Übertragung im ZDF

Bischof Wilmers Fernsehbotschaft: die Weihnachtsmesse aus Hildesheim

Hildesheim - Der Weihnachtsgottesdienst im Hildesheimer Dom hat durch die Fernsehübertragung im ZDF mehrere hunderttausend Menschen erreicht. Bischof Heiner Wilmer richtet den Blick in der Predigt auf ein Detail im Dom.

Bischof Heiner Wilmer hält beim Einzug in den Hildesheimer Dom an der Bernwardstür kurz an und spricht einige Begrüßungsworte in die Kamera. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Punkt 10.45 Uhr begann am ersten Weihnachtstag der Festgottesdienst im Hildesheimer Dom und damit die Übertragung im ZDF, denn sie muss pünktlich zu Ende sein: Um 12 Uhr schaltet der Sender von Hildesheim zum Weihnachtssegen des Papstes nach Rom um.

Einzug durch die Bernwardstür

Beim Einzug durch die Bernwardstür, die im Jahresverlauf nur zu wenigen Anlässen geöffnet wird, bleibt Bischof Heiner Wilmer mit den Messdienern stehen und spricht einige Begrüßungsworte in die Fernsehkamera: „Kommen Sie mit. Kommen Sie herein. Lassen Sie uns gemeinsam feiern. Was für ein Fest.“

Weihnachten sei die Erinnerung daran, dass Gott der Welt sein Wort gegeben hat, sagt Wilmer anschließend im Altarraum. Chor und Orchester lassen Worte und Töne folgen: Passagen aus der „Krönungsmesse“ von Mozart.

Schwebende Bilder
mit Steadicams

Vier Kameras sind in der Kirche verteilt. Zwei davon sind sogenannte Steadicams: Kameras, die mit einem ausgeklügelten, abgefederten Halterungssystem direkt vor der Brust getragen werden können und Bilder weitgehend ohne Verwacklung liefern. Sie ermöglichen schwebende Eindrücke: Aufnahmen wie geschaffen für einen Weihnachtsgottesdienst. Die Fernsehbilder von der Liturgie und den Beiträgen der Musiker werden immer wieder mit Details aus dem Mariendom untermalt: dem Hezilo-Leuchter, den Weihnachtsbäumen im Hintergrund, dem Kind in der Krippe, Motiven aus den Seitenkapellen oder Szenen von der Bernwardssäule. Und die Kameras zeigen die sogenannte Tintenfassmadonna links vom Altarraum.

Die Tintenfassmadonna

Auf sie richtet Wilmer den Blick in seiner Predigt. Die Skulptur zeigt Maria, die in ihrem linken Arm das Jesuskind hält und in der rechten Hand ein kleines Tintenfass. Jesus hat dazu den Federkiel. Maria sei offensichtlich nicht nur seine Mutter, sondern auch seine Lehrerin, erklärt der Bischof: Jesus soll schreiben lernen.

Wilmer überträgt das Bild auf alle Menschen, auf das Geheimnis von Weihnachten. Gottes Botschaft sei: „Diese Welt ist für dich. Sie ist eine Schule für dich. In dieser Schule wirst du reifen. Du wirst lernen, Verantwortung für dich selbst zu übernehmen. Darüber hinaus wirst du lernen, Verantwortung zu übernehmen für die Welt, die Menschen, das Klima, das Wasser und für eine gerechte und friedliche Gesellschaft.“

Botschaft der Geborgenheit

Das Leben habe sicherlich manchen Menschen in diesem Jahr besonders geprüft, sagt der Bischof und spricht die Zuhörer an – mehrere hundert im Dom, mehrere hunderttausend vor den Fernsehbildschirmen: „Vielleicht vermissen Sie heute, an diesem Weihnachtstag, einen lieben Menschen, der im letzten Jahr noch da war. Dann schaut Gott Ihnen heute besonders tief in die Augen, wie mit mütterlichem Blick und sagt: Du fällst nicht aus meinem Arm. Ich gebe Dir mein Wort. Du bist gerettet. Du bist nicht allein. Wer glaubt, ist nie allein.“ Zu Weihnachten werde die Geborgenheit in Gott gefeiert, führt Wilmer weiter aus. „Gott beschützt und beschirmt dich, ganz so wie die Tintenfassmadonna ihren Sohn. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob du dich mit Gott schwer tust und dich von ihm abgewandt hast. Gott hält dich trotzdem.“

Zum Schluss verabschiedet sich der Bischof, der im niedersächsischen Emsland aufgewachsen ist, mit ein paar Worten auf Plattdeutsch vom bundesweiten Fernsehpublikum –bevor der Gottesdienst mit „O du fröhliche, o du selige“ ausklingt.

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