Fürs Erste gut vorbereitet?

Coronavirus: Wann sollte man sich testen lassen? Hildesheimer Ärzte geben Tipps

Hildesheim - Noch gibt es keine Verdachtsfälle – doch Experten rechnen damit, dass sich auch im Raum Hildesheim bald Menschen mit dem Virus infizieren.

Wenn der Verdacht besteht, jemand könnte am Coronavirus erkrankt sein, steht ein Labortest an. Den kann auch der Hausarzt veranlassen. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Hildesheim - In Stadt und Landkreis Hildesheim gab es bis Donnerstag keine begründeten Verdachtsfälle für eine Infektion mit dem Coronavirus – aber viele verunsicherte Bürger, die bei Behörden und Ärzten anrufen. Das hat Dr. Katharina Hüppe, Leiterin des Kreis-Gesundheitsamtes, am Nachmittag auf HAZ-Anfrage erklärt. Ihre Behörde hat inzwischen neue Regeln festgelegt, in welchen Fällen Bürger sich auf Corona testen lassen sollen.

Wer getestet werden soll

Dies gilt für Einwohner, die in den vergangenen 14 Tagen Kontakt zu einem Menschen hatte, der sich erwiesenermaßen mit dem Coronavirus infiziert hatte. Und für Menschen, die ernsthafte Atemwegsprobleme – nicht nur ein bisschen Husten oder Schnupfen – haben und in den vergangenen 14 Tagen in einem der Risikogebiete waren. Als solche gelten aktuell die Provinz Lodi in der italienischen Region Lombardei sowie die Stadt Vo in der Provinz Venetien, die chinesischen Provinzen Hubei, Wenzhou, Hangzhou, Ningbo und Taizhou, die Provinz Gyeongsangbuk-do in Südkorea sowie die Provinz Ghom im Iran. Die Risikogebiete werden vom Robert-Koch-Institut täglich aktualisiert.

In solchen Fällen fordert das Gesundheitsamt eine Diagnostik. Die nötigen Abstriche können auch Hausärzte machen. Schicken sie die Proben bis 10 Uhr ans Landesgesundheitsamt, gibt es noch am gleichen Tag ein Ergebnis, sonst am Folgetag.

Wo Bürger sich melden können

Wer den Verdacht hegt, sich mit dem Virus angesteckt zu haben, soll nicht ins Krankenhaus oder zum Hausarzt gehen, sondern in Klinik oder Praxis anrufen. Das hat Dr. Michael Hillebrand, Leiter der Notaufnahme des Hildesheimer St.-Bernward-Krankenhauses (BK), am Donnerstagvormittag bei einer Mitarbeiter-Schulung unterstrichen. Zudem können sich möglicherweise betroffene Bürger unter Telefon 0 51 21 / 309-7541 beim Gesundheitsamt des Landkreises Hildesheim melden. Dort stehen die Apparate schon jetzt selten still, bis zu acht Mitarbeiter beantworten Fragen von Bürgern.

Die bekommen unter anderem vermeintlich banale Tipps, die man nach Ansicht von Leiterin Hüppe aber gar nicht oft genug wiederholen kann: Regelmäßig die Hände waschen, möglichst einen Meter Abstand zu anderen Menschen halten, in die Armbeuge und nicht in die Hände husten oder niesen.

Zwei Isolierzimmer bereit

Ein großes Thema ist das Coronavirus am Donnerstag und Freitag auch im St.-Bernward-Krankenhaus (BK). In zweimal drei Stunden versuchen die Hygiene-Experten des Hauses, möglichst alle Ärzte und Pflegekräfte über den Erreger und den Umgang mit eventuellen Patienten zu informieren. Gleich bei der ersten Runde ist der Saal voll, viele müssen stehen, das Interesse ist groß.

Nur besonders schwere Fälle würden im Krankenhaus behandelt, betont Notaufnahme-Chef Hillebrand. Das BK verfüge über zwei Isolierzimmer mit Schleuse auf der Intensivstation. Zusätzlich habe das Krankenhaus eine normale Station für die Aufnahme eventueller Corona-Patienten vorbereitet. Auch das Helios Klinikum sowie die Krankenhäuser in Gronau und Alfeld haben sich intensiv auf mögliche Coronavirus-Fälle eingestellt.

Möglichst zu Hause auskurieren

„In der Regel sollen die Betroffenen zu Hause bleiben und dort behandelt werden“, betonte Hillebrand. Das sei auch kein großes Problem, erklärte Dr. Thorsten Lüersen, Oberarzt der Anästhesie und Leiter der Hygiene-Abteilung im BK. Von den Symptomen her sei das Virus ohnehin nicht von einer normalen Grippe-Erkrankung zu unterscheiden, in aller Regel verlaufe sie auch genauso. „Gefährlich ist das Coronavirus, wie auch die Influenza, vor allem für Patienten mit Vorerkrankungen sowie für schwächere und ältere Menschen.“

Das Robert-Koch-Institut wies am Donnerstag allerdings darauf hin, dass die Todesrate bei Corona ungefähr zehnmal so hoch liege wie bei einer „normalen“ Grippe. An Influenza sterben ein bis zwei von 1000 Erkrankten, beim Coronavirus seien es zehn bis 20. Instituts-Präsident Lothar Wieler betont zwar, gut 80 Prozent der Infizierten hätten nur milde Symptome. „Aber 15 Prozent erkranken schwer. Das ist viel.“

Hausärzte sehen sich gerüstet

Ein etwas schwächeres Glied des Gesundheitssystems sind in Sachen Corona die Hausarztpraxen. „Wir sind auch auf die Informationen der Virologen und anderer Experten angewiesen“, sagt Petra Lattmann. Die Medizinerin betreibt eine Praxis in Nordstemmen, ist Sprecherin des Hildesheimer Ärzteverbundes Hil-Med und Vorsitzende des Bezirksausschusses der Kassenärztlichen Vereinigung. Insgesamt sieht sie sich und ihre Kollegen aber gut gerüstet, die Abläufe seien klar, falls ein Patient mit verdächtigen Symptomen in Praxen auftauchen sollte.

Dass das in den kommenden Wochen passieren wird, davon geht Lattmann inzwischen aus. Was sie umtreibt: Je mehr Menschen in mehr Ländern vom Virus betroffen sind, desto schlechter könne man bei neuen Verdachtsfällen anhand der vorigen Aufenthaltsorte der Patienten Infektionen ausschließen. „Der Virus wird früher oder später auch in den Landkreis kommen“, ist Lattmann überzeugt – sieht aber dennoch keinen Grund dafür, dass die Menschen sich deswegen verrückt machen. Wichtig sei, dass jeder vorsorge und auf die einfachsten Regeln wie das regelmäßige und gründliche Händewaschen achte.

Masken bringen meist wenig

Inzwischen, und das ist Lattmanns Ansicht nach eine eindeutig positive Entwicklung in der Bekämpfung des Virus’, können auch für Hausarztpraxen arbeitende Privatlabore Corona-Tests durchführen. „So werden die Gesundheitsämter entlastet und die Hausärzte können ihren Patienten innerhalb von 24 Stunden ein Ergebnis mitteilen.“

Am BK warnen die Hygiene-Experten Thorsten Lüersen und Jens Fischer unterdessen vor besonderen Erwartungen an handelsübliche Atemschutzmasken, die sich viele Menschen zugelegt haben: „Die in der Öffentlichkeit zu tragen, bringt eigentlich nichts.“ Schutz böten allenfalls die deutlich hochwertige FFP-Masken – doch die sind ohnehin vergriffen.

Desinfektionsmittel werden knapp

Generell sind die Masken in den Apotheken in Stadt und Landkreis Hildesheim längst ausverkauft. Deren Betreiber und Mitarbeiter bekommen die Verunsicherung vieler Menschen derzeit zunehmend zu spüren. „Die Sensibilität in der Bevölkerung steigt von Tag zu Tag“, sagt Bezirksapotheker Niels Buthe. Das hat Folgen: „Bei den Desinfektionsmitteln gibt es mancherorts bereits Engpässe“, sagt Buthe.

Wer in seine Apotheke Am Thie in Holle oder in eine der anderen 63 Apotheken im Landkreis kommt, um nach einem Medikament gegen das Coronavirus zu fragen, muss aber mit leeren Händen wieder gehen. „Weil das Virus so jung ist, gibt es dagegen noch keine Medikamente mit nachgewiesener Wirkung.“ Gute Ratschläge hat Buthe trotzdem einige parat. Er rät etwa dazu, das Immunsystem generell zu stärken – etwa durch Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Auch er betont, wie auch die anderen Experten, die Bedeutung des Händewaschens.

Aktuelle Informationen zum Coronavirus im Internet gibt es auf der Seite www.infektionsschutz.de. Die war wegen der großen Nachfrage zwischenzeitlich überlastet und nicht mehr erreichbar. Dieses Problem ist inzwischen behoben.

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