Hildesheim (hei). Eine Generalprobe gab es nicht, heute muss alles beim ersten Mal klappen. Um 13.20 Uhr ist klar: Es funktioniert. „Das Band steht“, freut sich die Kunstlehrerin Dr. Sabine Schreiner. Sie steht vor dem Dom, wo die lange Schlange der Josephiner ihren Anfang nimmt. Dicht nebeneinander reihen sich 1000 Schüler in Richtung Pfaffenstieg, sie stehen die gesamte Burgstraße hinauf und die Treppen zur Michaeliskirche empor. In ihren Händen: die Gratulation der Schule zum 1000-jährigen Geburtstag des Gotteshauses, ein mehr als 600 Meter langes Transparent.
Durch den Schnee am Dom stapft die EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann auf Norbert Trelle zu. Zusammen mit den anderen Ehrengästen machen sich Bischof und Bischöfin auf den Weg, immer am Band entlang, das die Schüler halten. Die Klasse 8 b präsentiert stolz die Szenen aus dem Leben von Bischof Bernward, der die Kirche einst gründete. Dass die Promis alles interessiert begutachten, ist für die Schüler bei weitem nicht das Wichtigste. „Wir machen das für die Michaeliskirche“, sagt Nina Spinner (13) sehr bestimmt. Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann gefällt am besten die Darstellung eines mittelalterlichen Spieles, das ihr die Schüler auch erklären. „Dabei ist es immer wieder zu Streit gekommen, und die Kirche musste dann schlichten“, hat die Chefin aller niedersächsischen Lehrer gelernt. Weihbischof Hans-Georg Koitz zeigt Bischöfin Käßmann stolz den lateinischen Text, den er auf den Stoff gemalt hat: „Das war ich!“
Käßmann kann auch an diesem Tag nicht dem Krieg am Hindukusch ausweichen. „Der Verteidigungsminister hat Sie nach Afghanistan eingeladen. Werden Sie fahren?“, will eine Fernsehreporterin wissen. „Auf jeden Fall“, bestätigt Deutschlands oberste Protestantin – und setzt im Nachsatz eine etwas andere Betonung: „Seelsorger dort haben mich gebeten, einen Gottesdienst zu halten. Zu dem habe ich Herrn zu Guttenberg eingeladen.“
An der Wegstrecke stehen Zuschauer und beklatschen die kreative Arbeit der Josephiner. „Ganz toll habt ihr das gemacht“, ruft Barbara Vonnegut und strahlt. „Eine Superleistunge, die jedes Kind anspornt“, ist die alte Dame sicher. Weil der Promi-Tross immer wieder stehenbleibt, um einzelne Bilder zu begutachten, beginnt der Leiter des Josephinums sanft zu drängen. Benno Haunhorst hat einen Anruf bekommen: Der Bundespräsident wird bald eintreffen. Oben, vor dem Eingang der Kirche, halten acht Schüler das letzte Stück Stoff. Ein Flatterband hält Neugierige zurück. 13.46 Uhr ist es so weit: Der dunkle Audi mit dem Wappen des Bundespräsidenten rollt vor, Horst Köhler steigt aus und winkt. Er ist der erste, der zum Filzstift greift und seinen Namen auf das Stück Stoff setzt. Direkt darunter unterschreibt seine Frau Eva Luise. Heister-Neumann setzt ein kleines Herzchen neben ihren Namen: „Das muss einfach sein.“
Nicht nur sie ist begeistert von den Josephinern: Später beim Festakt schwärmt Horst Köhler von dem Projekt. „Ich hoffe, dass ich nachher noch etwas mehr davon sehen kann“, sagt der Bundespräsident abweichend von seinem Redemanuskript. Da lagert das Band jedoch bereits wieder ordentlich zusammengerollt im Josephinum.
Wenn Köhler mehr sehen will, muss er noch einen zweiten Besuch in Hildesheim einplanen: Demnächst ist das Banner in der Rathaushalle ausgestellt.