Landtagswahl Niedersachsen 2017

So hat der Landkreis gewählt

Der direkte Vergleich zwischen Erst- und Zweitstimmen in den Gemeinden: Schieben Sie dazu mit ihrer Computermaus beziehungsweise per Finger die Linie von der Mitte des Bildes nach rechts oder links.

Die Kandidaten aus dem Wahlkreis Hildesheim:


Bernd Lynack (SPD)

SPD-Politiker Bernd Lynack, 47, vertritt die Stadt Hildesheim seit 2013 im Landtag. Er ist Verwaltungswirt, vor seinem Einzug ins Parlament arbeitete er in der Kreisverwaltung, die letzten Jahre dort als Geschäftsführer der SPD-Kreistagsfraktion. 

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Laura Rebuschat (CDU)

CDU-Kandidatin Laura Rebuschat, 27, ist studierte Politikwissenschaftlerin. Nach einem beruflichen Abstecher zu Firma Bosch in Brüssel wechselte sie 2016 in das Büro von Oberbürgermeister Ingo Meyer im Rathaus. Seit Mai führt sie die Geschäfte der CDU-Fraktion.

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Weitere Kandidaten für Hildesheim

Weitere Kandidaten für Hildesheim

Ekkehard Domning (Grüne)
Oliver Carstens (FDP)
Gerhard Roth (Linke)
Ralf Kriesinger (AfD)

Er hat die meiste Erfahrung unter den Kandidaten der kleinen Parteien: Der Grüne Ekkehard Domning hat sich bereits vor 14 Jahren in seiner damaligen Heimat im Emsland um einen Sitz im Landtag beworben, der Softwareentwickler unterlag dem CDU-Politiker Bernd Busemann – und das deutlich. Bei Wahlen in Hildesheim, wo er seit 2004 lebt, war Domning erfolgreicher: Der Grüne sitzt seit 2008 im Kreistag und seit 2011 im Ortsrat der Nordstadt, wo er ebenso lange Ortsbürgermeister ist. Der 55-Jährige hat auf einen Platz auf der Landesliste verzichtet, er wirbt nur für Zweitstimmen für seine Partei – das allerdings durchaus intensiv.

FDP-Vertreter Oliver Carstens hat sehr wohl feste Vorstellungen, was sich in Niedersachsen seiner Ansicht nach ändern müsste: Digitale Infrastruktur auch abseits der Großstädte ausbauen, den Unterrichtsausfall beenden, Förderschulen erhalten, Polizisten besser ausstatten und mehr von ihnen einstellen. Und doch hat der 37-Jährige seine Ideen im Wahlkampf bisher eher selten vorgetragen. Denn der gelernte Journalist Carstens arbeitet seit einigen Wochen in Sachsen, ist also kaum in Hildesheim präsent. Chancen auf ein Landtagsmandat hat er mit dem 73. Platz auf der Landesliste der Liberalen allerdings ohnehin nicht. 

Seine Partei muss angesichts der jüngsten Umfragen zittern, ob sie wirklich in den Landtag kommt. Linken-Vetreter Gerhard Roth wird es auf keinen Fall nach Hannover schaffen: Der 60-jährige Diplom-Pädagoge, der in der Nachmittagsbetreuung einer Grundschule arbeitet, hat keinen Listenplatz – was ihn nicht darin hindert, sich für die Links-Partei ins Zeug zu legen. Roth nennt soziale Gerechtigkeit, Ökologie und Inklusion als Schwerpunkte, auch das Nein zu Kampfeinsätzen der Bundeswehr liegt ihm am Herzen. Er saß einst für die Grünen im Elzer Rat – und verließ die Partei, weil sie den Nato-Einsatz in Bosnien befürwortete. 

Er kommt anders daher, als viele seiner Parteifreunde, die Schlagzeilen machen: Ralf Kriesinger (AfD) setzt als Chef der Stadtratsfraktion in der Regel auf leise Töne und Sacharbeit. In überregionalen Fragen aber liegt der 54-Jährige Diplomkaufmann, der in einem Großunternehmen für das Ersatzteilmanagement von Fahrzeugkomponenten zuständig ist, auf Parteilinie. So findet er, das Land verschleppe die Rückführung rechtskräftig abgelehnter Asylbewerber. Kriesinger möchte die Förderschulen erhalten und hält auch sonst wenig von der Bildungspolitik: Sie trage zur Erosion der Qualifikation in der Hochtechnologie bei. 

Wahlkreis Hildesheim

Wahlkreis Hildesheim

Welcher der drei CDU-Kandidaten, die damals noch im Rennen waren, ihm als Gegner am liebsten wäre? Über die Antwort auf diese Frage eines Journalisten vor einigen Wochen brauchte Bernd Lynack nicht eine Sekunde nachzudenken. "Ich nehme jeden Bewerber ernst."

Der Sozialdemokrat weiß aus eigener Erfahrung, dass man nicht gut beraten ist, das Gegenüber zu unterschätzen: 2013 gelang es Lynack als unbeschriebenes Blatt, sich mit 334 Stimmen Vorsprung gegen CDU-Schwergewicht Frank Wodsack durchzusetzen, zum ersten Mal seit zehn Jahren holte die SPD das Direktmandat in Hildesheim - wohl auch, weil einige CDU-Spitzenkräfte den Herausforderer nicht ernst nahmen. Er gilt als Favorit. Der 47-jährige hat sich im Landtag eine gute Position erarbeitet, sitzt unter anderem im wichtigen Innenausschuss, führt die Sozialdemokraten im Stadtrat.

2018 ist er der Etablierte - und CDU-Kandidatin Laura Rebuschat als Neuling die Außenseiterin. Die politisch recht unbefleckte 27-jährige gibt sich gleichwohl zuversichtlich, dem SPD-Politiker das Direktmandat abzujagen - auch wenn das im Schlusswort ihrer Nominierung ("wir schaffen das zusammen, irgendwie") für einen Moment anders klang. Doch das sei nur der emotionalen Überwältigung nach dem Sieg geschuldet, versichert Rebuschat.

Die Ex-Wein-Königin hat ein offenes Wesen, geht auf Menschen zu, hört ihnen zu - mit diesen Zügen, die sie schon bei der parteiinternen Vorauswahl genutzt hat, will sie auch die Wähler gewinnen. Eine Methode, die Lynack bekannt vorkommen dürfte: Schließlich punktete er im Wahlkampf 2013 und auch heute noch bei Bürgern mit seinem freundlichen Wesen. Zu Rebuschat äußert er sich nicht: "Jeder ist gut beraten, sich auf seine eigenen Stärken zu konzentrieren." Das klingt bei der 27-jährigen ähnlich. "Ich konzentriere mich auf das, was mir wichtig ist." Damit ist klar: Persönliche Angriffe dürfte es kaum geben.


Die Kandidaten aus dem Wahlkreis Sarstedt/Bad Salzdetfurth:

Markus Brinkmann (SPD)

Seit 2008 ist Markus Brinkmann Abgeordneter im Landtag. SPD-Mitglied ist er seit 1983. Bevor Brinkmann in den Landtag gewählt wurde, war er beruflich bei Gewerkschaften tätig, zuletzt bei Verdi. Der 56-Jährige ist verheiratet und wohnt in Sarstedt.

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Falk-Olaf Hoppe (CDU)

CDU-Kandidat Falk-Olaf Hoppe (41) ist Diplom-Verwaltungswirt und seit 2005 im Polizeidienst tätig. Er wohnt in der Gemeinde Holle, ist verheiratet und hat drei Kinder. Er ist Mitglied im Kreistag, im Gemeinderat von Holle und im Ortsrat Derneburg-Astenbeck.

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Weitere Kandidaten für Bad Salzdetfurth/Sarstedt

Weitere Kandidaten für Bad Salzdetfurth/Sarstedt

Nina Lipecki (Grüne)
Joachim Algermissen (FDP)
Heinz Dieter Fehlig (Linke)

Unter den drei Kandidaten der kleineren Parteien, die bei der Bundestagswahl zu den nicht mehr ganz so Großen aufschlossen, ist Nina Lipecki (49, Grüne) wohl die bekannteste. Die Borsumerin hat sich in den vergangenen Jahren als engagierte Naturschützerin einen Namen gemacht. „Naturschutz kann ich am besten“, sagte sie, als sie in einer Wahlkreisversammlung Anfang Juni zur Kandidatin für den Wahlkreis gekürt wurde. Seit 2011 sitzt sie für die Grünen im Kreistag und widmet sich auch dort vor allem ihren Kernthemen – als umweltpolitische Sprecherin. Bei der Kandidatenkür forderte sie eine ehrliche, parteiübergreifende Sachpolitik, die fernab von jeder Klientelpolitik liegen sollte.

Joachim Algermissen, der für die FDP in den Landtag einziehen möchte, beschreibt sich selbst so: „Ich bin 31 Jahre alt, geboren im schönen Hildesheim, Ökonom, spiele Tennis und Fußball, gehe zur Jagd und arbeite als Referent in der FDP-Fraktion.“ Er kommt aus Harsum, fühlt sich dort verwurzelt. Das Abitur bestand er an der Michelsenschule, absolvierte erst eine Banklehre, studierte dann Wirtschaftswissenschaften und arbeitet an seiner Dissertation. „Die Politik stellt falsche Weichen für unsere Zukunft“, meint er und sieht Fehlentscheidungen besonders in den Bereichen Digitalisierung, Bildung und Wirtschaft.

Heinz Dieter Fehlig (65) tritt als Direktkandidat der Linkspartei an. Der gelernte Koch wohnt derzeit in Bad Salzdetfurth, vorher lebte er 40 Jahre in Diekholzen. Fehlig ist vor drei Jahren in die Partei eingetreten und sitzt im Kreisvorstand. Er kündigte an, sich vor allem für Frieden und Abrüstung einsetzen zu wollen. Als weiteres Anliegen nennt er den Einsatz für ein gutes, existenzsicherndes Leben für alle.

Wahlkreis Sarstedt/Bad Salzdetfurth

Wahlkreis Sarstedt/Bad Salzdetfurth

Vor fünf Jahren riss für die CDU im Wahlkreis Sarstedt/Bad Salzdetfurth plötzlich der Faden - und seitdem sind die Chancen der Christdemokraten dort schwer einzuschätzen: Kann die CDU nach einem Zwischentief mit besonderen Umständen  wieder an alte Erfolge anknüpfen? Zuvor hatte Ursula Ernst zweimal das Direktmandat geholt, dann geriet die Hochburg ins Schwanken. Der 33-jährige Giesener Jens Heinemann sollte Ernst beerben. Er startete mit Elan, doch dann kam der Absturz: Weil er falsche Angaben zu seinem Lebenslauf machte, war Heinemann nicht zu halten. Der Giesener zog seine Kandidatur zurück - doch da war für seine Partei schon der Zug abgefahren, sie konnte keinen neuen Bewerber mehr nachnominieren und ins Rennen schicken. Markus Brinkmann von der SPD siegte kampflos.

Er wechselte den Wohnort, zog in seinen Wahlkreis und ist dort seitdem recht präsent - aber ist er etabliert genug, um das Direktmandat gegen die neue Konkurrenz durch Falk-Olaf Hoppe von der CDU zu verteidigen? Zumindest ist Brinkmann nicht gerade so locker wie SPD-Chef Martin Schulz durch die entscheidende Abstimmung spaziert, mit der die Genossen ihn erneut ins Rennen um die Landtagswahl schickten: Von 74 Delegierten kamen nur 60, und von denen stimmten nur 44 für den Landtagsabgeordneten - nicht gerade ein Traumergebnis in den eigenen Reihen.

So kann sich Hoppe Hoffnungen machen, den einstigen Erbhof der CDU in dem Wahlkreis nach fünf Jahren Zwangspause wieder zu reaktivieren. Er ist in der regionalen Politik kein Unbekannter und steht mit 40 Jahren wie sein gescheiterter Vorgänger Heinemann für einen Generationswechsel. Die erste Wahl hat Hoppe schon gewonnen: Parteiintern musste er sich im Endspurt anstrengen, um Mitbewerber Matthias Rohmann abzuhängen - mit 43,3 Prozent fiel das Ergebnis recht knapp aus. In der Rede vor seiner Nominierung setzte er vor allem auf das Thema innere Sicherheit - da unterscheidet er sich nicht von SPD-Mann Brinkmann. Was wird also letztlich den Unterschied machen? Das muss sich noch zeigen - es bleibt spannend.


Die Kandidaten aus dem Wahlkreis Alfeld:

Klaus Krumfuß (CDU)

CDU-Platzhirsch Klaus Krumfuß, 67, kommt aus Duingen. Dort ist er Bürgermeister. Bereits seit 1998 sitzt er für seine Partei im Landtag, wo er den Petitionsausschuss leitet. In seinem Wahlkreis hat er sich den Spitznamen "der Kümmerer" erworben.

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Volker Senftleben (SPD)

SPD-Herausforderer Volker Senftleben, 41, kommt aus Eime. Beruflich ist er der Nachfolger seines Parteifreundes Bernd Lynack als Geschäftsführer der SPD-Kreistagsfraktion. Er ist Bürgermeister seines Heimatortes und stellvertretender Vorsitzender des Kreissportbundes.

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Weitere Kandidaten für Alfeld

Weitere Kandidaten für Alfeld

Holger Schütte (Grüne)
Marcel Munzel (FDP)
Lars Leopold (Linke)
Uwe Milte (AfD)

Welchen Einfluss haben die vier Direktkandidaten außer Klaus Krumfuß und Volker Senftleben auf das Ergebnis? Und was können Sie vielleicht bei den Zweitstimmen für ihre Parteien herausholen? Das gehört zu den spannenden Fragen im Wahlkreis Alfeld am 15. Oktober.

Für die Grünen geht Holger Schütte ins Rennen. Der promovierte Mathematik-Lehrer ist seit Jahren der Finanzexperte seiner Partei im Kreistag. weiteres Profil und zusätzliche Bekanntheit erlangte der Sibbesser als Bürgermeisterkandidat in seiner Heimatgemeinde im vergangenen Jahr. Umso enttäuschter dürfte er gewesen sein, dass die Grünen bei der Bundestagswahl in Sibbesse besonders schwach abschnitten (5,7 Prozent).

Zu seinen Konkurrenten zählt der jüngste Kandidat im Landkreis Hildesheim, der gerade 20-jährige Alfelder FDP-Politiker Marcel Munzel, der für den allgemeinen Jugendtrend seiner Partei steht – aber der Sohn aller anderen Bewerber sein könnte. Ob er bei den Erststimmen von der neuen Stärke seiner Partei profitiert, oder ob die Liberalen-Wähler dabei eher Klaus Krumfuß unterstützen, dürfte erhebliche Folgen fürs Gesamtergebnis haben.

Gleiches gilt mit Blick auf Senftleben für Lars Leopold, den Linken aus Eime, der wohl in den Landtag einzieht, wenn seine Partei auf fünf Prozent oder mehr kommt – er steht auf Platz sechs der Landesliste. Leopold, schon bei der Bundestagswahl 2013 als Kandidat und neuerdings als Kreistags-Mitglied als guter Redner profiliert, daheim in Eime für die Grundschule und andere Projekte engagiert.

Für die AfD tritt mit Uwe Milte ein weiterer Bewerber aus Eime an. Die Lehre aus der Bundestagswahl: Wer der Partei die Zweitstimme gibt, kreuzt in der Regel auch ihren Direktkandidaten an. Taktische Wahlentscheidungen sind da eher selten.

Wahlkreis Alfeld

Wahlkreis Alfeld

Die Gretchenfrage für die SPD stellte Günter Thiel: "Wie wollt ihr die Präsenz von Klaus Krumfuß wettmachen?", fragte der Fredener Bürgermeister die vier Bewerber für die Landtagskandidatur seiner Partei bei deren Vorstellungsrunde in Harbarnsen. Und alle vier gaben zu: Das sei wohl kaum in vergleichbarer Form zu leisten. Einer äußerte die Hoffnung, "dass die Leute heute das gar nicht mehr so erwarten".

Es wird spannend im Wahlkreis Alfeld: Im Altkreis Alfeld hat das Rennen um die Kandidatur viele Mitglieder animiert, sich wieder intensiver mit der eigenen Partei zu beschäftigen. Der "eigentlich rote Wahlkreis" mit Hochburgen wie Alfeld, Gronau, Elze oder Nordstemmen soll endlich wieder in sozialdemokratische Hand. Schaffen soll das Volker Senftleben, der überraschend klar nominiert wurde.

Aber "der Kümmerer" hat etwas dagegen. Klaus Krumfuß, der gefühlt jedem Bürger des Wahlkreises schon mal die Hand geschüttelt hat und der gefühlt jeden zweiten als "meinen Freund" bezeichnet, genießt bis tief in die SPD hinein Respekt und auch Sympathie. Weil er seit 20 Jahren unermüdlich im Wahlkreis unterwegs ist, kaum eine Veranstaltung auslässt, überall Interesse zeigt.

Die SPD steht deshalb vor einem Drahtseilakt: Einerseits würden die Genossen mit ihrem jungen Kandidaten Krumfuß gern als Mann von gestern darstellen, der ja in Wahrheit gar nicht so viel für die gebeutelte Region erreicht habe. Nur: Wenn das respektlos wirkt, dürfte es nach hinten losgehen. Und: In den vergangenen vier Jahren hatte Rot-Grün die Mehrheit in Hannover. Mangelnde Unterstützung für den Südwesten des Kreises lässt sich da kaum Krumfuß anlasten.

So hofft die SPD auch auf den Trend: Zuletzt ist Waltraud Friedemann zweimal gegen Krumfuß angetreten, 2013 scheiterte sie deutlich knapper als 2008, die Sozialdemokraten lagen bei den Zweitstimmen schon klar vorn. Am Ende könnten Popularität und Gewicht der Bewerber von Grünen und Linken den Ausschlag geben.


In Zahlen

Stimmen Vorsprung hatte Bernd Lynack 2013 vor Frank Wodsack

Prozent der Stimmen holte Jens Heinemann (CDU) bei der Landtagswahl 2013, obwohl er seine Kandidatur zurückgezogen hatte - sein Name konnte nicht mehr vom Wahlzettel gestrichen werden.

Jahre beträgt der Altersunterschied zwischen den beiden Top-Kandidaten im Wahlkreis Alfeld


Ergebnisse der Landtagswahl 2013