Fragen und Antworten

Coronavirus: Diese Fakten muss man kennen

Hildesheim - Woher kommt eigentlich das Coronavirus? Wie kann man sich davor schützen? Und was bedeutet es, wenn jemand in Quarantäne geschickt wird? Die HAZ liefert Antworten.

Hildesheim - Woher kommt eigentlich das Coronavirus? Wie kann man sich davor schützen? Und was bedeutet es, wenn jemand in Quarantäne geschickt wird? Die HAZ liefert Antworten.

Woher kommt das Virus?

Das Coronavirus stammt wahrscheinlich von Fledermäusen und wurde über einen tierischen Zwischenwirt (vermutlich illegal gehandelte Schuppentiere) Anfang Dezember auf einem chinesischen Fischmarkt in Wuhan auf den Menschen übertragen.

Wie überträgt es sich?

Das Virus wird zumeist durch eine Tröpfcheninfektion weitergegeben: In der Atemluft eines Infizierten gelangt es in winzigen Spucketröpfchen in die Umgebungsluft, besonders heftig bei Husten oder Niesen, und wandert durch Einatmen auf den nächsten Wirt. Auch Schmierinfektionen, also Hautkontakt mit virusbelasteten Gegenständen, sind nicht ausgeschlossen, aber laut Robert-Koch-Institut (RKI) seltener.

Wer ist besonders gefährdet?

Ältere ab etwa 50 bis 60 Jahre, Raucher, Patienten mit koronaren Herzerkrankungen, Asthma und chronischer Bronchitis, chronischen Lebererkrankungen, Diabetes, Krebs, geschwächtem Immunsystem, zudem Menschen, die Medikamente einnehmen, die die Immunabwehr senken, wie etwa Cortison. Schwangere scheinen laut WHO kein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf zu haben.

Wie bemerkt man eine Infektion?

Der Krankheitsverlauf ist von Patient zu Patient extrem unterschiedlich: Bestenfalls merkt man gar nichts, oft gibt es nur leichte Symptome, die an einen grippalen Infekt erinnern; mit Fieber, Husten, Kurzatmigkeit, Muskel- und Gelenkschmerzen, Hals- und Kopfschmerzen, seltener Übelkeit und Durchfall. Schlimmstenfalls kommt es zu schweren Pneumonien mit Lungenversagen und Tod. Bislang verliefen 80 Prozent der Erkrankungen mild bis moderat, 14 Prozent schwer, aber nicht lebensbedrohlich, sechs Prozent kritisch bis lebensbedrohlich.

Wann treten Symptome auf?

Die Inkubationszeit liegt im Mittel bei fünf bis sechs Tagen, kann aber auch einen oder 14 Tage betragen. Eine Ansteckung erfolgt im Allgemeinen erst dann, wenn ein Infizierter Symptome zeigt, so die Einschätzung derzeit. Bislang liegen keine Daten vor, wie lange es nach Erkrankungsbeginn noch vermehrungsfähige Viren im oberen Atemwegstrakt gibt. Eine Studie zeigte aber, dass Viren-RNA nach 13 bis 18 Tagen nicht mehr nachweisbar war.

Wie kann man sich schützen?

Aktuell steht noch kein Impfstoff zur Verfügung. Man kann das Ansteckungsrisiko aber erheblich minimieren: nicht in den Raum oder Handflächen husten oder niesen, auf Händeschütteln verzichten, Massenveranstaltungen meiden, zu Erkrankten ein bis zwei Meter Abstand halten. Das Wichtigste: sehr gründlich (30 Sekunden) mit Wasser und Seife die Hände waschen. Das ist in etwa so lange, wie es dauert, im Geist zwei mal „Happy Birthday“ zu summen. Ein Desinfektionsmittel ist nicht nötig, grundsätzlich aber hilfreich. Wer Desinfektions­mittel für Flächen oder Hände benutzen will, sollte darauf achten, dass sie wirk­sam gegen Coronaviren sind. Erkenn­bar ist das am Hinweis „begrenzt viruzid“ (wirk­sam gegen behüllte Viren), „begrenzt viruzid Plus“ oder – am effektivsten – „viruzid“.

Hilft eine Maske?

Ein Mund-Nasen-Schutz schützt davor, dass Infizierte die Viren aushusten. Vor Ansteckung schützt ein einfacher OP-Mundschutz nicht, verlässlich sind nur Masken mit Filtergrad zwei oder drei, und das nur, wenn die Maske korrekt sitzt und bei Durchfeuchtung durch die Atemluft gewechselt wird. Das ist schon nach 20 bis 30 Minuten der Fall.

Wie sieht es mit Reisen aus?

Wenn möglich, sollte man nicht in Risikogebiete fahren. Das sind derzeit ganz Italien, Iran, in China die Provinz Hubei mit der Stadt Wuhan, in Südkorea die Provinz Nord-Gyeongsang, in Frankreich die Region Grand Est mit Elsass, Lothringen und der Champagne-Ardenne. In Deutschland ist besonders betroffen der Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen. Inzwischen sind aber in allen Bundesländern Infektionsfälle bestätigt.

Wer muss in Quarantäne?

Das bestimmt das Gesundheitsamt. Betroffen sein können Menschen, die in Risikogebieten waren oder Kontakt zu Infizierten hatten. Angeordnete Quarantäne muss befolgt werden. In Deutschland gibt es ungefähr 380 Gesundheitsämter. Jedes Amt entscheidet selbst, welche Maßnahmen in der jeweiligen Region ergriffen werden sollten.

Kann man Quarantäne erzwingen?

Weigert sich eine Person trotz Ansteckunsgefahr partout, sich selbst zu Hause zu isolieren, kann das Gesundheitsamt eine gesicherte Unterbringung erzwingen, so das RKI. Die Unterbringung erfolgt dann zum Beispiel in einer bewachten Kaserne oder Klinik.

Was ist zu tun, wenn sich herausstellt, dass ein Ort, an dem sich jemand kürzlich aufgehalten hat, unter Quarantäne gestellt wird?

Das RKI sagt, oft bestünde kein Grund zur Sorge, zum Beispiel, wenn der eigene Aufenthalt schon 14 Tage oder länger her ist, ohne dass man Symptome entwickelt hat. Wenn aber weiterhin die Sorge besteht, dass eine Ansteckung stattgefunden haben könnte, kann man sich für eine Beratung an sein zuständiges Gesundheitsamt wenden. Wer unter Symptomen leidet, sollte – nach telefonischer Vorankündigung und mit Verweis auf den unter Quarantäne stehenden Ort – einen Arzt aufsuchen.

Wie funktioniert Quarantäne?

Nach Infos des RKI legt das Gesundheitsamt das konkrete Vorgehen fest. Das Hildesheimer Gesundheitsamt hält zu den positiv getesteten Personen telefonischen Kontakt. Die Personen seien angehalten, ihren Krankheitsverlauf genau zu beobachten, erklärt Kreissprecherin Birgit Wilken. Bei einer Verschlechterung des Krankheitsbildes sollen sie sofort Kontakt mit dem Gesundheitsamt aufnehmen. Aus der Quarantäne werde die Person nur entlassen, wenn zwei aufeinanderfolgende Abstriche negativ sind. Diejenigen, die Kontakt zu einem Infizierten hatten, würden einmal täglich vom Gesundheitsamt angerufen. Sie müssen morgens und abends Fieber messen. Bestätigen sie auf Nachfrage des Gesundheitsamtes, dass sie Symptome haben, gelten diese Personen als Erkrankungsfall. Dann wird ein Abstrich genommen.

Bekomme ich mein Gehalt weiter?

Bei Quarantäne haben Arbeitnehmer laut Infektionsschutzgesetz sechs Wochen Anspruch auf Entschädigung in Höhe des Nettolohnes und danach auf eine, die sich am Krankengeld orientiert, erklärt Arbeitsrechtler Ulrich Kühlke. Die Entschädigung zahlt der Staat, dafür muss ein Antrag beim Gesundheitsamt gestellt werden. Bei Krankheit gilt wie üblich die Regelung sechs Wochen Lohnfortzahlung und im Anschluss Krankengeld.

Wo verbringt man die Quarantäne?

In Absprache mit dem Gesundheitsamt zum Beispiel in der eigenen Wohnung.

Darf man seine Wohnung verlassen? Zum Beispiel, um mit seinem Hund Gassi zu gehen?

Nein, die Betroffenen dürfen in diesen zwei Wochen ihr Haus oder ihre Wohnung nicht verlassen. Das gleiche gilt für Familienmitglieder, die im selben Haushalt leben. Im Idealfall sollten sich die Angehörigen auch nicht im selben Raum aufhalten wie der Kranke.

Wie ist die Versorgung der Menschen im Quarantänefall gesichert?

Dafür scheint es keine klare Regelung zu geben. Empfohlen wird, sich von Freunden und Angehörigen unterstützen zu lassen. Sollten Lebensmittel, Getränke oder andere Produkte des täglichen Bedarfs zur Neige gehen, können die die Artikel besorgen und vor der Haustür ablegen. Oder auch den Hund ausführen. Wichtig ist dabei, dass es zu keinem direkten Kontakt mit diesen Personen kommt.

Und wer keine hilfsbereiten Nachbarn oder Freunde hat?

Wer niemanden hat, den er um Hilfe bitten könnte, kann sich an das Gesundheitsamt wenden. Das schickt dann Mitarbeiter von den Rettungsdiensten mit den benötigten Artikeln vorbei.

14 Tage abgeschottet von der Außenwelt – gibt es psychologische Unterstützung?

Der Landkreis hält Kontakt zu den Menschen in Quarantäne. Eine psychologische Betreuung gibt es aber nicht.

Was passiert, wenn sich jemand nicht an die Quarantäneregeln hält? Wird die Einhaltung kontrolliert?

Laut RKI überprüft das Gesundheitsamt, ob die Quarantäne eingehalten wird. Wer Haus oder Wohnung verlässt, muss mit Geld- oder sogar Gefängnisstrafen rechnen.

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