Vor der Strafkammer

Betrug und Urkundenfälschung: Hildesheimer Gericht verurteilt Pastor

Hildesheim/Eime - Kinderbibeln, Altartücher und Lampen standen auf gefälschten Rechnungen. Jahrelang hat ein Pastor Geld erschlichen – dies steht für das Gericht fest. Der Geistliche arbeitete in Eime. Am Mittwoch wurde er verurteilt.

Auf der Anklagebank des Hildesheimer Landgerichtes: Der Theologe bei einem Gespräch mit seinem Verteidiger Hans Holtermann (links). Foto: Chris Gossmann

Hildesheim/Eime - Ein Jahr und acht Monate Haft auf Bewährung – so lautete am Mittwoch das Urteil des Hildesheimer Landgerichtes nach 35 Verhandlungstagen im Betrugsprozess um einen suspendierten Pastor. Die Anklage hatte eine zweijährige Bewährungsstrafe gefordert, die Verteidigung plädierte für höchstens 18 Monate. Der Angeklagte arbeitete jahrelang als evangelischer Seelsorger in Eime. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft räumte er teilweise ein.

Der 62-Jährige musste sich seit vergangenem Januar wegen gewerbsmäßigen Betruges und gewerbsmäßiger Urkundenfälschung zwischen September 2012 und Dezember 2016 verantworten. Die Staatsanwaltschaft legte ihm zur Last, dem Kirchenamt in Hildesheim selbst gefertigte Rechnungen vorgelegt zu haben, um sich dann das Geld erstatten zu lassen. Insgesamt 163 Vergehen hatte die Anklage aufgelistet. Der Seelsorger fälschte den Strafverfolgern zufolge Rechnungen für Büromaterial, Mobiliar und Musikinstrumente, um diese später einzureichen. Insgesamt wurden dem 62-Jährigen fingierte Kalkulationen und Quittungen in Höhe von knapp 45 000 Euro nachgewiesen. Inzwischen hat der Theologe mehr als die Hälfte des Geldes entweder zurückgezahlt oder das Kirchenamt hat Teile des Schadens mit dem Gehalt des suspendierten Pastors verrechnet.

62-Jähriger vermeidet Blickkontakt

Der Seelsorger hatte sich für seine Taten entschuldigt: Er schäme sich dafür. Der 62-Jährige führte als Grund für seine Vergehen an, Geld für medizinische Behandlungen seines Krebsleidens benötigt zu haben.

Und nun also das Urteil: Der Geistliche nahm die Entscheidung des Gerichtes gefasst hin. Er vermied Augenkontakt zu den Zuschauern im Gerichtssaal, in dem mehrere Vertreter des Landeskirchenamts saßen. Einige Kirchenvertreter waren als Beobachter an vielen der Verhandlungstage im Saal. Auch die Ehefrau des Pastors zeigte an seiner Seite keine Regung. Das war am vorherigen Prozesstag noch ganz anders, als sie den Ausführungen der Staatsanwaltschaft nur unter Tränen folgen konnte.

Vertrauen missbraucht

Das Gericht begründete seine Entscheidung so: Zum Nachteil des Seelsorgers wertete die Kammer dessen besondere Vertrauensposition als Pastor: „Sie haben das Vertrauen mit ihren Taten geschädigt.“ Erschwerend sei außerdem die lange Dauer der Taten über vier Jahre.

Auch die Belastung des 62-Jährigen durch seine schwere Erkrankung, deren Behandlungskosten die Krankenkasse nur zum Teil übernommen habe, berücksichtigte das Gericht. Doch eine echte finanziell existenzielle Notlage konnte es nicht erkennen: „Der Angeklagte hätte seine Kapitallebensversicherung auflösen können.“ Die bei einer Hausdurchsuchung sichergestellten Kapitalanlagen des Mannes können die Restschulden aus den Taten abdecken.

Verlust der Pensionsansprüche

Schuldmindernd für den Pastor wirkte sich aus Sicht des Gerichts der Verlust seines Amtes aus. Mit der Verurteilung verliert er dazu auch noch seine Pensionsansprüche. Die Kirche muss ihn jedoch für die gesetzliche Rente nachversichern.

Die Delikte des 62-Jährigen wurden 2017 bekannt: Unregelmäßigkeiten waren aufgefallen, nachdem er vom Landkreis Hildesheim in die Region Hannover gewechselt war. Dort hatte er zuletzt in einer Gemeinde in Seelze gearbeitet. Die Landeskirche in Hannover suspendierte den Theologen 2017. Aus dem Kirchendienst muss er nach seiner Verurteilung ausscheiden.

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