Leserbriefe

Ingrid Hinselmann (Hildesheim): Ein aufgespießtes Schwein im Dom! Widerlich war der erste Eindruck und Gedanke! Wir haben ja auch sonst nichts Anderes zu essen, können den Handwerkern auch nicht anderweitig Freude bereiten und danken. Was denken sich unsere Domherren dabei, oder denken sie überhaupt? Vielleicht über die Würde des Tieres? Schnell gesellen sich Gedanken über Massentierhaltung dazu. Ist wahre Religion nicht auch wahre Menschlichkeit? (Ein Ausspruch Albert Schweizers.) So lebt in unserer Gesellschaft Rohheit und Gedankenlosigkeit! Außerdem: Der Dom bleibt Dom, auch als Baustelle. Ein besonderer Ort in und für Hildesheim.

 

Joachim Hinselmann (Hildesheim): Das passt: Die rot gebratene Haut, die abgehackten Beine, die gespitzten Ohren, die leeren Augenhöhlen und das aufgerissene Maul erwecken den Eindruck einer angstvoll quiekenden Sau. Sie steht für die unzähligen Schweine und anderen Nutztiere, die in Massentierhaltungen bis zur Schlachtung kein artgerechtes Leben führen dürfen und deren Leid weder die katholische noch die evangelische Kirche beunruhigt.

 

Bert Barthol (Hildesheim): Stehcafés, Buffets, Sektempfänge sind in protestantischen Sakralräumen ringsum schon längst etabliert. Vorbehalte aus der kleinen Schar empfindlich Betroffener rühren die Verantwortlichen eher nicht. Da ist es endlich an der Zeit, mit einem pontifikalen Spanferkelgelage in der Kathedralkirche des Bistums Hildesheim katholischerseits aufzutrumpfen. Nichts gegen die geschmackvollen Köstlichkeiten, die wahrlich Gaumen und Herzen erfreuen. Jedoch an dieser in Jahrhunderten durchbeteten und geweihten Kultstätte über den Gräbern Heiliger und Seliger ist es einfach nur geschmacklos. Wie abgehoben und abgeklärt kann man als Kirchenverantwortlicher eigentlich noch sein?

 

Christoph Bruns (Harsum): Bischof Trelle veranstaltet im angeblich „profanierten“ Dom ein Spanferkelfest mit 140 Litern Kölsch. Eine kaum zu überbietende Geschmacklosigkeit! Die Aktion offenbart, wie tief der Zeitgeist des „anything goes“ bereits in der Kirche selbst heimisch ist. Der säkularen Presse wird man es schwerlich verübeln können, wenn sie die pietätlose Steilvorlage des Bischofs in derart blasphemischer Weise aufgreift. Berücksichtigt man jedoch, dass die zitierten Passagen wörtlich aus dem entsprechenden Bericht der bischöflichen (!) Pressestelle übernommen sind, zeigt sich: Nicht der Dom, wohl aber die Diözesanleitung und ihre Pressestelle sind faktisch profaniert!

 

Ingrid Coughlan (Hildesheim): Es ist ja wohl für jeden okay, dass die Arbeiter in der profanierten Dombaustelle ihr Schinkensandwich essen und auch mal etwas trinken, um den Staub aus der Kehle zu spülen. Jeder kann sich denken, dass es gar nicht anders geht. Sollen sie etwa draußen im Regen essen oder für jedes Schlückchen ihre Arbeit unterbrechen? Nein, dass die Arbeiter jeden Tag an ihrem Arbeitsplatz essen und trinken, das kratzt uns nicht im geringsten. Aber wehe, sie tun es in fröhlicher Gemeinschaft. Wehe gar, der Bischof kommt dazu und bedankt sich mit Schweinchen und Bierchen.
Nein, das geht gar nicht! Lieber Herr Bischof Trelle, Ihren Job möchte ich nie haben. Wenn Sie sich heilig geben, dann sind Sie abgehoben. Wenn Sie aber mitmenschlich sind, dann sind Sie nicht heilig genug. Ich jedenfalls finde, das hier haben Sie gut gemacht. Nur der Bericht darüber, der war nicht so glücklich.

 

Klaus Heinemann (Hildesheim): Die Sache wird immer peinlicher! Da wird das Spanferkelfoto entfernt und bei der Gelegenheit erfährt der Leser, dass nicht nur ein sondern sogar vier (!!!) Spanferkel gegrillt wurden. Für mich ein unerträglicher Vorgang. Und wenn Herr Coughlan als "wichtige katholische Stimme" - für mich ist er das wirklich nicht - erklärt, das Schwein sei "kein unreines Tier", dann liegt er voll daneben. Wären Hähnchen oder Schafe gegrillt, hätte das auch meinen Unmut hervorgerufen. Und dann noch anzufügen "wer sich darüber errege, habe ene entrückte Vorstellung von Heiligkeit" setzt allem die Krone auf! Man hätte die Handwerker auch an einem anderen Ort und auf andere Weise bewirten können. Schließlich ruhen im Dom noch mindesten drei Bischöfe - einer schwebe im Steinskrophag über der Party - somit ist dieser Ort auch Friedhof. Und dort verbietet sich ein weltliches Gelage.


Benita und Detlef Ramisch (Lechstedt): Bilder können von einer Homepage entfernt werden, nicht aber aus den Herzen. In der Klosterkirche Marienrode spazieren jedes Jahr, anlässlich des Konzertes im August, Besucher mit einem Glas Wein und einem Teller Essen durch die Kirche, den Hinweis: Dies ist ein Gotteshaus, bitte bewahren Sie die Würde des Ortes…. ignorierend. Schlimm genug. Der Dom jedoch, ob im Umbau oder nicht, ist IMMER auch ein Symbol der Christenheit. Der Ort verdient jeglichen Respekt! Eine Feier mit Bier und Gegrilltem über Gräbern ist ein Unding! Statt zu sagen: "Ich habe Fehler gemacht. Ich bereue!" wird rumlamentiert und selbst ein so honoriger Caritas Chef wie John Coughlan zum „Bauernopfer“ degradiert, der dann entsetzten Christen „eine entrückte Vorstellung von Heiligkeit“ unterstellen muss. Eine Kirche ist keine Kneipe. Konsequenzen? Da mag ein Blick auf evangelische Würdenträger helfen.