Hochwasser in Sarstedt: Feuerwehr übt für Ernstfall

- Was passiert, wenn es in Sarstedt erneut ein Hochwasser gibt? Auf eine solche Situation müssen sich die Einsatzkräfte der Feuerwehr vorbereiten. Das haben sie am Samstagmorgen mit einer Übung gemacht.

Wie reagieren wir bei einem Hochwasser? Diese Frage stellen sich Mitarbeiter von Bauhof, Feuerwehr und Technischem Hilfswerk am Samstagmorgen in Sarstedt. Foto: Sebastian Knoppik

Mitarbeiter von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und städtischem Bauhof haben am Samstag in Sarstedt die Arbeit mit dem mobilen Hochwasserschutz-System Aquariwa geübt. Dabei zeigte sich vor allem die deutliche Zeitersparnis des 80 000 Euro teuren Systems.

Nachdem die rund 45 Hilfskräfte am Samstagvormittag mit der Arbeit fertig waren, blickte Stadtbrandmeister Jens Klug in entspannte und fröhliche Gesichter. „Wenn wir Sandsäcke gefüllt haben, haben sie immer lange Gesichter gemacht“, sagt Klug. Und an diesem Unterschied lässt sich ganz gut der Vorteil des neuen Systems ablesen: „Wir sind effizienter, wir sind schneller und wir arbeiten personalschonender“, erklärt Klug.

System ersetzt 55 000 Sandsäcke

Insgesamt zehn Stunden hat es früher gedauert, die Sandsäcke zu füllen, zu transportieren und aus ihnen dann einen Schutzwall gegen das Hochwasser zu bauen. Außerdem mussten die Säcke noch für viel Geld entsorgt werden.

Das neue System hingegen ersetzt nach Berechnungen von Klug 55 000 Sandsäcke. Und ist deutlich schneller aufgebaut. Die Hilfskräfte haben dafür am Samstag etwa eine Stunde gebraucht. Außerdem ist die Arbeit deutlich weniger kräftezehrend als das Schleppen der schweren Sandsäcke.

Das System funktioniert folgendermaßen: Kunststoffbahnen werden so gebogen, dass daraus Tonnen entstehen. Diese Tonnen füllen die Einsatzkräfte dann mit einem großen Plastiksack, der wiederum mit Wasser gefüllt wird. Die nebeneinandergestellten Tonnen ergeben so einen großen Damm. Dieser wird zusätzlich noch mit einer Plane abgedeckt, die mit Sandsäcken beschwert wird. Ganz ohne Sandsäcke geht es also auch bei der neuen Methode nicht. Es sind aber eben nur deutlich weniger nötig.

54 Tonnen haben die Hilfskräfte am Sonnabend in der Wiesenstraße aufgestellt und damit einen Damm von 65 Metern Länge gebaut. Im Ernstfall würde der mobile Schutzwall nicht nur hier, sondern auch in der Holztorstraße hinter der Apotheke, am Brickelweg und in der Straße Vor den Furchen aufgestellt. Insgesamt entsteht dann ein Schutzwall aus 165 Tonnen mit einer Länge von 204 Metern.

Die Stadt Sarstedt hat das mobile Schutzsystem als Reaktion auf das letzte große Hochwasser im Jahr 2017 angeschafft und dafür nach Angaben von Bürgermeisterin Heike Brennecke rund 80 000 Euro investiert. Für die Übung war am Samstag eigens Jochen Wagner, der Geschäftsführer der Herstellerfirma aus Frankfurt am Main, nach Sarstedt gekommen. „Das System wird auch als Frankfurter Tonnen bezeichnet“, berichtet Wagner. Das liegt daran, dass es unter anderem vom langjährigen Leiter der Feuerwehr Frankfurt am Main, Reinhard Ries, entwickelt wurde.

Laut Wagner ist das System bereits in rund 60 Städten und Gemeinden deutschlandweit im Einsatz. Unter anderem auch in Hannover und in der Gemeinde Giesen. Andere Kommunen im Landkreis wie Bad Salzdetfurth, Holle, Diekholzen und auch die Stadt Hildesheim haben ebenfalls mobile Schutzanlagen gekauft, allerdings von anderen Herstellern.

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