Soziale Landkarte

Gesundheit, Armut, Wohnen: Wie die Menschen in Hildesheims Stadtteilen leben

Hildesheim - Zum ersten Mal hat die Stadt Hildesheim statistische Informationen so zusammengefasst, dass man die soziale Lage in den einzelnen Stadtteilen sichtbar machen kann. Was das Sozialmonitoring künftig bewirken soll.

Blick auf Hildesheim von oben: Wie die Menschen in den einzelnen Stadtteilen leben, sollen nun soziale Daten zeigen. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Gibt es Kinderarmut in Hildesheim? Und wenn ja, wie viele Familien sind betroffen – und in welchen Stadtteilen ist die Quote am höchsten? Die Antwort ist eindeutig: in der Nordstadt, dort beträgt sie 60,9 Prozent. Der städtische Durchschnitt schwankt seit 2008 bei knapp unter 30 Prozent: „Auf hohem Niveau“. Nachzulesen auf Seite 41 des Berichtes über ein Sozialmonitoring der Stadt Hildesheim.

Erstmals wird im Sozialdezernat versucht, die Befindlichkeit der Menschen in Hildesheim möglichst kleinräumig abzubilden. Dazu hat ein Team von Sozialdezernent Malte Spitzer seit 2019 Daten zusammengefasst, die von verschiedenen Ämtern, auch vom Landkreis oder der Arbeitsverwaltung, zeigen, wie die Menschen in Hildesheim leben oder ob sie zum Beispiel Hilfe zum Lebensunterhalt benötigen.

Viele Alleinerziehende sind auf Hilfe angewiesen

Wie Alleinerziehende: 44 Prozent dieser Haushalte zählen zu sogenannten Bedarfsgemeinschaften. Die Väter oder Mütter, die ihre Kinder alleine erziehen, sind auf staatliche Hilfe angewiesen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Vermutlich sind es in der Regel Frauen, doch das geben die derzeitigen Daten noch nicht her, bestätigt Christoph Döring von der neuen Stabsstelle Sozialplanung auf Nachfrage aus dem Sozialausschuss. Dort hat die Verwaltung ihren Bericht am Dienstagabend vorgestellt. In der nächsten Woche ist er öffentlich zugänglich.

Soziale Landkarte von Hildesheim

„Wir stehen erst am Anfang unserer Erfassung“, sagt Spitzer. Aber der soll schon verteilt auf die Bereiche Demografie, Erwerbstätigkeit, Gesundheit, Armut, Wohnen sowie Bildung und Betreuung einen ersten Überblick über die Unterschiede in den einzelnen Stadtteilen Hildesheims liefern: eine soziale Landkarte sozusagen.

Deutlich werde dabei zum Beispiel auch, dass im Bereich Moritzberg/Bockfeld überdurchschnittlich viele ältere Menschen leben. „Doch passt dort auch die Infrastruktur?“, fragt Spitzer. Diese und weitere Fragen ergeben sich automatisch bei der Durchsicht des Berichtes zum Sozialmonitoring. Das Ziel ist, in Zukunft ein bis zwei Themen herauszunehmen und ausführlicher zu behandeln. Das kann auch „Einsamkeit“ sein. „Wir sind über jeden Hinweis dankbar“, betont Spitzer.

Regelmäßige Fokusthemen

Döring kommt von der HAWK und hat dort in einem Team bereits am ersten Sozialbericht Hildesheims mitgearbeitet. Auf der Grundlage soll nun in regelmäßigen Abständen weiterverfolgt werden, wie sich die Situation in Hildesheim künftig verändert. Oder anders gesagt: Ob sich politische Maßnahmen und Projekt auch auswirken – zumindest anhand von statistischen Daten.

Im Sozialausschuss wurde das Projekt mit Beifall quittiert. Als Vertreter der Freien Wohlfahrtsverbände fasste John Coughlan vom Caritasverband es in Worte: „Als Armutspraktiker freuen wir uns, dass wir zum ersten Mal eine Grundlage haben, auf der wir auch weitere Gespräche führen können.“

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