Politiker diskutieren

Corona-Krise: Kommt in ganz Deutschland eine Ausgangssperre?

Hannover - Kanzleramtschef Helge Braun hat den Samstag als entscheidenden Tag bei der Entscheidung über mögliche Ausgangssperren wegen des Coronavirus bezeichnet. Boris Pistorius kritisiert scharf das Verhalten der Menschen, die sich nicht an Regeln halten.

Boris Pistorius spricht während einer Pressekonferenz zum Krisenstab der niedersächsischen Landesregierung. Foto: Peter Steffen/dpa

Hannover - Kanzleramtschef Helge Braun hat den Samstag als entscheidenden Tag bei der Entscheidung über mögliche Ausgangssperren wegen des Coronavirus bezeichnet. „Wir werden uns das Verhalten der Bevölkerung an diesem Wochenende anschauen“, sagte der CDU-Politiker dem „Spiegel“. „Der Samstag ist ein entscheidender Tag, den haben wir besonders im Blick.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will am Sonntagabend mit den Ministerpräsidenten der Länder in einer Telefonkonferenz beraten. Dabei dürfte es auch darum gehen, ob und wann Ausgangssperren verhängt werden sollen. Mehrere Regierungschefs hatten am Donnerstag mit Ausgangssperren gedroht.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat bereits am Freitag weitreichende Ausgangsbeschränkungen für den ganzen Freistaat angekündigt. Das Verlassen der eigenen Wohnung ist ab Samstag nur noch bei Vorliegen triftiger Gründe erlaubt. Dazu zählen unter anderem der Weg zur Arbeit, notwendige Einkäufe, Arzt- und Apothekenbesuche, Hilfe für andere, Besuche von Lebenspartnern, aber auch Sport und Bewegung an der frischen Luft – dies aber nur alleine oder mit den Personen, mit denen man zusammenlebt.

Pistorius kritisiert Bürger

Auch der niedersächsische Landesinnenminister Boris Pistorius (SPD) brachte am Donnerstag erstmals eine Ausgangssperre für Niedersachsen ins Gespräch. „Die Lage ist außerordentlich ernst, weil wir nicht wissen, wohin uns diese Krise in den nächsten Wochen und Monaten führen wird“, sagte er.

Pistorius machte deutlich, dass er erschüttert über das Verhalten vieler Menschen sei, die sich nicht an die vorgegebenen Regeln halten: Sie gehen weiter in Cafés, stehen dicht gedrängt an Supermarktkassen.

Sozialleben muss eingeschränkt werden

„Am Samstag verabreden sich die Menschen ja traditionell miteinander, weil sie frei haben“, sagte Braun. „Aber das geht abseits der Kernfamilie derzeit nun einmal leider nicht. Das muss jetzt eingestellt werden. Geschieht das nicht, kann es passieren, dass auch in den Bundesländern weitergehende Maßnahmen beschlossen werden, obwohl wir das eigentlich vermeiden wollen.“

Man setze darauf, „dass die Bevölkerung die Maßnahmen versteht und bereit ist, ihr Sozialleben einzuschränken. Und wenn wir in Nachbarländer blicken, die schon Ausgangssperren verhängt haben, dann wird klar: Das wäre eine enorme zusätzliche Belastung“.

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