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Die Nachfrage nach Wohnungen bleibt hoch

Die Immobilienpreise steigen, bezahlbarer Wohnraum wird immer knapper: Und die Corona-Krise hat durch Jobverluste oder weniger Einkommen die Problematik eher noch verschärft.

Viele Menschen haben durch die Corona-Krise das eigene Zuhause so richtig schätzen gelernt. Bezahlbarer Wohnraum ist jedoch gar nicht so einfach zu finden. ©iStock.com/evgenyatamanenko

Eine klare Definition von bezahlbarem Wohnraum gibt es nicht. Die EU spricht von einer Überbelastung, wenn Haushalte 40 Prozent und mehr ihres verfügbaren Einkommens für Miete und Mietnebenkosten aufwenden müssen.

Wohnraum in Deutschland ist vor allem dort teuer, wo zu wenig davon vorhanden ist. Laut der Studie „Wohnungsbedarfsmodell“ des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln) müssen bis 2030 341.000 neue Wohnungen pro Jahr gebaut werden, um den Bedarf auf dem Wohnungsmarkt zu decken.

Ein Interview mit Jens Mahnken, Vorstand Gemeinnützige Baugesellschaft Hildesheim (gbg), über die Corona-Krise, steigende Mieten und aktuelle Projekte.

Herr Mahnken, wie hat sich das Corona-Jahr 2020 auf die Gemeinnützige Baugesellschaft Hildesheim ausgewirkt?

Auch uns hat die Pandemie und damit das Jahr 2020 vor neue Herausforderungen gestellt. Nach einer anfänglichen Findungsphase hat sich aber schnell gezeigt, dass vieles auch auf Distanz realisierbar ist. Nach der Umstellung auf das mobile Arbeiten (Homeoffice) und den damit einhergehenden geänderten Servicezeiten haben wir uns entschieden, die Corona-Krise als Chance zu sehen, unsere Arbeitswelt bei der gbg neu zu organisieren.

Konkret bedeutet das mehr Flexibilität bei der Gestaltung von Arbeitszeit und -ort und das ganz ohne Einbußen bei der Servicequalität. Wir wollen die veränderten Arbeitsgewohnheiten in positive Energien lenken und die Digitalisierung mit voller Kraft vorantreiben. Alles in allem können wir somit sogar von positiven Auswirkungen sprechen.

Hat sich durch die besonderen Umstände des Jahres etwas auf dem Wohnungsmarkt in Hildesheim geändert?

Zunächst einmal: Glücklicherweise hatten wir bei unseren privaten Mieterinnen und Mietern nicht mit einschneidenden Mietausfällen zu kämpfen. Etwas anders sah es bei einigen Gewerbemietverhältnissen aus. Aber im offenen Dialog lassen sich immer Lösungen finden. Das setzt einen vertrauensvollen und partnerschaftlichen Umgang zwischen Mieter und Vermieter voraus. Damit unsere Kunden keine zusätzlichen finanziellen Belastungen ertragen müssen, haben wir bis heute auf Mieterhöhungen verzichtet.

Grundsätzlich jedoch ist die Nachfrage nach bezahlbaren Wohnungen in allen Größen ungebrochen und die Fluktuationsrate niedrig, beziehungsweise liegen die Wohnungsleerstände nahe Null.  Wir sprechen derzeit von einer Vollvermietung. Darüber hinaus ist die Wertschätzung der eigenen Wohnung gestiegen; viele Menschen haben gerade durch die Krise das eigene Zuhause so richtig schätzen gelernt und konnten dieses bewusst genießen. Dennoch stellen wir auch fest, dass vielen Menschen allmählich „die Decke auf den Kopf fällt“ und sie gern mal wieder Restaurants, Kneipen, Theater, Kino oder Sport- und Kulturveranstaltungen besuchen wollen. Übrigens alles Dinge, die in unserer Stadt mit der Unterstützung der gbg stattfinden können.

Immer wieder wird geklagt, dass die Mieten zu stark steigen. Und wenn gebaut wird, dann immer schicker und immer teurer – so auch in Hildesheim. Was sagen Sie zu solchen Aussagen?

Fakt ist, dass die Ansprüche an den modernen Wohnungsbau gestiegen sind. Hohe Energiestandards, Brandschutzauflagen, neue Technologien, Tiefgaragen und steigende Baunebenkosten sind die Preistreiber im Neubau. Dazu kommen teure Grundstücke und der Aufwand für das Herrichten von Spiel- und Außenanlagen. Insgesamt sind die Neubaukosten in den letzten Jahren um mehr als 20 Prozent gestiegen. Das wirkt sich natürlich auf die Neubaumieten aus und hat erstmal nichts mit einer modernen Architektur zu tun. Um preiswerte Neubauwohnungen zu schaffen, müssen die Förderprogramme und Richtlinien geändert werden. Daran arbeiten die Wohnungsverbände gerade auch in Niedersachsen mit großer Unterstützung der kommunalen Wohnungsbaugesellschaften.

Die gbg ist eine Tochtergesellschaft der Stadt Hildesheim. Gerade von dieser wird erwartet, dass sie bezahlbaren Wohnraum schafft und anbietet.

Das kann man auch mit Recht erwarten. Und wir tun das im Rahmen unserer Kapazitäten und wirtschaftlichen Möglichkeiten. Dabei verzichten wir ganz klar auf Rendite. Wir liegen unter den Vergleichsmieten in Hildesheim und sind Regulator der Wohnungsmieten in der Stadt. Und speziell für Hildesheim kann ich sagen, dass die gbg gerade im Neubaubereich in den letzten Jahren sehr viele Wohnungen geschaffen hat, die im bezahlbaren Rahmen liegen. Somit kommen wir unserem Auftrag, bezahlbare Wohnungen zu schaffen, nach. Dabei schauen wir immer, dass wir einen Mix aus frei finanziertem Wohnraum und öffentlich geförderten Sozialwohnungen anbieten können. Für die kommenden Jahre haben wir in verschiedenen Stadtteilen rund 150 weitere Neubauwohnungen in Planung.

Können Sie konkrete Vorhaben nennen, bei denen bezahlbarer Wohnraum entsteht?

Derzeit erweitern wir unsere fast 500 öffentlich geförderten Wohnungen auf der Marienburger Höhe; dort bauen wir in der Stralsunder Straße 16 weitere Sozialwohnungen. Im Ostend entsteht darüber hinaus ein Gebäude mit 57 Mietwohnungen, von denen 21 für Menschen mit B-Schein reserviert sind. Und auch am Moritzberg, in der Pippelsburg, kommen in einem weiteren Neubau noch einmal 20 Sozialwohnungen hinzu.

Bietet die gbg auch spezielle Lösungen für ältere Menschen, die andere Ansprüche an das Wohnen haben?

Wir engagieren uns seit Jahren beim Thema altersgerechtes Wohnen. Nicht nur im Neubau, sondern auch in unseren Bestandshäusern, unter anderem mit barrierefreien modernisierten Wohnungen und dem nachträglichen Einbau von Aufzügen; übrigens ganz aktuell auch in Drispenstedt. Wir bieten als einziger Anbieter in der Stadt Neubauwohnungen für das „Gemeinschaftliche Wohnen im Alter“ zur Miete an. Und wir bauen im nächsten Jahr unsere dritte Service-Wohnanlage „gbg-ServiceWohnen“ am Ostend. Das Konzept für diese betreute Wohnform mit ambulanter Pflegedienstleistung funktioniert seit Jahren so gut, dass wir für die bestehenden Anlagen in Drispenstedt und in Ochtersum lange Wartelisten haben.

Was haben Sie für die kommenden Jahre auf der Agenda?

Die gbg hat bis zum Jahr 2026 für die Pflege der Wohnungsbestände sowie für Neubau- und Modernisierungsprojekte ein Investitionsprogramm von 60 bis 70 Millionen Euro fest eingeplant. Darüber hinaus beschäftigen wir uns in unserer Großwohnsiedlung in Drispenstedt mit neuen Projekten zum Thema Klimaschutz und Nahversorgung. Und ein ganz großes Thema bleibt auch die Frage nach neuen Mobilitätskonzepten in unseren Wohnquartieren. Hier arbeiten wir in enger Kooperation mit der EVI und der SVHI an neuen Konzepten für unsere Mieterinnen und Mieter. Wohnen und Mobilität werden zukünftig untrennbar sein.

Apropos Wohnen und Mobilität. Wie sieht es denn mit dem e-Car-Sharing-Angebot aus? Wird das angenommen?

„Durchaus. Das Pilotprojekt in unseren Häusern in der Pippelsburg ist sehr gut angelaufen. Die ersten Auswertungen der Buchungen seit dem Start des e-Carsharing-Projektes belegen, dass die Mieterinnen und Mieter bereits mehrere tausend Kilometer mit den bereitgestellten elektrischen Fahrzeugen unterwegs waren. So nutzten im Startmonat bereits 20 gbg-Kunden die Fahrzeuge. Nach und nach steigerte sich die Zahl der Nutzer auf zuletzt 27 Mieterinnen und Mieter, die gern das Angebot wahrnehmen. Für das letzte Quartal liegen noch keine Zahlen vor. Aber die Entwicklung der geteilten E-Mobilität lässt hoffen. Ich bin überzeugt, dass wir da auf dem richtigen Weg in die Zukunft sind.


Weitere Informationen zur gbg gibt es hier.

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