Hildesheim (br/jaz). Der mangelhafte Winterdienst in Hildesheim hat ein politisches Nachspiel: Der Stadtentwicklungsausschuss möchte die verantwortlichen Mitarbeiter vorladen. „Um Lehren aus den Fehlern zu ziehen, damit das im nächsten Winter anders läuft“, sagte Grünen-Fraktionschef Ulrich Räbiger jetzt in einer Sitzung des Gremiums. Bei dem Treffen äußerte erstmals ein Verwaltungsvertreter seit Beginn der Probleme eine Art Entschuldigung an die Bürger. „Wir bedauern das alle im Rathaus – bei uns ist keiner glücklich, wie das läuft“, bekannte Planungsamtsleiter Thorsten Warnecke, der den erkrankten Stadtbaurat Dr. Kay Brummer vertrat.
Zuvor hatten mehrere Ausschussmitglieder massive Kritik geäußert. Allein durch die Schwierigkeiten am Dienstag und Mittwoch dieser Woche sei ein großer volkswirtschaftlicher Schaden in der Stadt entstanden, monierte CDU-Ratsherr Matthias Jung. Menschen hätten wegen der schlechten Straßenverhältnisse ihren Arbeitsplatz nicht erreichen können, es habe viele Unfälle gegeben. „Wie kann das sein, dass eine Stadt wie Hildesheim nicht in der Lage ist, die Hauptverkehrsstraßen zu reinigen?“, fragte Jung.
Auch FDP-Fraktionschef Dr. Martin Gottschlich ärgerte sich. Es gehe nicht nur darum, ob man zur Arbeit komme, sondern um die Daseinsvorsorge der Kommune. „Selbst Krankenwagen und die Feuerwehr konnten nicht fahren“, berichtete Gottschlich. Der Rat müsse bei den kommenden Haushaltsberatungen genau schauen, wo er angesichts der schlechten Finanzlage den Rotstift ansetze: „Wir dürfen nicht bei der Mobilität sparen“, forderte der FDP-Vertreter.
Planungsamtsleiter Warnecke äußerte Bedauern, nahm aber die Mitarbeiter der zuständigen Zentralen Werkstätten in Schutz: „Sie haben kreativ gearbeitet“, erklärte er mit Blick auf die Bemühungen, das Fehlen des Streusalzes durch Alternativen auszugleichen. Zudem seien auch in anderen Städten wegen der Glätte die Busse nicht gefahren. „Wir sind einfach abhängig von den Salzlieferanten“, warb Warnecke um Verständnis.
Diese versorgten die Stadt gestern wie angekündigt mit 25 Tonnen Streusalz. Gerade rechtzeitig, dass die Verwaltung ein Streufahrzeug in die Osterstraße schicken konnte. Denn die war gestern Morgen wegen Blitzeis für einige Stunden zwischen Ostertor und Wallstraße gesperrt – nachdem es einen leichten Auffahrunfall und zwei Stürze von Passanten gegeben hatte. (Hildesheimer Allgemeine Zeitung, 5. Februar 2010)