Gericht fällt Urteil

Automaten geknackt: Täter müssen ins Gefängnis

Hildesheim - Unter anderem mithilfe eines Trennschleifers haben ein 23-jähriger Hildesheimer und ein Komplize Parkscheinautomaten in Hildesheim und anderen Städten aufgebrochen haben. Am Mittwoch wurde gegen sie das Urteil gefällt.

Die beiden Männer Dennis A. und Muhammed K. stehen am Mittwoch vor Gericht: Sie sollen Parkautomaten unter anderem in Hildesheim, Hannover und Braunschweig geknackt haben. Foto: Sara Reinke

Hildesheim - Drei Verhandlungstage waren angesetzt, doch dann fiel das Urteil schneller als gedacht: Am Mittwoch wurden die beiden Männer, die zu Jahresbeginn in Hildesheim und andernorts etliche Parkautomaten aufgebrochen hatten, wegen besonders schweren Diebstahls – beziehungsweise Beihilfe dazu – zu Haftstrafen verurteilt.

Gleich zum Prozessauftakt hatten der 23-jährige wohnungslose Haupttäter und sein 33-jähriger, aus Bremen stammender Komplize die in der Anklage aufgeführten Taten in vollem Umfang gestanden. Insgesamt 16 Mal, davon achtmal in Hildesheim, war der 23-Jährige Parkscheinautomaten zuleibe gerückt – hatte diese zum Teil mit einem Akku-Trennschleifer aufgebrochen und die darin befindlichen Geldkassetten gestohlen. In zwei der Fälle gelang ihm das nicht, hier blieb es beim Versuch. Bei den übrigen Aufbrüchen erbeutete er Münzen und Scheine in fünfstelligem Wert.

Mittäter stand Schmiere

Der ältere Mittäter, vom Angeklagten als „früherer Freund“ bezeichnet, hielt sich bei zwölf der Taten in der Nähe auf und stand Schmiere. Mit dem 23-Jährigen blieb er dabei per Handy in Kontakt und wurde dafür von diesem mit einem Teil der jeweils erbeuteten Summe entlohnt.

Er habe das Geld gebraucht, um an Drogen zu kommen, gab der 23-Jährige vor Gericht an. Nachdem ein Familienstreit bei einer Hochzeitsfeier eskalierte, habe er den Kontakt zu seinen Eltern und den drei Geschwistern weitgehend verloren und sei seit etwa zwei Jahren zunehmend in eine Kokainabhängigkeit hineingeraten. Etwa ein bis zwei Gramm täglich konsumierte er zuletzt, jedes Gramm auf der Straße etwa 70 Euro wert. Auch vor den Taten zog er jeweils Koks, quasi als Mutmacher – „anders kann man sowas ja gar nicht machen“, erklärte er dem Richter.

Täter bereuen Taten

Der noch recht jugendlich wirkende Mann konnte das Schöffengericht überzeugen, trotz zweier kleinerer Vorstrafen nunmehr seine Fehler erkannt zu haben und aufrichtig zu bereuen. Er befindet sich seit knapp sechs Monaten in Untersuchungshaft und leidet dort nach eigener Auskunft unter den Folgen des kalten Entzugs, wünscht sich aber, dauerhaft von den Drogen loszukommen. „Das wünschen wir Ihnen auch“, gab Richter Christopher Gedeon ihm nach der Urteilsverkündung mit auf den Weg, „Sie scheinen mir vom Typ her nicht verkehrt zu sein.“ Doch mit dieser mit hoher krimineller Energie begangenen Tatserie habe er nunmal „richtig in die Scheiße gelangt“. Zwei Jahre und zehn Monate muss der junge Mann hinter Gitter – damit blieb das Gericht am unteren Ende des möglichen Strafrahmens. Die Strafe zur Bewährung auszusetzen, ist bei einer solchen Haftdauer jedoch nicht möglich.

Auch der zweite Täter zeigte sich reumütig, hatte allerdings angesichts eines 26 Eintragungen umfassenden Vorstrafenregisters und mehrerer früherer Haftstrafen weniger Chancen, das Gericht von einer inzwischen erfolgten Läuterung zu überzeugen. Sein frühes und umfassendes Geständnis brachte ihm aber dennoch ein eher mildes Urteil ein, denn allein anhand von Indizien wie der Handydatenauswertung wäre ihm mindestens ein Teil der Taten nur schwerlich nachzuweisen gewesen, räumte Richter Gedeon ein. Ein Jahr und drei Monate muss der Bremer ins Gefängnis – ebenfalls ohne Bewährung. Die Strafe dürfte auch seine Familie schwer treffen: Der 33-Jährige ist Vater von fünf Kindern.

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