
Auf welche Strategie setzen die beiden Bürgermeisterkandidaten für Elze, wenn sie die Stadt als Gewerbestandort attraktiver machen wollen? In dieser Folge der HAZ-Wahlkampfserie stellen wir die Position der VHHG zu dem Thema vor und die Antworten von Ulrich Bantelmann und Rolf Pfeiffer.
Elze will mit seinen Verkehrsanbindungen sowohl an Straße als auch Schiene als Gewerbestandort punkten. Die Stadtverwaltung beschreibt ihre Kernaufgabe in einem Werbeprospekt mit den beiden „Entwicklungsaufgaben Wohnen und gewerbliche Wirtschaft“. Der noch amtierende Bürgermeister Friedel Albes sieht mit den Verkehrsanbindungen an die Bundesstraßen 1 und 3 gute Voraussetzungen für den Fernlastverkehr, die Gewerbefläche Mühlenfeld anzufahren.Zweites Standbein ist die Bahnverbindung: „Wir sind für alle Himmelsrichtungen ein Verkehrsknotenpunkt.“ Wie das Verhältnis Pendler aus und nach Elze allerdings aussieht, dazu kann er nichts sagen. Albes verweist auf die Statistiken des Arbeitsamtes. Klar sei nur, dass beispielsweise die Park-and-Ride-Anlage am Bahnhof zu mehr als 80 Prozent ausgelastet sei.Sowohl an Flächen als auch an Arbeitskräften sei Elze jedenfalls ebenfalls stark genug, um sich als Gewerbestandort zu profilieren, fasst Albes zusammen. 42,3 Hektar Gewerbe- und Industriegebiet stehen am Mühlenfeld insgesamt zur Verfügung, genutzt werden davon aber bislang nur 10 Hektar, davon 7,9 Hektar als Gewerbefläche.Deutlich zu wenig, urteilt Holger Hümpel, Chef der Arbeitsgemeinschaft der Gewerbetreibenden und Einzelhändler VHHG: „Es sollte eine Strategie entwickelt werden, wie sich das Elzer Gewerbegebiet weiter füllen lässt. Trotz der komfortablen Lage hier geht es an anderen Standorten schneller voran.“ Das heißt, an der allgemeinen wirtschaftlichen Situation könne es nicht allein liegen, meint Hümpel.Ein Dilemma in Elze sei, dass häufig persönliche Interessen bei größeren Entscheidungen im Weg ständen, sagt Hümpel: „Das Klein-Klein geht vor allgemeinen Interessen.“ Er hofft nun darauf, dass die Politik stärker auf die Suche nach einem Konsens begibt. Als einer der regionalen Wirtschaftsmotoren spielt hierbei auch die Gesellschaft Hi-Reg gehandelt, für die auch Elze Beiträge zahlt. In einigen Gemeinden wird auch darüber diskutiert, ob es nicht sinnvoller wäre, auf eigene Faust zu agieren.Unabhängig davon setzt Hümpel in jedem Fall darauf, Elze auch optisch als Zugpferd zu vermarkten. Zum Beispiel in Form großer Werbetafeln entlang der Bundesstraßen, um für Elze als Gewerbestandort ein positives Image zu bilden. „Wir haben mit Albert Fischer hier einen Vorzeigeunternehmer, der in vielen Bereichen tätig ist, auch überregional.“Insofern stellt sich für Hümpel die Frage, ob sich der neue Bürgermeister auch dafür begeistern ließe, statt einer Branchen-Mischung nicht lieber stärker auf ein Branchen-Profil zu setzen: „Beispielsweise in Kombination mit Fischer als Standort mit Stärken in moderner Umwelttechnik.“
Drei Fragen haben die VHHG-Vertreter in puncto Gewerbeansiedlung an die beiden Bürgermeisterkandidaten:
1. Wie wollen Sie Unternehmer überzeugen, ihre Firmen in Elze anzusiedeln?
2. Wie schätzen Sie die HiReg als Partner für Elze ein?
3. Sehen Sie eine Chance, für Elze ein Branchen-Profi l zu entwickeln, das die Konkur-renzchancen gegenüber anderen Gemeinden verbessert?

Zu Frage 1: Für die Standortfrage spielen heutzutage, neben der Verfügbarkeit von Arbeitskräften, die Arbeitskosten, die Anbindung an Verkehrswege und steuerliche Überlegungen auch sogenannte „weiche“ Standortfaktoren eine wichtige Rolle. Dabei handelt es sich um ein gut entwickeltes Gemeinwohl mit allen Schultypen, Freibad und vielfältigem Vereinsleben. Das ist wichtig, um Facharbeiterkräfte zu halten und anzuwerben. In diesen Punkten können wir den Unternehmen ihre Bedingungen erfüllen. Ebenso wichtig ist allerdings auch, eine klare langfristige strategische Ausrichtung der Stadt nach einem klaren Leitbild. Dazu zählt eine bessere Verkehrsanbindung des Gewerbegebiets an die Bundesstraßen. Klare langfristige Ziele hat sich Elze bisher noch nicht gesteckt.
Zu Frage 2: Auch ich betrachte die Partnerschaft mit der Hi-REG äußert skeptisch. Tatsächlich sehe ich, wie die Gewerbegebiete in Hildesheim wie Pilze aus dem Boden schießen. Bei uns dagegen bewegt sich nicht viel. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die vielen gewerblichen Neuansiedlungen in Hildesheim einzig nur wegen des direkten Autobahnanschlusses erfolgen. Wir müssen unsere Partnerschaft mit der Hi-REG auf den Prüfstein stellen.
Zu Frage 3: Wir müssen gemeinsam eine langfristige strategische Ausrichtung der Einheitsgemeinde finden. Dabei müssen wir uns die Frage stellen, ob es richtig ist, sich nur auf ein Bein (Branchen-Profil) zu stellen. Ich persönlich halte nach wie vor mehr von der Mehr-Beine-Theorie. Ein plötzlicher wirtschaftlicher Einbruch in der Bau- oder gar Umwelttechnologie hätte für die ganze Einheitsgemeinde verheerende Folgen. Nicht nur die Arbeitslosigkeit würde in der Einheitsgemeinde überproportional hoch sein, sondern in der Folge auch die Einnahmenverluste der Stadt. Ich plädiere zu Mischformen, um die Auswirkungen konjunktureller Schwankungen einzelner Branchen für unsere Einheitsgemeinde abzumildern.

Zu Frage 1: Dies gelingt nur, wenn die Stadt geeignetes Bauland in einem mit wenigen Auflagen behafteten Bebauungsplan im Rahmen der Wirtschaftsförderung anbietet und die entsprechende Infrastruktur vorhanden ist; von der Breitbandversorgung für das Internet, einer guten Verkehrsanbindung und im Wettbewerb bestehenden Steuersätzen für die Grund- und Gewerbesteuer, all das muss stimmig sein. In einigen Bereichen müssen wir nachbessern und können so ein verbessertes Gesamtpaket anbieten und damit besser werben.
Zu Frage 2: Die Hi-REG ist der Partner der Kommunen mit dem Landkreis, der Sparkasse und den Volksbanken in Sachen Wirtschaftsförderung und Tourismus. Sie hat kompetentes, engagiertes Fachpersonal. Allein die vielen Beratungsangebote, Existenzgründerseminare bis hin zu Informationsständen auf Fachmessen in München und Berlin können nur durch eine gemeinsame Einrichtung geleistet werden. Ein solches Leistungsangebot kann eine Kommune wie Elze nicht alleine aufbringen, aber durch Hi-REG sind wir präsent. Dass die Hi-REG gut ist, beweisen die Auszeichnungen, die sie schon erhalten hat.
Zu Frage 3: Elze hatte in früheren Jahren insbesondere den Maschinen- und Waggonbau beheimatet. Wenn eine Kommune sich aber nur auf ein bestimmtes Branchen-Profil beschränkt, kann es in Zeiten von Rezessionen und Wirtschaftskrisen in einem bestimmten Bereich auch zu einer erheblichen Verschlechterung der Lebensqualität in der Kommune kommen. Mit der Erschließung des Gewerbegebietes „Mühlenfeld“ haben wir die Branchenvielfalt in der Stadt erweitert und gerade diese Vielfältigkeit von ortsansässigen Gewerbetreibenden macht das Gewerbegebiet für künftige Investoren interessant.