Corona-Pandemie

Corona-Impfung bei Genesenen: Reicht eine Impfdosis für eine langanhaltende Immunität aus?

Kreis Hildesheim - Zur Immunität bei Genesenen nach der Corona-Impfung sind noch einige Fragen offen. Die Gesellschaft für Virologie hat dazu Stellung bezogen.

Im Regelfall erhält man zwei Impfstoffdosen für eine langanhaltende Immunität gegen das Coronavirus. Nur Genesene erhalten eine. Foto: Chris Gossmann

Kreis Hildesheim - Genesene nehmen eine Sonderstellung ein, wenn es um die Corona-Impfungen geht: Sie sollten erst sechs Monate nach der Diagnosestellung geimpft werden und dann auch nur eine Impfstoffdosis bekommen. So empfiehlt es die Ständige Impfkommission (Stiko). Normalerweise sind zwei Impfstoffdosen nötig, um sich vor schweren Krankheitsverläufen zu schützen. Reicht die einmalige Spritze bei den Genesenen für eine langanhaltende Immunität aus?

Genesene sind vorübergehend immun

Dazu ist es wichtig zu wissen, dass Genesene – anders als Menschen, die sich nicht mit dem Coronavirus angesteckt haben – nach überstandener Infektion eine vorübergehende Immunität erwerben. In ihrem Blut haben sich Antikörper gebildet. Inzwischen konnten mehrere Studien zeigen, dass Antikörper gegen das Spike-Protein, das auf der Oberfläche des Virus sitzt, und neutralisierende Antikörper selbst nach milden Covid-19-Krankheitsverläufen noch monatelang nachweisbar sind.

Eine dieser Untersuchungen ist Anfang Februar im Fachmagazin Science erschienen. Ein US-amerikanisches Forscherteam hatte 254 Proben von 188 Covid-19-Fällen untersucht. Darunter waren 43 Proben, mit denen sich die Antikörperkonzentrationen sechs bis acht Monaten nach der Infektion bestimmen ließen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stellten fest, dass rund 95 Prozent der Genesenen eine Immunität entwickelten, die rund sechs Monate nach der Infektion noch vorhanden war.

Impfung schützt möglicherweise vor Virusvarianten

Die Gesellschaft für Virologie weist in einer aktuellen Stellungnahme allerdings darauf hin: „Die Messung zirkulierender Antikörper alleine ist nicht ausreichend, um die Dauer der schützenden Immunität bei Genesenen einschätzen zu können, denn sie reflektieren nur bedingt das immunologische Gedächtnis.“ Hinzu komme, dass Menschen, die asymptomatisch am Coronavirus erkranken, häufig nur schwache Immunantworten ausbilden würden, „die über die Messung zirkulierender Antikörper nicht mehr nachweisbar sein können“.

Dennoch hält die Fachgesellschaft die Empfehlung der Stiko für „sinnvoll“, Genesene nach überstandener Infektion nur einmal zu impfen. „Denn dies führt zu einer signifikanten Verstärkung der Immunität“, heißt es in der Stellungnahme. Nach einer Impfstoffdosis ist die Immunität zudem so hoch, dass Genesene womöglich selbst vor Virusvarianten wie Alpha und Beta geschützt sind, wie eine britische Studie aus dem Fachmagazin Science nahelegt.

Suche nach Zeitpunkt für Auffrisch-Impfung

Unklar bleibt jedoch, wie lange die Immunität bei Genesenen nach der Impfung anhält. „Ob und wann später eine zweite Covid-19-Impfung notwendig ist, lässt sich gegenwärtig nicht sagen“, schreibt die Stiko in ihrer Impfempfehlung, die im Epidemiologischen Bulletin abgedruckt ist.

Auch die Gesellschaft für Virologie macht deutlich, dass weitere Langzeitstudien notwendig sind: „Dadurch kann die Bedeutung der VOC (Variants of concern, also besorgniserregende Virusvarianten, Anm. d. Red.) eingeschätzt, und mögliche Maßnahmen wie zum Beispiel Auffrisch-Impfungen können evaluiert werden.“

Von Laura Beigel

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