Hildesheimer Land

Das hilft gegen Stammtischparolen

Algermissen - Menschenverachtende Parolen werden oft allzu leicht dahingesagt – eine Algermissener Projektgruppe will etwas dagegen tun und Argumentationshilfen geben.

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Algermissen - Wenn Menschenverachtendes unbedacht dahingesagt wird, kann das der erste Schritt zu Gewalt sein, die erste Etappe einer bedenklichen Entwicklung. Oft spricht man dann von Stammtischparolen. Hört sich harmlos an, könnte nach Meinung der Algermissener Projektgruppe „Algermissen ist bunt – für Demokratie und Toleranz“ allerdings gefährlich werden. Die Gruppe, die für ihr Engagement schon überregional ausgezeichnet wurde, will daher mit einer Reihe von Präventionsprojekten neue Zeichen setzen und für eine „weltoffene und tolerante Gemeinde kämpfen“, wie es in der Ankündigung der nächsten Veranstaltung heißt. In der soll es am Dienstag, 24. September, um den „Umgang mit rechten Parolen“ gehen. Referent ist dann Sebastian Ramnitz vom Verein ContRa aus Vechta.

Ein Gegengewicht zu Stammtischparolen wurde auch schon im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ formuliert, das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wird – und zwar mit folgenden zehn Punkten, die in eine ähnliche Richtung gehen wie das ContRa-Konzept:

Nachfragen -: Das signalisiert dem Gesprächspartner: Ich höre dir zu. Fragen können zeigen, dass eine Stammtischparole oft auf wenig Grundlagen beruht. Wird die Aussage sofort infrage gestellt, können sich allerdings schnell Fronten bilden.

Hintergrundwissen: - Das kann ein Verweis auf Statistiken oder Studien sein. Der Gesprächspartner sollte aber nicht das Gefühl bekommen, als unwissend oder dumm dargestellt zu werden. Belehren ist nicht angebracht.

Ironie: - Sie kann helfen, Parolen den Wind aus den Segeln zu nehmen und die Stimmung aufzulockern. Allerdings ist eine ironisch gemeint Aussage immer auch eine Gratwanderung – denn sie kann auch missverstanden werden und dann provozierend wirken. Da ist also Fingerspitzengefühl gefragt.

Widersprüche aufzeigen: - Wer zum Beispiel abfällig über Ausländer redet, hat vielleicht selbst Freunde aus einem anderen Land, konsumiert ausländische Produkte, macht im Ausland Urlaub und genießt ausländisches Essen.

Das „Die“ auflösen: - Dabei geht es um den Versuch, zu verhindern, dass eine breite und vielfältige Gruppe in eine Schublade gesteckt wird.

Emotionen ansprechen: - Vorurteile lassen sich oft nicht allein durch Informationen entkräften. Es sind meistens Emotionen, die aus jemandem sprechen, der sich in Vorurteilen und Stammtischparolen äußert. Deswegen ist es wichtig, diese Emotionen zu benennen.

Ich-Botschaften senden und Gefühle äußern: - Eigene Gefühle dürfen zum Ausdruck gebracht werden, um sich deutlich von der Aussage des Gegenübers abzugrenzen.

Eigene Erfahrungen: - Wer selbst erlebte Situationen oder kleine Anekdoten erzählt, kann damit einer Stammtischparole entgegenwirken.

Unterstützung suchen: - Auch andere Personen können in das Gespräch miteinbezogen werden. Wenn einem selber die Worte fehlen, kann man sich so gegenseitig in seiner Argumentation unterstützen. Durch verschiedene Perspektiven verliert eine Stammtischparole ihren absoluten Charakter.

Die „weiche Wand“: - Wer nicht diskutieren möchte oder im negativen Sinne überwältigt von einer Parole ist, kann dies dem Gegenüber mitteilen. Die Wand ist „weich“, da trotz eines starken Gefühls der Ablehnung gewaltfrei kommuniziert werden soll.

Die gesamte Broschüre des sogenannten Tandem-Projektes ist zu finden unter www.demokrate-leben.de. Direkte Anregungen gibt es bei der Veranstaltung in Algermissen am Dienstag, 24. September, ab 19 Uhr im „Sofa“ an der Jahnstraße.

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