Schweinegrippe: Erste Tamiflu-Resistenzen (18.12.)
Münster (dpa) - In Deutschland sind erstmals bei Schweinegrippe- Patienten Resistenzen gegen das Grippemittel Tamiflu nachgewiesen worden. Betroffen sind eine Zehnjährige und ein 31 Jahre alter Mann. Beide seien mit Vorerkrankungen und einer «schwachen Abwehr» ins Universitätsklinikum Münster gekommen, teilte die Klinik mit. Sie wurden nach Angaben der Klinik mit einem Alternativ-Grippemittel behandelt. Tamiflu-Resistenzen sind bereits in anderen Ländern wie Norwegen, Großbritannien und Dänemark nachgewiesen worden.

Immer mehr Bürger in Stadt und Landkreis Hildesheim wollen sich jetzt offenbar doch gegen die Schweinegrippe H1N1 impfen lassen. Die Wartelisten bei den Hausärzten werden länger, die Impfstoff-Anforderungen der Ärzte bei den ausgewählten Bezugsapotheken größer.
„Am Anfang lief die Nachfrage nach dem Impfstoff noch sehr zurückhaltend“, sagt am 10. Oktober Irene Parigger zur Hildesheimer Allgemeinen Zeitung. Sie betreut als Pharmazeutisch-Technische Assistentin (PTA) in der „Sonnenapotheke“, einer der vier offiziellen Bezugsapotheken in der Stadt, die Logistik für den Impfstoff Pandemrix. Mit jeder Meldung über neue Todesfälle aber steigt offenbar die Bereitschaft, sich doch die Spritze abzuholen. Drehte sich die öffentliche Diskussion zunächst um das Für und Wider des Wirkverstärkers und die zweierlei Impfstoffe für Bundeswehr und Politiker auf der einen und die restliche Bevölkerung auf der anderen Seite, hören jetzt offenbar immer mehr Patienten auf die Empfehlung der Ständigen Impfkommision (Stiko), die ganz offiziell zur Impfung rät.
Allerdings gibt es nach wie vor auch in Stadt und Kreis eine Reihe Ärzte, die der Impfung kritisch gegenübersteht und das Risiko höher bewertet als den Nutzen. Dr. Martina Wenker, Präsidentin der Niedersächsischen Ärztekammer, zeigt dafür Verständnis, rät diesen Ärzten aber, impfwillige Patienten an Kollegen zu verweisen. „Schon aus haftungsrechtlichen Gründen“, falls der Patient später mangels Impfung erkranken sollte.
Hotline: Wer impft?
Welche niedergelassenen Haus- und Fachärzte impfen, nennt jetzt eine ständig aktualisierte Hotline der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), die ab sofort unter der Telefonnummer 0180 / 1155511 zu erreichen ist. Eine nach Postleitzahlen sortierte Liste steht zudem unter www.kvn.de.
Robert-Koch-Institut beantwortet Fragen
Um wiederkehrende Fragen der Bürger zu klären, hat das Robert-Koch-Institut eine umfassende Antwortenliste ins Netz gestellt, die unter www.rki.de aufgerufen werden kann.
Eine 49-jährige Derneburgerin spricht über ihre Krankheit: „Ich mache daraus kein Geheimnis“ ...weiter
Die Bezeichnung Schweinegrippe, die sich von Mensch zu Mensch mit Tröpfchen überträgt, ist umstritten. Möglicherweise rührt sie daher, dass Schweine bei der Grippeausbreitung als sehr gefährlich gelten, weil sich Viren in ihnen gleich gut vermehren und mischen können. Ein H1N1-Virus war Auslöser der Spanischen Grippe, die um 1920 weltweit mindestens 25 Millionen Menschen getötet hat. Laut Wissenschaftlern ist der Name „Schweinegrippe“ irreführend, da Patienten sich offenbar nicht bei Schweinen infizierten. Darauf deuten Untersuchungen hin. Vielmehr handelt es sich Virologen zufolge um einen neuen Erreger.
Die Weltorganisation für Tiergesundheit sieht es so: Der Erreger besitze Komponenten, die beim Menschen und bei Vögeln aufträten. Daher könne man nicht von Schweinegrippe sprechen. Besser wäre der Name: „Nordamerikanische Grippe“. Vorgeschlagen wurde auch die Bezeichnung „Neue Grippe“: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die EU bezeichnen die Krankheit als „Novel Flu“. Kritik an dem Begriff „Schweinegrippe“ übten auch Schweinezüchter. Man solle nicht den Eindruck vermitteln, dass Schweinefleisch gefährlich sei. Diskutiert wurde überdies in Israel. Um den Namen eines „unreinen“ Tieres nicht in den Mund zu nehmen, hatte ein Regierungsvertreter den Begriff aus dem offiziellen Wortschatz verbannt. Deshalb solle die Influenza in Israel „Mexikanische Grippe“, wo sie besonders wütete, heißen. Bei den Juden wie im Islam ist das Schwein ein unreines Tier, dessen Verzehr verboten ist.

Die Hildesheimer Allgemeine Zeitung sprach im August mit Dr. Hans-Martin Groß über die Schweinegrippe
HAZ: Was raten Sie Eltern?
Dr. Hans-Martin Groß: Auf keinen Fall in Panik auszubrechen. Falls sie bei ihren Kindern Symptome wie Husten oder Halsschmerzen feststellen, sollten sie mit ihnen zum Arzt gehen und sie nicht weiter zu Schule schicken.
Wie wird der Virus übertragen?
Per Tröpfcheninfektion, das heißt nicht nur beim Niesen, sondern auch beim Sprechen. Diese Tröpfchen sind so leicht, dass sie länger in der Luft schweben. Zudem kann es zu indirekten Infektionen über Türklinken oder Treppengeländer kommen. Wichtig ist, dass man schon 24 Stunden vor Ausbruch der Krankheit andere anstecken kann.
Wie bemerke ich, ob ich an der Schweinegrippe leide?
Die Symptome unterscheiden sich nicht von denen einer normalen Grippe. Hohes Fieber, trockener Reizhusten und Muskel- oder Kopfschmerzen sind typisch. Nur ein Test schafft Klarheit.
Wie läuft der ab?
Ein Arzt nimmt Abstriche der Rachen- und Nasenschleimhaut. Bei dem Test kann zwischen den Grippetypen Influenza A und B sowie Influenza A in Kombination mit H1N1-Merkmalen - dem Schweinegrippevirus - unterschieden werden.