Maßnahmen gegen Corona

Appell der Hildesheimer Altenheime: Vergesst uns nicht!

Hildesheim - Die Corona-Pandemie stellt die Altenheime vor Herausforderungen: Das Material wird knapp und Besuchsverbote belasten Bewohner, Angehörige und Mitarbeiter emotional.

In den Altenheimen in Hildesheim und Umgebung versuchen Betreiber und MItarbeiter die Bewohner vor der Infektion mit Corona zu schützen. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Hildesheim - „Für die nächsten zwei Wochen reicht das Desinfektionsmittel in den Altenheimen in und um Hildesheim noch, manche kommen sogar noch drei Monate hin“, sagt Michael Sackmann, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Hildesheimer Altenheime. Danach könnte es in einigen Einrichtungen knapp werden. Dann seien sie auf neue Lieferungen mit Desinfektionsmittel, Mundschutz und Schutzausrüstungen samt Brillen und Handschuhen angewiesen.

„Doch dabei handelt es sich bereits seit Wochen um Mangelware“, sagt Christiane Ernst, Sackmanns Stellvertreterin. Darum hat sich die Arbeitsgemeinschaft jetzt mit einem Brandbrief an den Hildesheimer Sozialdezernenten Malte Spitzer, das Gesundheitsamt und das Sozialministerium gewandt. „Wir wollen uns nicht beschweren“, betont Sackmann. Aber er wolle darauf aufmerksam machen, dass die Engpässe nicht nur die Krankenhäuser betreffen.

Besuchsverbote als Schutz vor der Ansteckung

Den ersten Coronafall in einem Hildesheimer Altenheim wollen die Betreiber so lange wie möglich hinauszögern. Darum gelten Sicherheitsmaßnahmen: Die Bewohner sollen das Gelände der Einrichtungen nicht verlassen, um sich zum Beispiel mit Angehörigen zu treffen. Besuche im Heim sind nämlich nicht mehr erlaubt. Stattdessen sollen Freunde und Verwandte zum Telefon greifen. Als Leiterin des Altenpflegeheims St. Paulus arbeitet Ernst mit ihren Mitarbeitern daran, möglichst vielen die Möglichkeit der Videotelefonie zu bieten. „Wir wissen, wie belastend es ist, wenn man die Eltern oder den Ehepartner nicht mehr regelmäßig sehen kann“, so Ernst. Aber es handele sich um eine Schutzmaßnahme im Sinne der Bewohner.

Für manche von ihnen sei es zwar schwer zu verstehen, warum plötzlich kein Besuch mehr kommt. Aber die Gefahr der Ansteckung sei zu groß. „Selbst Handwerker und Physiotherapeuten haben wir abbestellt“, sagt Sackmann – mit Ausnahme der wirklich dringenden Behandlungen, die keinen Aufschub dulden. Nur wer sich in der Lebensendphase befinde, dürfe einzelne Besucher empfangen.

Passierscheine für den
Weg zur Arbeit

Auch die Mitarbeiter der Einrichtungen bemühen sich, die Bewohner nicht zu gefährden. Die einzelnen Teams blieben in ihren Bereichen. Spaziergänge durchs Haus, um zum Beispiel schnell etwas aus der Verwaltung zu holen, gebe es vorerst nicht. Falls tatsächlich eine Ausgangssperre verhängt wird, hat Sackmann schon die ersten Mitarbeiter mit Passierscheinen ausgestattet: „Damit kommen unsere Leute dann trotzdem zur Arbeit.“

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