Niedersachsen

Das war 2019 – ein Jahr mit Auf- und Absteigern

Hannover - Bilanz zum Jahresende: Wer sind die Sieger und Verlierer 2019? Klar, dass Hannovers erster grüner Oberbürgermeister zu den Aufsteigern zählt.

Belit Onay (Grüne), Hannovers neuer Oberbürgermeister, steht mit der Amtskette im Rathaus. Foto: Sina Schuldt/dpa

Hannover - War 2019 ein gutes oder ein schlechtes Jahr? Die Antwort fällt nicht immer eindeutig aus, oft gibt es gleichermaßen Erfolge und Rückschläge. Doch für einige Prominente aus Niedersachsen und Bremen ging es in diesem Jahr nur in eine Richtung: Rauf oder runter. Die Auf- und Absteiger des Jahres aus Niedersachsen und Bremen im Überblick:

Aufsteiger

Belit Onay (38): -
Er nutzte die Gunst der hannoverschen Rathausaffäre und sorgte im Rathaus der Landeshauptstadt für einen Neuanfang. Rund 70 Jahre hatten dort immer SPD-Oberbürgermeister das Sagen. Onay wurde am 10. November zum Rathauschef gewählt, dem ersten mit Migrationshintergrund in einer Landeshauptstadt. Geboren ist er in Goslar im Harz – dies sei aber auch sein einziger Migrationshintergrund, sagt Onay, dessen Eltern aus der Türkei nach Deutschland gekommen waren. Bisher stand er als Landtagsabgeordneter der Grünen eher im Hintergrund.

Andreas Bovenschulte (54): -

Bis zur Jahresmitte war Bovenschulte noch Bürgermeister von Weye im Kreis Diepholz, seit dem 15. August ist er Regierungschef eines Bundeslandes. Das ist mal eine Karriere! Als früherer Vorsitzender der Bremer SPD war er zwar auch bisher in Politikerkreisen kein Unbekannter, sein steiler Aufstieg sucht aber seinesgleichen. Da spielt es auch keine Rolle, dass Bovenschulte an der Spitze einer rot-grün-roten Koalition und als Nachfolger von Carsten Sieling «nur» Regierungschef des kleinsten Bundeslandes ist.

Silvia Breher (46): -

Sie stammt aus dem Oldenburger Land, sitzt erst seit 2017 im Bundestag und gehört nun zur Spitze der Bundes-CDU. Am 22. November wurde Breher zur Vize-Parteichefin gewählt. Nach dem ungeschriebenen regionalen Proporz stand es der Niedersachsen-CDU zu, eine Nachfolgerin für die ebenfalls aus dem Bundesland stammende Ursula von der Leyen aufzustellen, die nun EU-Kommissionspräsidentin ist. Und auch eine Frau sollte es wieder sein. In der CDU freut man sich über ein neues, junges Gesicht ganz weit oben.

Yvette Gerner (52): -

Anfang Februar stand auf einmal der Name Yvette Gerner in den Schlagzeilen auf den Medienseiten. Was war passiert? Die bisherige ZDF-Journalistin wurde von einer Findungskommission als künftige Intendantin von Radio Bremen vorgeschlagen. Am 1. August war es dann so weit: Gerner, die in ihrer Heimatstadt Speyer 2002 erfolglos für die SPD in die Oberbürgermeister-Wahl ging, löste Jan Metzger an der Spitze der kleinsten ARD-Anstalt an, die nun erstmals von einer Frau geführt wird.

Marcel Eris (31): -

Den Mann aus Buxtehude kennt kaum jemand unter seinem bürgerlichen Namen. Anders, wenn von MontanaBlack die Rede ist. Auf der Videoplattform Youtube haben mehr als 1,9 Millionen Menschen seinen Kanal abonniert. Dort veröffentlicht MontanaBlack Videos aus seinem Alltag, spricht über sein Leben und zeigt und kommentiert Sequenzen der Videospiele, die er spielt. Sein Buch «Vom Junkie zum Youtuber» kletterte im April schnell auf Platz 1 der Sachbuch-Bestseller-Liste.

Anna Kebschull (46): -

Neben Belit Onay verkörpert Kebschull auf kommunalpolitischer Ebene den Aufschwung der Grünen. Am 16. Juni setzte sie sich bei der Landratswahl im Kreis Osnabrück gegen Amtsinhaber Michael Lübbersmann durch - dort, wo seit Kriegsende immer die CDU gewonnen hatte. Erstmals holten sich die niedersächsischen Grünen damit einen Landratsposten. Auch bundesweit sorgte Kebschull für einen Superlativ: Sie ist nach Parteiangaben die erste Frau mit grünem Parteibuch an der Spitze eines Landkreises.

Absteiger

Stefan Schostok (55): -

Zwar politisch schon angeschlagen durch die langwierige Rathausaffäre, doch (noch) als Oberbürgermeister ging Stefan Schostok in das Jahr 2019. Am Ende des Jahres muss er sich wegen schwerer Untreue vor dem Landgericht Hannover verantworten, seinen Oberbürgermeister-Posten gab er direkt nach der Anklage im April auf - für viele zu spät. Schostok soll über Gehaltszulagen für Spitzenbeamte Bescheid gewusst haben, ohne die Zahlungen zu stoppen. Nun befindet er sich mit Mitte 50 im vorzeitigen Ruhestand.

Hans-Dieter Kettwig (62): -

Der Enercon-Chef steht stellvertretend für den Niedergang der Windenergiebranche. Im Herbst kündigte Kettwig den Abbau von 3000 Stellen ab, betroffen vor allem die Standorte Aurich und Magdeburg. Als Grund nannte der Windkraftanlagen-Hersteller die Energiepolitik der Bundesregierung, die nach seiner Ansicht zu einem Einbruch des Markts für Windenergie geführt hat. Kettwig hält auch nichts von der angepeilten 1000-Meter-Abstandsregelung zwischen Windkraftanlagen und Wohnobjekten.

Jochen Beekhuis (42): -

Weil er sich in Internet-Chats diskriminierend über Frauen, Homosexuelle und dicke Menschen geäußert haben soll, geriet Jochen Beekhuis (SPD) auf das politische Abstellgleis. Er wurde aus der SPD und auch aus der Landtagsfraktion ausgeschlossen. Im Parlament sitzt der Ostfriese nun auf einem Einzelplatz in der letzten Reihe, auf Abstand zu den alten Genossen. Im Dezember scheiterte Beekhuis auch mit einem Vorstoß vor Gericht: Sein Antrag auf Unterlassungsbeschluss gegen Äußerungen anderer SPD-Politiker, er habe sich in den Chats diskriminierend geäußert, wurde abgelehnt.

Frank Magnitz (67): -

Auch der frühere Bremer AfD-Chef Frank Magnitz fiel 2019 parteiintern in Ungnade. Der AfD-Bundesvorstand will ihn wegen parteischädigenden Verhaltens für zwei Jahre für alle Parteiämter sperren. Magnitz ist sowohl Abgeordneter im Bundestag als auch in der Bremischen Bürgerschaft, das gefällt der Parteispitze nicht. Auch an den Jahresanfang hat Magnitz keine guten Erinnerungen: Im Januar wurde er von Unbekannten in Bremen überfallen und verletzt.

„Seute Deern“ (100): -

Das Bremerhavener Museumsschiff erlebte in diesem Jahr seinen Niedergang. Am 30. August geriet der historische Segler wegen eines Pumpenausfalls in Schräglage und sackte daraufhin im Alten Hafen auf Grund. Die Betroffenheit in Bremerhaven war groß, gilt das 1919 vom Stapel gelaufene Schiff doch als ein Wahrzeichen der Stadt. Zunächst hieß es, die „Seute Deern“ (“Süßes Mädchen“) müsse abgewrackt werden, nun besteht wieder etwas Hoffnung. Der Bund hat angekündigt, 46 Millionen Euro für einen Nachbau des Schiffs zur Verfügung zu stellen.

Martin Kind (75): -

Sportlich hatte der Mehrheitsgesellschafter von Hannover 96 für das Jahr 2019 drei große Ziele. Dass sein Club in der Bundesliga bleibt. Dass er eine Ausnahmegenehmigung von der sogenannten 50+1-Regel erhält und die Profifußball-Gesellschaft damit endgültig übernehmen darf. Und dass die Macht im Sportverein 96 bei «seinen» Mitstreitern bleibt. Nichts davon ist eingetreten. Nach dem Abstieg steckt Hannover 96 auch in der Zweiten Liga in einer Krise. Und der Mutterverein wird nun von Kind-Gegnern dominiert.

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