
"Los Siggi, komm her!", ruft Thomas Hennig. "Nimm mal ein Bad!" Verdutzt dreht sich Braunbär Siggi um. Dann setzt er sich behäbig in Bewegung und nimmt Kurs auf den Teich. Unter den Blicken der Wölfe und der Besucher gleitet er ins Wasser und dreht ein paar Runden.
Siggi, ein weiterer Braunbär und acht Wölfe leben gemeinsam in einem Teil des Wisentgeheges und gehören zu den Lieblingen der Besucher. Insgesamt gibt es im Wisentgehege 100 europäische Wildtierarten. "Wir wollen keine Exoten zeigen und keine Kontinente nachbauen", erklärt Thomas Hennig, Förster und Leiter des Geheges.
In Springe können die Gäste die Tiere in einer natürlichen Umgebung beobachten. Das bedeutet aber auch, dass sich die Tiere mal zurückziehen können und nicht immer auf dem Präsentierteller liegen. "Da muss man unter Umständen mal genau hingucken", sagt der 44-jährige Leiter. Oberstes Ziel des Wisentgeheges, dessen Träger die Niedersächsischen Landesforsten sind, ist die Umweltbildung. Das geschieht ganz spielerisch, quasi nebenbei. Zum Beispiel im Falkenhof, einer weiteren Attraktion des Geheges. Zweimal täglich zeigen Falkner mit ihren Tieren dort Flugvorführungen und erzählen dabei eine ganze Menge. Zum Beispiel, dass die Falknerei die älteste Jagdform der Menschen ist und schon vor 4000 Jahren praktiziert wurde.
Vögel zählen zu den Schwerpunkten des Wildparks, es gibt allein 40 verschiedene Greifvogelarten. Vor drei Wochen ist erst eine junge Sperbergeier-Dame hinzu gekommen. Einige der Volieren sind für Besucher sogar begehbar, zum Beispiel die Freiflugvoliere der Störche und Kraniche. Viele Vögel wie Uhus, Graureiher oder Fledermäuse haben sich aber auch jenseits der Gehege, sozusagen freiwillig, im Park niedergelassen. Das liegt vor allem an den 300 Jahre alten Eichen, die das Wisentgehege säumen.
Überall stehen Tische und Bänke, an denen sich Besucher ausruhen und picknicken können. An einer Tischgruppe im Eingangsbereich gucken die Schleiereulen seelenruhig dabei zu, wie die Ausflügler ihre Brote verputzen.
Kinder können im Wisentgehege auch auf zwei neuen Spielplätzen toben oder ihre Sinne testen, zum Beispiel an einer Riechorgel auf dem Pfad der Sinne. Die Verantwortlichen haben sich in den vergangenen Jahren viel einfallen lassen, um das Gehege noch attraktiver zu machen. Viele Anlagen sind neu gestaltet worden, unter anderem die der Luchse. Besucher können jetzt über einen Tunnel in einen Turm im Gehege gelangen und von dort durch Glasscheiben die Luchse beobachten. Zäune, die den Blick versperren, gibt es nur noch an einer einzigen Anlage, und auch dort sollen sie bald verschwinden.
Punkten will die Gehegeleitung bei den Gästen auch mit verschiedenen Veranstaltungen. Dazu zählt das Kinderfest am letzten Ferienwochenende, 16. und 17. August. Kinder können an diesem Tag auf Ponys reiten, an Geländespielen teilnehmen und einem Geschichtenerzähler lauschen. Außerdem wird Wolfsforscher Matthias Vogelsang mit seinem Rudel zu Gast sein und über die Tiere informieren.
Großes Interesse einerseits, wenig Wissen andererseits – das hat Hennig häufig festgestellt, wenn es um Tiere wie Wölfe oder Bären geht. Ein Besuch im Wisentgehege kann diese Kluft deutlich verkleinern.
Familie: Großeltern mit Enkeln – diese Kombination läuft einem im
Wisentgehege am häufigsten über den Weg. Die Anlage bietet aber für
jedes Alter etwas.
Zeit: Das Gehege ist zwar insgesamt 100 Hektar groß, aber vieles findet
man geballt rund um den Eingangsbereich. Einen halben Tag sollten
Besucher dennoch einplanen.
Preise: Erwachsene zahlen 9,50 Euro, Kinder bis 14 Jahre 6 Euro und ab
15 Jahren 6,50 Euro. Ein Familientagesticket kostet 27 Euro. Darüber hinaus
gibt es die üblichen Ermäßigungen für Schulklassen, Studenten oder
Schwerbehinderte.
Anfahrt: Das Wisentgehege liegt zwischen Eldagsen und Springe und ist
gut ausgeschildert. Auch eine Anreise mit dem Bus ist möglich. Zum Beispiel
mit der Linie 382, Bahnhof Springe – Jagdschloss – Wisentgehege Eingang.
Oder mit der Linie 385, ebenfalls Bahnhof Springe – Jagdschloss – Abzweig
Wisentgehege und dann etwa ein Kilometer Fußweg bis zum Wisentgehege.
Wetterfaktor: Das Wisentgehege ist ein regelrechter Allwetterzoo.
An heißen Tagen spenden die 300 Jahre alten Eichen Schatten, an
nassen halten sie den Regen ab.
Extra: Eine besondere Attraktion ist der Falkenhof. Täglich außer montags
gibt es um 11.30 und 15 Uhr Flugvorführungen. Besondere Veranstaltungen
wie das Kinderfest (31.7./1.8.), das Tiermärchenfest (29./30.5.) und das Mittsommernachtsfest (19.6) werden auch im Internet unter
www.wisentgehege-springe.0de bekannt gegeben. Wichtiger Hinweis für
Hundehalter: Da einige Gehege begehbar sind, dürfen die Vierbeiner nicht
mit auf die Anlage.
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