 / 10 11 12.
Und wenn es mal kracht? Im Crashtest funktionierte das Sicherheitskonzept mit programmiert abblasenden Ventilen einwandfrei. Eine Explosionsgefahr bestand nicht.
Hybridantrieb
Für Schlagzeilen sorgen seit einiger Zeit Hybridfahrzeuge, also Autos mit mindestens zwei Energieumwandlern und zwei eingebauten Energiespeichersystemen. Energiewandler sind zum Beispiel Elektro-, Otto- und Dieselmotoren, Energiespeicher Batterie und Kraftstofftank. In den in Großserie erhältlichen Hybridautos werden Verbrennungs- und Elektromotoren eingesetzt. Im Verhältnis zu konventionell angetriebenen Autos sind die wenigen, bislang angebotenen Modelle meist deutlich teurer. Ob sich der Kauf wirtschaftlich lohnt, sollte gut überlegt werden. Seine Vorteile kann der Hybridantrieb nur in der Stadt ausspielen, bei überland- und Autobahnfahrt hingegen geht der Verbrauch in die Höhe.
Biodiesel
Wie wäre es dann mit Kraftstoff vom Acker? Seit 2007 werden herkömmlichem Diesel vier Prozent Biodiesel beigemischt. Damit kommen sämtliche Dieselmodelle zurecht. Anders bei reinem Biodiesel: Den können meist nur ältere Modelle aus der VW-Motorenfamilie tanken. Biodiesel, chemisch Rapsölfettsäure-Methyl-Ester, wird aus Rapsöl gewonnen, das ohne besondere Motorumbauten nicht pur gefahren werden kann. Deshalb wird Methanol aus Erdgas zugesetzt, schon hat man RME, dessen Motoreigenschaften Diesel ähneln.
Biodiesel ist reaktionsfreudig: Er kann Kunststoffschläuche und Dichtungen, Autolacke und Tankinnenbeschichtungen angreifen. Wer sicher gehen will, dass er Kraftstoff auf Rapsbasis tankt, sollte an der Zapfstelle auf das AGQM-Qualitätssiegel achten.
Wegen des geringeren Energiegehalts steigt bei RME der Verbrauch um bis zu zehn Prozent. Dafür ist der Stoff wegen der geringeren Mineralölsteuer billiger. Noch liegt sie bei 15 Cent pro Liter, bis 2012 soll sie stufenweise auf 45 Cent steigen. Für Diesel fallen 47 Cent an. Der ADAC rät, Biodiesel nur zu tanken, wenn eine Freigabe des Fahrzeugherstellers vorliegt, und die ölwechselinvervalle einhalten.
Nach den ersten zwei bis drei Tankfüllungen Kraftstofffilter wechseln. Auf ständigen Wechsel des Kraftstoffs verzichten, weil Biodiesel Ablagerungen von Mineralöl-Diesel löst; dies kann den Filter verstopfen. Bei Temperaturen unter minus zehn Grad herkömmlichen Diesel tanken, bei Fahrleistungen unter 10 000 Kilometern im Jahr auf Biodiesel verzichten, da sich die Kraftstoffqualität bei längerer Standzeit stark verschlechtert. Und: Nur Biodiesel aus Raps (RME) tanken.
ha). Hand aufs Herz: Wie oft bewegt man sein Auto wirklich? Viele Wagen verbringen mehr Zeit in der Parkbox als auf der Straße. Wer jährlich weniger als 10 000 Kilometer fährt, das Auto nur hin und wieder zum Einkaufen, für Urlaubsfahrten oder zu Ausflüge braucht, für den kann Carsharing eine finanziell attraktive Alternative sein. Carsharing bedeutet, dass sich mehrere Leute ein Auto teilen und dass man für das Auto nur dann bezahlt, wenn man es wirklich braucht. Die Idee hat inzwischen bundesweit schon viele tausend Anhänger gefunden.
In Hannover, wo es das Stadtmobil seit 1992 gibt, rollen inzwischen 110 Teilautos, in Hildesheim, wo die Idee seit 1996 verankert ist, wurde in der Moltkestraße gerade die fünfte Station eröffnet. Die anderen Autos stehen in der Braunsberger Straße, im Bergsteinweg, am Bahnhof und im Rosenhagen.
Das System ist denkbar einfach: Am Anfang stehen die einmalige Kaution (Singles 500, Familien 780, Firmen 1100 Euro) und der Jahresbeitrag (Singles 60, Familien 93,60, Firmen 132 Euro). Braucht man ein Auto, ruft man im Callcenter an, das rund um die Uhr besetzt ist, und bucht durchaus auch kurzfristig stunden- oder tageweise ein Auto nach Wahl. Abhängig von der Mietzeit, der Fahrleistung und dem Fahrzeugtyp gibt es verschiedene Tarife. Für extreme Viel- oder Wenigfahrer sind Sondertarife ausgewiesen. "Erfahrungsgemäß bekommt man fast immer sein Wunschauto", sagt Stadtmobil-Sprecherin Judith Siano. Die Auswahl reiche vom Mini über Van, Kombi, Cabrio bis zum Mercedes SLK und Transporter. Das Benzin ist im Mietpreis immer inklusive, zum Nachtanken gibt’s eine Parkkarte. Das Stadtmobil kümmert sich um Wartung, TüV, Versicherungen und Autopflege. Allerdings wird von den Nutzern erwartet, dass sie das Auto so abstellen, wie sie es selbst gerne vorfinden würden. Und weil an den Standorten stets firmeneigene Parkplätze reserviert sind, entfällt gerade in den Innenstädten die lästige Parkplatzsuche.
Über einen Verbund mit anderen Carsharing-Anbietern kann man auch Autos in vielen anderen Städten mieten und zum Beispiel entspannt im Zug nach Berlin, Hamburg, Köln oder Frankfurt reisen und dann mit einem Mietauto am Ort seine Mobilität verbessern. "So kann ein Stadtmobil-Fahrzeug bis zu zehn private Pkw ersetzen", sagt Siano. Interessant sei das Modell vor allem für Menschen, die monatlich nicht mehr als 900 Kilometer führen. "Gegenüber den Kosten für ein eigenes Auto lassen sich so im Mittel jährlich 1000 Euro sparen."
Die Stadtmobil Hannover GmbH, Karmarschstraße 30-32, ist montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr unter Telefon 05 11/ 1 69 02 90 zu erreichen, das Büro Hildesheim, Am Ratsbauhof 1c, ist donnerstags von 17 bis 19 Uhr besetzt, Telefon 13 06 30. Internet: www.stadtmobil.de
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