Auswirkungen in Hildesheim

Buchmesse wegen Coronavirus abgesagt: Was sagen Hildesheimer Verlage?

Hildesheim/Leipzig - Dienstagmittag wird klar: Die Buchmesse in Leipzig ist abgesagt. Damit können auch die Verlage Gerstenberg, Olms und arete aus Hildesheim ihre neuen Frühlingsprogramme nicht vorstellen. Was sind die Folgen?

Ein Plakat weist in den Messehallen auf die Leipziger Buchmesse vom 12. bis 15. März 2020 hin. Nun ist sie abgesagt. Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Hildesheim/Leipzig - Die Leipziger Buchmesse ist am Dienstagmittag abgesagt worden. In diesem Jahr waren rund 2500 Aussteller aus 51 Ländern erwartet worden. Von deren Seite hatte es zuvor so gut wie keine Absagen gegeben. Bundesweit sind wegen der steigenden Zahl von Corona-Infektionen bereits mehrere große Messen abgesagt oder verschoben worden, darunter die Tourismusbörse ITB in Berlin, die Pro Wein in Düsseldorf und die Internationale Handwerksmesse in München. Zur Leipziger Buchmesse und ihrem Lesefestival waren voriges Jahr 286.000 Besucher gekommen.

Was sagen die Verlage?

„Es ist sehr bedauerlich, dass die Leipziger Buchmesse nicht stattfinden kann, aber es ist gut, dass sich der Veranstalter jetzt endlich festgelegt haben und wir alles Nötige für die Rückabwicklung veranlassen können und unsere Mitarbeiter nicht durch die Großveranstaltung gefährdet sind“, reagiert Daniela Filthaut, Leiterin des Gerstenberg Verlages auf die Nachricht.

Die Leipziger Buchmesse sei als einzige nationale Messe ein Spiegel der Gesellschaft, was aktuelle Themen, Literatur und Leserinteressen betrifft. „Auch wir hatten Veranstaltungen mehrerer Autoren – zum Beispiel zum Kinderroman ,Sasja und das Reich jenseits des Meeres’ von Frida Nilsson – und einen Stand zur Präsentation unserer Frühjahrstitel mit zahlreichen Verlagsmitarbeitern geplant. Uns gehen nicht nur Buchverkäufe verloren, sondern auch ein wichtiger Informationsaustausch mit Buchhändlern, Medien, Multiplikatoren, Autoren, Illustratoren und Lesern.“ Das sei nicht ohne Weiteres aufzuholen, bedauert Filthaut, „aber wir werden alle digitalen Wege nutzen, um unsere Gesprächspartner über aktuelle und neue Projekte zu informieren“.

Entscheidung nachvollziehbar

„Im Gesamtkonzept ist die Entscheidung nachvollziehbar“, verweist Dietrich Olms vom Georg Olms Verlag auf die neusten Entscheidungen der WHO.„Für uns sind Leipzig und Frankfurt ein Schaufenster, um präsent zu sein“, formuliert er. Vor allem bedauert er den Ausfall der beiden Auftritte, bei denen das Buch „Wissenschaft unter Beschuss“ von Nepomuk Riva vorgestellt werden sollte: am Donnerstag nächster Woche auf dem Blauen Sofa beim ZDF und im Grassi-Museum.

Mit dem Ausfall von Gesprächen mit Autoren, Bibliothekaren und Journalisten ginge auch eine Einbuße an Medienwirksamkeit einher. Der Georg Olms Verlage wäre mit vier Kollegen zur Buchmesse gereist. Dort war der Verlag schon in den 80ern, noch zu DDR-Zeiten präsent: „Wir waren bestimmt 30 Mal in Leipzig, mit Frankfurt kommen wir auf 100 Messe-Besuche.“ Frankfurt ist für den Olms-Verlag die wichtigere Messe, „weil wir international tätig sind und Gespräche mit amerikanischen und asiatischen Kunden haben“.

Buchpremiere fällt aus

„Sehr ärgerlich für uns“, konstatiert Christian Becker vom arete Verlag. Der Hildesheimer hatte sich von der publikumsträchtigen Leipziger Messe diesmal sehr viel versprochen: „Wir hatten sehr schöne Veranstaltungen in Vorbereitung.“ So sollte zum ersten Mal die Premiere eines Buches – über die Eiskunstlaufolympiasiegerin Aljona Savchenko – direkt am ersten Messetag stattfinden. Unter anderem hatte sich der MDR angesagt.

„Uns wird die Bühne genommen“, bedauert Becker, der seit fünf Jahren nach Leipzig fährt. Das wirke sich auch finanziell aus: nicht nur fällt der geplante Verkauf direkt am Messestand flach, auch das Hotel lässt sich nicht stornieren. Was mit den Standgebühren wird, ist laut Becker noch offen. Er rechnet mit einem Verlust im vierstelligen Bereich.

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