Robotik

An der Hildesheimer St.-Augustinus-Schule lernen die „Robonatives“ von morgen

Hildesheim - Die St.-Augustinus-Schule hat ein Robotiklabor eröffnet, in dem die Schülerinnen und Schüler in die Berufswelt der Zukunft eintauchen können.

Samantha (links) und Xenia stapeln im neuen Robotiklabor der Augustinusschule kleine Kisten. Foto: Julia Moras

Hildesheim - Wenn sie nicht schon andere Berufspläne hätten – bei den Kranführern im Hildesheimer Hafen könnten Samantha und Xenia wohl gleich nach der Schule anheuern. Im neuen Robotiklabor der St.-Augustinus-Schule stapeln die beiden Neuntklässlerinnen am Montag kleine Plastikkisten. Sie führen mit der Maus einen Roboterarm zu Kisten, heben sie nacheinander an und lassen sie an einer anderen Stelle wieder los. Die Kisten kommen auf den Millimeter genau zum Liegen.

„Das ist ein Hauch Hamburger Hafen“, findet Jörg-Dieter Wächter, Leiter der Hauptabteilung Bildung im Bistum Hildesheim. Er nimmt das neue Robotiklabor am Montag zusammen mit Schulleiterin Barbara Bormann und Gästen in Betrieb. 50 000 Euro hat die Einrichtung gekostet. Das Gros des Geldes stammt von der Landesinitiative n-21, zehn Prozent hat der Schulträger, das Bistum Hildesheim, zugeschossen. Gemessen an anderen Summen, die im Umfeld von Schulen fließen, ist das vielleicht nicht viel. Aber für die katholische Oberschule aus der Treibestraße bedeutet die Einrichtung einen Riesenschritt nach vorn. „Hier finden richtig interessante Projekte statt, die dazu dienen, die Digitalisierung voranzutreiben“, lobt Wächter.

Wie bei den Spezialisten in den Riesenhallen und am Hafen

Im Kern geht es darum, nicht nur die Voraussetzungen für digitale Arbeit zu haben, sondern bereits mit dem zu experimentieren, was am Ende des Digitalisierungsprozesses stehen soll. Was Samantha und Xenia, beide 14 Jahre alt, etwa in klein mit ihrem Roboterarm machen, ist nichts anderes, als Hafenarbeiter beim Beladen großer Schiffe oder Logistik-Spezialisten in den Riesenhallen im Gewerbepark Nord tun.

Die Oberschule darf sich nun wegen ihres neuen Robotiklabors „Projektschule Mensch-Roboter-Kollaboration – Robonatives“ nennen. Schulleiterin Bormann freut sich sehr über die neue Auszeichnung. „Überhaupt ist unser Profilfach Technik unser Aushängeschild“, sagt sie.

Die Ursprünge des autonomen Fahrens

Wer einen Schüler sucht, der schon sehr tief in die Roboter-Welt abgetaucht ist, wird zum Beispiel bei Zehntklässler Steffen fündig. Der 16-Jährige hat einen elektrisch betriebenen Roboter gebaut, der dazu in der Lage ist, selbstständig eine vorher programmierte Strecke zurückzulegen. Das Gerät sieht auf den ersten Blick aus wie ein Objekt aus dem Technik-Lego-Kasten. Dabei ist es viel mehr. „Es funktioniert im Prinzip wie ein Rasenmähroboter“, sagt der 16-Jährige. Ultraschallsensoren vorn lassen ihn Hindernisse erkennen und sogar umrunden. Eine 9-Volt-Batterie sorgt für den Schub. „Und hiermit kann man zur Not noch eingreifen“, sagt der Schüler und hält eine kleine Fernbedienung in die Höhe, die der Roboter über einen Infrarot-Sensor erreicht. In dem Raum hinter dem Musiksaal der Schule hat die Zukunft also schon begonnen. Es ist wie beim autonomen Fahren: Steffen hat noch eine Fernbedienung, für das Auto schreibt der Gesetzgeber noch ein Lenkrad vor – damit der Fahrer und Steffen zur Not noch eingreifen können. Aber irgendwann entfällt auch dies.

An der Augustinusschule ist man stolz darauf, dass die Weichen hier gestellt wurden. „Wir müssen unsere Schülerinnen und Schüler vorbereiten, damit sie später in der Berufswelt gut agieren können“, sagt Wächter. Samantha und Xenia sind jedenfalls gut dabei. Auch wenn sie am Ende andere wichtige Berufe ergreifen wollen. Samantha etwas mit Tieren. „Und ich möchte gern Pflegerin werden“, sagt Xenia.

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