Hildesheim (hei). Höchste Sicherheitsstufe gilt heute auf dem Michaelishügel, wenn Bundespräsident Horst Köhler die 1000 Jahre alte Kirche besucht. Wer dennoch einen Blick auf das Staatsoberhaupt erhaschen will, muss Glück haben. Immerhin: Zu Fuß dürfen sich alle Neugierigen dem Gotteshaus bis auf wenige Meter nähern. 40 Feuerwehrleute markieren vor der Kirche mit einem Flatterband einen Sicherheitsbereich. Diesen darf nur betreten, wer eine Platzkarte ergattern konnte, wer geladener Gast ist oder als Journalist akkreditiert.
Heute früh ab 6.30 Uhr durchsucht das Bundeskriminalamt (BKA) mit Spürhunden die Kirche und deren Umgebung. Ab 9 Uhr sind die Burgstraße, die Klosterstraße und der Michaelisplatz bis 17 Uhr für alle Autos gesperrt, von 11 Uhr an auch die Straßen Wohl, Alter Markt, Süsternstraße, Schenkenstraße und Langer Hagen. Köhler fliegt mit der Präsidentenmaschine bis Hannover-Langenhagen, dort steht bereits sein Dienstfahrzeug mit dem Wappen auf dem Stander und dem Kennzeichen 0-1 bereit. Irgendwann ab 13.30 Uhr dürfte das Auto in die Hildesheimer Burgstraße einbiegen. Drei weitere Fahrzeuge gehören zum Köhler-Tross, für seine Mitarbeiter sowie das BKA. Ein weiterer Wagen fährt Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann vor. Einen Zwischenstopp zum Plausch mit der Bevölkerung wird es nicht geben, der Zeitplan ist eng gestrickt. „Jede Verzögerung wäre unhöflich gegenüber dem Gastgeber“, sagt ein Sprecher des Bundespräsidialamtes. Eskortiert wird die Kolonne von Einsatzwagen der Hildesheimer Polizei. „Bei normalem Wetter hätten wir das mit Motorrädern gemacht, aber das geht jetzt einfach nicht“, erklärt Polizeisprecher Claus Kubik.
Bei der Anfahrt des Präsidenten regelt die Polizei an allen Ampeln den Verkehr – Köhler wird durchgewinkt. Auch in der Kirche sind Beamte, allerdings in Zivil. Sollte es Störungen geben, will die Michaelis-Kirchengemeinde mit eigenen Ordnern reagieren, doch die Polizisten sind stets bereit. Den gesamten Ablauf des Festprogramms hat Jubiläums-Organisatorin Pastorin Nora Steen schon vor Wochen bei der sogenannten Vorausreise des Bundespräsidialamtes geklärt. Wer wo stehen und sitzen oder fotografieren darf, haben die Berliner genauestens vorgeschrieben. „Das ist sehr restriktiv, wir sind damit nicht immer glücklich“, sagt Steen. Doch es gelte eben allerhöchste Sicherheitsstufe. Entspannter dürfte es ab 16 Uhr werden – spätestens dann soll Horst Köhler laut Protokoll wieder in seinem Auto sitzen und zurück zum Flughafen rauschen.
Für rund 1500 Schüler hat der Präsidenten-Besuch einen angenehmen Nebeneffekt: Am Andreanum und in der Freiherr-vom-Stein-Realschule endet der Unterricht heute bereits mittags, weil viele Schüler sonst nicht mehr nach Hause kommen würden – die Bushaltestelle am Museum wird ab 13 Uhr nicht mehr bedient. Die Hauptschule Alter Markt bleibt sogar ganz geschlossen. „Wir machen wegen der Verkehrssperrungen eine interne Lehrerfortbildung“, erklärt Schulleiter Winrich Czichowski. Die Schulung wäre im Februar ohnehin fällig gewesen – und so erspare man den Schülern eventuelle Probleme auf dem Nachhauseweg. Allerdings hätten alle Schüler Aufgaben mitbekommen, betont die Schulleitung.