Vor allem KSM reagiert

Coronavirus: Hildesheimer Firmen stoppen alle Dienstreisen

Hildesheim - Große Hildesheimer Arbeitgeber verzichten aus Sorge vor dem Coronavirus komplett auf Dienstreisen. Zudem gibt es die ersten Messe-Absagen.

Wer das Hildesheimer Werk von KSM Castings betreten will, darf nicht zuvor in einem Risikogebiet gewesen sein. Und auch auf dem Werksgelände gelten - wie auch bei anderen Firmen - verschärfte Vorschriften. Foto: Werner Kaiser

Hildesheim - In vielen Hildesheimer Unternehmen wirkt sich das Coronavirus immer stärker auf den Arbeitsalltag aus – auch wenn es in Stadt und Landkreis bislang keine Infektionen gibt. Vor allem große Unternehmen, die international agieren, haben ihre Vorgaben noch einmal deutlich verschärft. Auch in kleineren Firmen kommt es zunehmend vor, dass zum Beispiel Mitarbeiter nach der Rückkehr aus dem Italien-Urlaub vorerst nach Hause geschickt werden.


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Der Hildesheimer Automobil-Zulieferer KSM Castings hat am Donnerstag beschlossen, bis auf weiteres grundsätzlich auf Dienstreisen zu verzichten. Bisher galt das nur für China – was bereits deutliche Auswirkungen hatte. Denn KSM gehört zum chinesischen Konzern Citic Dicastal und hat auch in Hildesheim gerade in der Führungsriege um Geschäftsführer Zhihua Zhu mehrere Mitarbeiter aus dem Land.

Im Zweifel Auto statt Bahn

Doch nun sollen KSM-Beschäftigte gar nicht mehr dienstlich reisen. Lässt es sich partout nicht vermeiden, sollen sie nicht die Bahn oder das Flugzeug nehmen, sondern möglichst das Auto, wie Sprecherin Sandra Dichter erklärt.

KSM nimmt, auch durch seinen engen China-Bezug, das Thema Coronavirus besonders ernst. Das zeigt sich auch in weiteren Reaktionen. Mitarbeiter sollen einander vorerst nicht mehr die Hand geben – eine Vorgabe, die inzwischen auch andere Firmen machen. Besucher müssen am Empfang unterschreiben, dass sie in den vergangenen zwei Wochen nicht in einem Risikogebiet waren. Außerdem hat KSM begonnen, geplante Schulungen zu verschieben.

Handschlag ist verpönt

Zusätzlich hat KSM in seinen Werken weitere Desinfektionsmittel-Spender installiert und begonnen, Schutzartikel für die Belegschaft zu kaufen. Zuvor hatte das Unternehmen bereits Hygieneartikel und weitere Hilfsmittel für Mitarbeiter des Mutterkonzerns erworben. Der Betrieb in China läuft nach einer längeren Schließung rund um das chinesische Neujahrsfest derzeit wieder ohne Einschränkungen, auch mit Lieferanten und Kunden gebe es aktuell keine Probleme.



Das Thema Lieferkette bereitet vielen deutschen Industrie-Unternehmen wegen der globalen Verflechtung zunehmend Sorgen. SEG Automotive, das Nachfolge-Unternehmen der Starter- und Generatorensparte von Bosch, hat dafür eigens eine Arbeitsgruppe mit Vertretern verschiedener Abteilungen eingerichtet, „um die Auswirkungen des Coronavirus auf unsere Lieferketten bestmöglich zu begrenzen“, wie Sprecher Christoph Hoelzl sagt. Massiv begrenzt hat auch SEG inzwischen die Dienstreise-Tätigkeit seiner Mitarbeiter. Die sollen, ähnlich wie bei KSM, bis auf weiteres komplett entfallen.

Notebooksbilliger.de reagiert

So rabiat geht Bosch derzeit noch nicht vor. Das weltweit operierende Unternehmen, in Hildesheim der größte Arbeitgeber und auch im Reich der Mitte stark vertreten, hat das Verbot für Dienstreisen von und nach China bis Ende März ausgeweitet, im gleichen Zeitraum sollen Mitarbeiter auch nicht mehr beruflich in die norditalienischen Risikogebiete fahren. Eine grundsätzliche Absage für Dienstreisen gibt es bei Bosch aber noch nicht.

Im Zusammenhang mit dem Coronavirus hat der Online-Großhändler Notebooksbilliger.de mit Sitz in Sarstedt wegen des Virus seine Teilnahme an der Messe Beruf & Bildung am Wochenende in Hannover abgesagt.

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