Gastronom räumt Fehler ein

Corona-Impfung mit Gewalt durchsetzen? Empörung über Hildesheimer Wirt

Bavenstedt - Ein Hildesheimer Gastwirt hat sich in einer Rundmail an Kunden für Gewalt gegenüber Impfgegnern ausgesprochen, um eine Corona-Impflicht durchzusetzen. Kunden sind entsetzt, die Polizei prüft, ob eine Straftat vorliegt. Inzwischen ist der Mann zurückgerudert.

Der Dorfkrug in Bavenstedt zählt zu den bekanntesten und renommiertesten Restaurants in Hildesheim. Foto: Chris Gossmann

Bavenstedt - Der Betreiber des Restaurants Dorfkrug, Michael Wille, hat sich in einem Rundschreiben an seine Stammkunden für Gewalt gegenüber Impfgegnern ausgesprochen, um bei ihnen eine Corona-Impfung durchzusetzen. Kunden reagieren entsetzt und kündigen an, das Lokal nicht mehr zu besuchen; die Polizei lässt prüfen, ob es sich um eine Straftat handelt. Der Gastronom ist inzwischen zurückgerudert: „Ich bedauere, was ich geschrieben habe, ich bin kein gewalttätiger Mensch“, sagte Wille der HAZ. Doch ihn plage Existenzangst: Wegen der 2-G-plus-Regel seien an jenem Tag fast 80 Prozent aller Buchungen bis zum Jahresende storniert worden, „das ist wirtschaftlich eine Katastrophe“. Er habe darauf sechs Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken müssen. „Ich war fix und fertig, hatte auch mehrere Bier getrunken.“



Wille versendet jeden Dienstag eine Mail mit der Speisekarte. Diese fehlte allerdings beim jüngsten Rundbrief – dafür erklärte der 64-Jährige die Bedingungen für einen Restaurant-Besuch durch die 2-G-plus-Regel, die seit Mittwoch gelten, machte aber vor allem seinem Unmut über „unsere zwei untätigen Regierungen“ und allen Ungeimpften Luft: Letztere hätten die „Krankenhäuser voll und die Restaurants leer bekommen.“ Einen Absatz widmete der Gastronom der geplanten Impfpflicht. „Um sie durchzusetzen, empfehle ich: Allen Impfgegnern Führerschein, Ausweis und Smartphone abnehmen bis zur zweiten Impfung und wer meckert, bekommt aufs Maul bis das Blut spritzt.“ Er zitiere damit eine befreundete Küchenmeisterin, erklärte der Dorfkrug-Chef.

Geimpfte Stammkundin sagt: „Mit hat es die Sprache verschlagen“

„Mir hat es die Sprache verschlagen“, berichtet eine Unternehmerin, die sich als Stammkundin bezeichnet. Sie verstehe die Nöte der Wirte. „Doch so etwas darf man nicht schreiben.“ Die Gesellschaft sei ohnehin gespalten, weil die Politik einen Lockdown für Ungeimpfte verhängt habe. „Da sollte man die Menschen nicht noch aufeinanderhetzen.“ Sie sei selbst geimpft, sagt die Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. Doch jeder müsse selbst entscheiden, ob er sich impfen lasse. „Wir können nicht jemandem Gewalt androhen, weil er eine andere Meinung hat.“

Gastwirt rudert zurück: Formulierung „total überzogen“

Mit ihrer Kritik steht die Frau nicht allein: Im Dorfkrug gingen laut Wille diverse Anrufe und rund 200 Mails von aufgebrachten Bürgern ein, auf dem Google-Bewertungs-Portal prasselte ein Shitstorm auf den Dorfkrug nieder. Der Internetkonzern habe ihm mitgeteilt, von sich aus 1200 Einträge wegen Verstößen gegen die Verhaltensregeln gelöscht zu haben, sagt Wille. Der versuchte am Donnerstag in einer weiteren Rundmail, den Ärger einzufangen, schilderte darin seine Sorgen, bezeichnete das „Blut“-Zitat als „total überzogen“, so etwas schreibe man normalerweise nicht. „Aber es ist emotional aus meiner Sicht voll OK.“



Die Stammkundin sieht das anders: Nötig gewesen wäre eine Entschuldigung, Wille aber rechtfertige sich nur. „Ich werde das Lokal nicht mehr betreten.“ Bekannte hätten sich ähnlich geäußert. Neben den finanziellen Folgen drohen dem 64-Jährigen eventuell auch juristische: Man habe die Staatsanwaltschaft gebeten zu prüfen, ob Willes Worte strafrechtlich relevant seien, sagte Polizeisprecher Jan Makowski der HAZ. Der Dorfkrug-Chef wünscht sich dagegen einen Schlussstrich: „Ich würde nie jemanden schlagen, weil er sich nicht impfen lassen will.“

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