
Das Stadttheater hat sein 100-jähriges Bestehen mit einem 3-tägigen Festwochenende gefeiert. Auf dem Programm standen unter anderem ein Jubiläumsempfang, die Premiere von Wagners Oper "Die Meistersinger von Nürnberg" sowie ein großes Chorfestival mit mehr als 1600 Sängern aus Hildesheim und der Region. Sehen Sie hier die schönsten Bilder!
Zahlreiche Leser haben uns zum 100. Geburtstag des Hildesheimer Stadttheaters ihre ganz persönlichen, unvergesslichen Theatererlebnisse geschildert. Nun steht die Gewinnerin des Geschichtenwettbewerbs fest.
Ricarda Pagel wurde mit ihrer lebhaften Erzählung "Theaterfrust - Theaterlust" von der Jury einstimmig zur Siegerin gekürt. Sie darf in aller Ruhe im prall gefüllten Fundus des Stadttheaters stöbern und sich ihre Traumrobe aussuchen. Fündig wird sie dort mit Sicherheit: Die Kostüme reichen vom Mittelalter bis zur Neuzeit und stammen aus Märchen-, Musiktheater- und Schauspiel-Produktionen.
Allen Teilnehmern sei gedankt für ihre lustigen und interessanten Beiträge!

Die schönsten Bilder aus zehn Jahren Stadttheater

Quelle für die folgenden Fotos und Texte:
Stadttheater Hildesheim – die ersten 100 Jahre
Eine Dokumentation von Ute Horstmann
Mit dem Programmheft „Die Meistersinger von Nürnberg“. Georg Olms Verlag, Hildesheim 2009.
352 Seiten mit zahlreichen, z.T. farbigen Abbildungen.
Fester Einband. ISBN 978-3-487-14227-2
Ladenpreis 19,80 EUR, in Verbindung mit dem Kauf einer Theaterkarte 12,80 EUR
Erhältlich im Buchhandel und im Stadttheater ab dem 28.9.2009
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Das neue Stadttheater war am 15. September 1909 fertiggestellt. Am 25. September begannen die Proben für die erste Spielzeit. Ein Pächter war in zwischen gefunden worden: der renommierte Theaterdirektor Oscar Lange. Am 2. Oktober 1909 wurde das neue Theater in Anwesenheit vieler Ehrengäste glanzvoll eröffnet.
Ein Platz Parkett-Sessel (die ersten vier Reihen des Parketts) kostete damals im freien Verkauf 2,50 Reichsmark zuzüglich Garderobengebühr und Billettsteuer.

Die Übernahme der Theaterdirektion stand für William Büller unter dem Unstern des 1. Weltkriegs, dessen Ausbruch die Durchführung der Spielzeit 1914/15 zunichte machte. Aus dem Pachttheater wird ein städtisches Unternehmen. Leider waren die Sorgen der Theaterbediensteten nach der Übernahme durch die Stadt nicht beendet, denn die Inflation hatte ihren Höhepunkt noch nicht erreicht. Es drohte zum erstenmal das Gespenst der Theaterschließung.

Nachfolger Büllers wurde Hanns Mühlinghaus vom Mitteldeutschen Landestheater.
Die Kriegsereignisse ließen sich nun immer weniger verdrängen; eine Anzahl von Vorstellungen wurde durch Fliegeralarm unterbrochen, und auf den Personenzetteln (Programmhefte) befanden sich stets Hinweise auf die nächstgelegenen Schutzräume. Im August 1944 wurden die deutschen Bühnen geschlossen. Alle Kräfte wurden nun zur Unterstützung des "totalen Krieges" gebraucht. Am 22. März 1945 wurde das Theater bei dem Hauptangriff auf Hildesheim durch Bomben so schwer getroffen, dass es völlig ausbrannte und nur die Mauern stehen blieben. Sämtliche Kostüme, Requisiten und Dekorationsteile verbrannten.

Ende August 1949 bestand für die Bürger Gelegenheit, bei Theaterführungen das neu erbaute Haus zu besichtigen. Eröffnet wurde am 10. September 1949 mit dem Schauspiel "Nathan der Weise" von Lessing. Neuer Spielleiter wurde Walter Zibell. Im Laufe der Jahre wurde die Beleuchtungsanlage ergänzt, es wurden eine Hinterbühne und Kulissenmagazine gebaut sowie ein Neubautrakt mit Garderoben und Ballettsaal; außerdem wurde ein neues Foyer eingerichtet.

Die erste Aktivität des neuen Intendanten, Pierre Léon, bestand darin, zu einer Renovierungsaktion aufzurufen. Im April 1977 wurden in einem großen Zeitungsbericht die Zustände hinter den Kulissen geschildert: enge, teils feuchte Arbeitsräume, blätternder Putz, verblichene Farben. Viele Hildesheimer Bürger und Firmen waren bereit, mit Geld- und Sachspenden sowie durch eigenen handwerklichen Einsatz zu helfen.
Das Musical "West Side Story" (siehe Foto), im Oktober 1979 herausgebracht, wurde auch in Hildesheim umjubelt.

Unter der Führung von Klaus Engeroff, der einschneidende, personelle und konzeptionelle Veränderungen beschloss, waren Ende der Spielzeit 1992/93 wieder 78 % Platzausnutzung erreicht, die Anzahl der Abonnements war gestiegen, die Resonanz des Publikums auf das Gebotene durchweg positiv.
Schlagzeilen machte während dieser Zeit die Aufführung des Dramas "Medea" (siehe Foto). Sowohl Darstellern als auch Zuschauern wurde "das Äußerste" abverlangt, so berichtete die Zeitung.

Das Haus in der Theaterstraße war nicht länger bespielbar. Technische Überprüfungen hatten ergeben, dass die Mängel inzwischen so gravierend waren, dass sie beträchtliche Gefahren für Darsteller und Publikum bargen. Neue Spielstätte wurde die Halle 39.
Bei der Inszenierung des Kinderstücks "Das besondere Leben der Hilletje Jans" von Ad de Bont kam es zum Eklat: Es entzündete sich eine wütende Leserbriefschlacht, die sich über Wochen hinzog und in Morddrohungen gegen den Intendanten gipfelte. Der Streit schlug hohe Wellen.

Neu für Hildesheim waren bestimmte Angebote des Beiprogramms: die "Playstation", die "Nachtbar" und anderes, Veranstaltungsreihen, die sofort gut angenommen wurden und sich in den folgenden Jahren zu Anziehungspunkten besonders für ein junges Publikum entwickeln sollten. Weitere Pläne von Dr. Urs Bircher war die Zusammenarbeit mit anderen Kulturinstitutionen, besonders der Universität, sowie mit den zahlreichen freien Gruppen. Der Wunschtraum der Beteiligten war es, die Kräfte in einem großen Hildesheimer Theaterzentrum zusammenzuführen.

Aus der Landesbühne Hannover und dem Stadttheater Hildesheim wird das Theater für Niedersachsen (TFN). Die offizielle Eröffnung des TFN fand am 15. September 2007. Künftig sollte Hildesheim das Zentrum des neuen Theaterverbundes sein, daneben sollten sowohl das Theater an der Bult, also der Sitz der ehemaligen Landesbühne, als auch 60 bis 80 Gastspielorte sowie im Sommer das Gartentheater in Herrenhausen bespielt werden.
Alle Theaterstücke mit ihm wurden angeschaut. Im Großen Haus „Geschichten aus dem Wienerwald“ und „Der kleine Horrorladen“. Er wird uns als sadistischer Zahnarzt immer unvergessen bleiben. Am besten jedoch waren die Vorstellungen im theo. „Mein Kampf“ wurde mindestens fünfmal angeschaut, weil man Herrn Schibli selten so nahe war wie dort. Je schräger die Rolle, desto besser hat er uns gefallen.
Zu dieser Zeit wurde ich immer „Knarre“ genannt. Keine Ahnung wieso. Aber mein schönstes Weihnachtsgeschenk bekam ich damals von meiner Schwester. Ein Programmheft zu „Mein Kampf“. Darauf war ein Foto von Hans Schibli, der Adolf Hitler darstellte. Dieser hatte augenscheinlich gerade schmerzvolle Blähungen und sah ausgesprochen lächerlich aus. Darunter stand das Autogramm: „Für Knarre. Mit den besten Wünschen Hans Schibli.“ Das Heft habe ich heute noch... ich weiß nur nicht wo.
Dann gab es irgendwann den „Tag der offenen Tür“ des Stadttheaters und meine Schwester und ich hatten uns gerade ausrangierte mittelalterliche Kostüme gekauft. Das musste mit einem Glas Sekt begossen werden. Ich wartete auf einer der oberen Treppenstufen am Geländer auf meine Schwester, die die Getränke kaufen wollte. So stand ich also da und dachte an nichts. Und dann… man ahnt es schon... kam Hans Schibli die Treppen hinauf und stellte sich hinter mich. Grundgütiger… und was nun?! Es war mir nicht möglich, mich umzudrehen, denn dann hätte er mein in Sekunden wechselndes Farbenspiel des Gesichts gesehen. Eine Kontaktaufnahme mit diesem Heiß-Kalt-Gefühlsausbruch konnte nur mit einer katastrophalen Peinlichkeit enden. Na schön, also dann einfach nur mit dem Rücken zu dem Angebeteten stehen bleiben und auf ein Wunder hoffen. Als schließlich mein Deodorant versagte, kam endlich meine Schwester mit dem Sekt. Sie stand am unteren Ende der Treppe und sah meine verstörte Miene... nein, eher eine entstellte Grimasse! Schließlich erspähte sie den Grund für meine Gesichtsentgleisungen und konnte nur noch grinsen. Aber dann war auch schon wieder alles vorbei und Herr Schibli entschwand einfach mit einem weitaus intelligenteren Antlitz als dem meinen. Er nahm mich also glücklicherweise gar nicht wahr. Vielleicht lernte er gerade einen schwierigen Text auswendig oder er dachte an irgendetwas Erhabenes. So jedenfalls sah ich das damals. Mein umschwärmter Schauspieler konnte nicht mit den profanen Dingen des Alltags beschäftigt sein.
Später gestand mir meine Schwester, dass sie nie zuvor einen so dämlichen Gesichtsausdruck bei mir gesehen hatte. Wie gut, dass Hans Schibli mich damals gar nicht registrierte und einfach wieder seiner Wege ging! Wer weiß… vielleicht war er gerade auf der Suche nach einer Toilette.
Übrigens steht auf meiner Weihnachtswunschliste mittlerweile aus Gründen der Vernunft „Gesundheit“ an erster Stelle.
Allein dieses Musical sah ich bestimmt 12 Mal, es folgten "Me and my girl" und "Grease".
Auch zum Tanz bin ich durch das Theater gekommen. Ich sah mir mit meiner Patentante einen Ballettabend an und habe dann hinterher einen Brief an die Dramaturgie geschrieben wie ich den Abend fand und ob man mal beim Training zugucken könnte. Ich durfte dann in meinen Schulferien beim Ballett-, Modern- oder Jazztraining zuschauen. Als ich dann herausfand das eine hiesige Ballettschule auch Anfängerkurse für Jugendliche und Erwachsene anbot, musste ich dorthin. Nach 10 Jahren habe ich das Tanzen aufgegeben, die Liebe zum Theater ist aber geblieben. Seit vielen Jahren besuche ich den VHS-Kurs "Hinter den Kulissen", in dem man Einblicke in die Produktionen bekommt und ich bin immer wieder fasziniert davon, was Theater alles ausmacht. Ich habe Unterschriften gesammelt, als es um die Abschaffung des Drei-Sparten-Theaters ging und ich würde es heute wieder tun. Hildesheim braucht das Theater! Es ist immer wieder bewundernswert was hier alles auf die Beine gestellt wird, allen Widrigkeiten zum Trotz und das finde ich toll.
Ich erinnere mich noch genau an meinen ersten Theaterbesuch. Wir saßen im ersten Rang und die Vorstellung von "Peterchen's Mondfahrt" war gerade zu Ende. Der Vorhang fiel und ich war noch ganz beeindruckt, als der Vorhang sich wieder teilte und ein Weihnachtsmann hervortrat. Er fing an zu erzählen, und auf einmal las er Namen von Kindern vor, die manchmal unartig gewesen sein sollen, und laut und deutlich konnte ich auch meinen Namen hören. Ich war so geschockt, wie das möglich war, und konnte mich lange nicht beruhigen. Mutti hat nur gesagt: "Der Weihnachtsmann weiß alles." Ich habe noch viele weitere Weihnachtsmärchen im Stadttheater gesehen, es war in der damaligen Zeit etwas absolut Besonderes für uns Dorfkinder.