
(-dt). Mehr als die Hälfte der Energie, die in privaten Haushalten verbraucht wird, fließt durch die Heizkörper. Das haben Berechnungen der Energieversorgung Hildesheim, EVI, ergeben, genau 52 Prozent. Diese Zahlen hat die EVI auf Wunsch der HAZ-Redaktion ermittelt. Nur sechs Prozent dagegen wird zur Erzeugung von Warmwasser verbraucht. Wer also wirklich sparen will, muss an die Heizkörper ran. Längeres Duschen ist zwar in vielen Familien oft Grund für Ärger zwischen Kindern und Eltern, aber die durchschnittlichen sechs Prozent Energieanteil am Gesamtbedarf sollten aber Anlass zur Abrüstung im Badezimmer sein.
Dagegen fließen genau 20 Prozent Energieanteil über den Strom ins Haus. Die nebenstehende Tabelle "Die Stromfresser" zeigt, wo genau der Strom hinfließt. Diese Tabelle steckt voller Überraschungen. Oder ist klar, dass der Einsatz der Waschmaschine im Verbrauch günstiger ist als Fernsehen und Computer?
Aber die echten Stromfresser sind die, die Kälte und Wärme machen, also Kühlschrank und Gefriertruhe sowie der E-Herd. Zusammen verbrauchen die drei rund 36 Prozent aller Energie in den privaten Haushalten. Dass der Kühlschrank dabei allein mit 13 Prozent zu Buche schlägt, schockt.
Dennoch sind die größten Einsparpotentiale bei der Beleuchtung zu finden. Das zeigt die zweite Tabelle "So viel kann ich einsparen". In dem gezeigten durchschnittlichen Beispiel "Beleuchtung" wird von 344 Kilowattstunden Stromverbrauch ausgegangen. Laut Zahlen der EVI könnte allein hier die Hälfte des gesamten Stromverbrauchs eingespart werden. Ein derartig hohes Einsparpotential bietet auch der Wäschetrockner.
Interessant dabei ist, dass die größten Verbraucher nicht automatisch auch am meisten Einsparmöglichkeiten bieten. Auch darüber gibt die Tabelle Auskunft.
Wer sich ein Bild verschaffen will, wo der eigene Verbrauch im Durchschnitt liegt, kann sich an diesen Richtwerten orientieren. Danach liegt der durchschnittliche Verbrauch im Jahr (jeweils in Kilowattstunden) für einen Single-Haushalt bei 1700, bei zwei Personen bei 2900, bei drei Personen bei 3900 und in einem Vier-Personen-Haushalt bei 4500. Wer bei sich zuhause von diesen Richtzahlen im Stromverbrauch abweicht, kann sich als Detektiv in eigener Sache selbst auf die Suche nach den großen Stromfressern in der eigenen Wohnung machen.
Was ist richtiger und besser für Verbraucher: Strom sparen, neue Geräte kaufen oder den Anbieter wechseln? Die HAZ sprach mit Olaf Weinel, Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Niedersachsen e.V..
HAZ: Herr Weinel, was ist zu beachten, wenn man den Stromanbieter wechseln will?
Olaf Weinel: Unbedingt die Preise der Stromanbieter vergleichen, keinen ehemaligen Monopolisten (oder deren Töchter) und kein Vorauskasse-Tarifmodell wählen, auf Preisgarantien achten (z.B. ein volles Jahr) sowie die Vertragslaufzeit entsprechend der Preisgarantie wählen.
Wann aber sollte man nicht wechseln?
Bei nur geringer Einsparung, also etwa bei weniger als 50 Euro pro Jahr.
Wer Ökostrom beziehen möchte: Ist Verlass auf das Etikett "Ökostrom"?
"Ökostrom" ist keine geschützte Marke, es gibt viele grüne Plaketten, die nicht zu empfehlen sind. Daher ist unbedingt auf Ökostrom-Tarife mit den Gütesiegeln "OK-Power-Label" oder "Grüner Strom Label" zu achten.
Ist es wichtiger, Ökostrom zu beziehen oder Strom zu sparen?
Strom sparen ist immer die beste Alternative: Jede Kilowattstunde (kWh), die nicht erzeugt werden muss, schont das Klima am wirkungsvollsten.
Gibt es eine Faustformel, wie viel Strom in einem Haushalt jede Person höchstens verbrauchen sollte?
Man sollte sich am Stromverbrauchsindex orientieren: P x 500 kWh + 500 kWh = Zielwert kWh. Dabei steht "P" für die Anzahl der Personen im Haushalt. Die einfache Rechenformel gibt einen Zielwert für den Stromverbrauch des individuellen Haushalts vor. Liegt der reale Stromverbrauch des Haushalts über dem ermittelten Wert, sollte man aktiv werden.
Was ist wichtiger: Strom zu sparen oder neue Geräte zu kaufen?
Ebenfalls Strom sparen. Bei Neukauf unbedingt auf Energieverbrauchskennzeichnung (A++, A+ oder A) achten.
Was sind aus Ihrer Sicht die schlimmsten Stromfresser?
Veraltete Geräte, zum Beispiel alte Gefriergeräte, Kühlschränke, auch ineffiziente oder überflüssige Stromverbraucher wie überdimensionierte Beleuchtung oder auch Stand-By-Schaltungen.