Kommentar

An den eigenen Haaren

Es mutet an wie weiland beim Baron Münchhausen: St. Jakobi steckt seit November 2011 im Sumpf und soll sich jetzt praktisch an den eigenen Haaren dort wieder herausziehen. Und das zu Zeiten, in denen den Kirchen jenseits der hohen Feiertage die kalte Luft der Ignoranz entgegenschlägt.
Wie zum Trotz nimmt die evangelische Kirche Geld in die Hand und baut inmitten der Stadt ihre geschlossene City-Kirche um und aus, rüstet sie her zu neuer Inhaltlichkeit.Rückzug aus der Fläche, Engagement im Herzen der Städte. Das ist zwar ein Not-Konzept, aber es ist ein Konzept.
Aßmanns Aktion war und ist nicht ohne Risiko. Aber Aßmann hat sich mit Partnern verbündet, die inhaltlich Neues wagen können. Denn immerhin genießt der Uni-Bereich Kulturwissenschaften und Ästhetische Kommunikation einen weit über Hildesheim und Niedersachsen hinausreichenden Ruf.
Und die große Lilje-Stiftung ist auch mit dabei, diesem Neuanfang in Hildesheim die nötige konzeptionelle Unterstützung zu geben. Wo sonst als in den Städten kann sich Kirche reformieren?
Da wirkt es wie ein Joker, dass die Altstadtgilde zeitgleich die Aktion neue Turmhaube startet. Zwar sind auch hier private Spenden das Ein und Alles. Aber ohne die Bürger neugierig zu machen und aus ihren Stuben zu treiben, wird der Neustart an St. Jakobi auch nicht gelingen.

Hartmut Reichardt

Hildesheimer Geschichte