Neue Regel im Tierasyl

Hildesheimer Tierheim verhängt Vermittlungsstopp zu Weihnachten

Hildesheim - Alle Jahre wieder landen Tiere als unbedachte Spontangeschenke unterm Weihnachtsbaum. Das Tierheim Hildesheim geht deshalb ab dem ersten Advent einen besonderen Schritt.

Sehen so niedlich aus: Doch das Tierheim Hildesheim will verhindern, das unbedacht Katzen, Hunde und Nager zu Weihnachten verschenkt werden. Foto: Viktoria Hübner

Hildesheim - „Wir hatten noch nie so viele Vögel und Kleintiere“, sagt Leiterin Sabine Witte. Dennoch verhängt das Tierheim Hildesheim einen Vermittlungsstopp zu Weihnachten. Was im ersten Moment nicht jedem einleuchten mag, hat einen Grund. Die Sperre, die mit dem ersten Advent beginnt und bis ins neue Jahr geht, dient dazu, voreilige Tiergeschenke zu verhindern.

Schon seit mehreren Jahren hält es die Einrichtung in der Mastbergstraße so, als eine von vielen in Deutschland. „Den Kauf in Zoogeschäften können wir nicht vermeiden“, sagt Witte, aber als Tierheim seien sie dem Tierschutz und der Aufklärung verpflichtet. Da sei die Adoptionssperre zumindest eine Signal, dass die Menschen zum Nachdenken anregt.

Es gibt Ausnahmen

„Das heißt aber nicht, dass wir nicht vermitteln“, erklärt Witte die Ausnahme von der Regel. In Fällen, in denen die Vorgeschichte, also der künftige Besitzer bekannt sei, könne – immer situationsabhängig – ein Tier aus dem Heim geholt werden. Etwa wenn ein Kaninchen oder ein Vogel gestorben und das Partnertier nun alleine sei, könne von der Adoptionssperre abgewichen werden. Doch letztlich geht es den Tiervermittlern darum, zu verhindern, dass ein Haustier mit Schleife drum und in einem Karton verpackt unterm Weihnachtsbaum liegt. Unüberlegt angeschafft, vielleicht vom Rest der Familie nicht gewollt, um das sich dann keiner kümmert und das am Ende wieder ins Tierheim zurückgebracht wird.

Denn von sogenannten Rückläufern kann Witte ein Lied singen. Im Zuge von Corona und Homeoffice schafften sich auch viele Menschen aus Stadt und Landkreis Hildesheim Tiere an, auch über Ebay. Und nun sitzen insbesondere Rüden zwischen neun und 24 Monaten, Hunde mitten in der Pubertät, in den Zwingern des Tierheims. „Meistens schon mit reichlich Vorbesitzern“, sagt Witte, die sich besonders an einen Fall erinnert. Rüde, eineinhalb Jahre, sieben Vorbesitzer. Der sei so aggressiv gewesen, dass er Maulkorb tragen musste, weil das Tier schon mit Verletzungsabsichten auf Menschen losgegangen sei. „Den haben wir jetzt toll vermittelt, aber das war ein langer Weg“, sagt Witte. „Aber die meisten Vorgeschichten sind bei uns nicht schön“, fügt sie hinzu.

Schweine neben Hühnern

Dass Tiere Zeit, Geduld und liebevolle Konsequenz brauchen, würde einfach unterschätzt. Vielleicht gleicht das Adoptionsverfahren deshalb der Job- oder Wohnungssuche: Selbstauskunft, Einverständniserklärung des Vermieters, Probezeit, Kontrollbesuche gehören dazu wie Vorgaben, dass etwa Kaninchen nicht allein vermittelt werden und mindestens sechs Quadratmeter Platz pro Tier da sein muss. Dafür steht das Team mit Rat und Tat zur Seite.

Dass das Tierheim aus allen Nähten platzt, wird jedenfalls bei einem Rundgang deutlich – auch wenn der Umbau gerade im Werden ist. Jedes Eckchen wird genutzt, ständig improvisiert. Denn neben Hund und Katze finden sich auch Schweine, Hähne, Tauben sowie Exoten wie Schlangen auf dem Gelände. „Eigentlich haben wir durchgehend Schwemme“, sagt Witte. Gerade mit Blick auf die alten und kranken Tiere, die keine Aussicht auf Vermittlung haben. Anders als zum Beispiel niedliche Kitten, die für manch einen ein schönes Weihnachtsgeschenk sein könnten. Doch Witte warnt: „Man kauft nicht von heute auf morgen für die Kinder, man plant nicht für vier Wochen, es ist eine Entscheidung der ganzen Familie.“ Urlaub, Krankheit, schlechtes Wetter, das Tier ist trotzdem da.

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