Beleuchtete Botschaften

Die Nordstadt sendet Lichtsignale – für die Rechte der Menschen

Hildesheim - Nein, die Kirche der Martin-Luther-Gemeinde wird nicht adventlich, sondern politisch bestrahlt – mit entsprechenden Botschaften: Was es damit auf sich hat.

Pastor Lutz Krügener vor der Martin-Luther-Kirche in der Nordstadt: Dort werden jeden Monat politische Themen „ins Licht gerückt". Foto: Julia Moras

Hildesheim - Dass eine Kirche leuchtet oder gar bestrahlt wird, ist gerade in der Adventszeit nichts Ungewöhnliches. Außer in der Nordstadt von Hildesheim. Dort wird bis März 2022 jeden Monat an einem bestimmten Tag die Martin-Luther-Kirche angestrahlt, um ein politisches Signal zu senden. Am Freitag, 10. Dezember, zum internationalen Tag der Menschenrechte.

Die Idee dazu ist zunächst in einem kleinen Kreis von Aktiven in der Nordstadt geboren worden, erzählt Lutz Krügener, Pastor der Martin-Luther-Gemeinde. Wobei ihm dabei sicherlich eine tragende Rolle zukommt, denn er war lange Zeit für die evangelische Landeskirche für die Friedensarbeit zuständig.

Kirche als Leinwandfläche

Mit im Boot sind aber auch der Stadtteilverein Nordstadt, das Stadtteilbüro, das Theaterpädagogische Zentrum, die Walter-Gropius- und die Geschwister-Scholl-Schule und die Türkisch-Islamische Gemeinde zu Hildesheim. Eine bunte Mischung also, aber alles Akteure, die im Stadtteil schon viele gemeinsame Events auf den Weg gebracht haben.

Idealerweise bietet sich bei der Aktion „Ins Licht gerückt“ mit seinen fünf monatlichen Terminen die Fassade der trutzig wirkenden Martin-Luther-Kirche als Projektionsfläche an, sagt Krügener: „In dem Punkt waren wir uns alle schnell einig.“

Jeder Mahntag mit eigener Farbe

Am 25. November leuchtete die Fassade in Orange zum Tag gegen Gewalt an Frauen, am 10. Dezember in Uno-Blau, am 27. Januar, dem Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, in Gelb, am 12. Februar, am Red Hand Day, in Rot. Dann wird darauf aufmerksam gemacht, dass Kinder in vielen Ländern als Soldaten eingesetzt werden. Und der Abschluss der Aktion ist am 21. März, dem Internationalen Tag gegen Rassismus, an dem die Kirche in die Regenbogenfarben getaucht wird.

„Das Licht allein reicht nicht“, sagt Krügener, sonst würden die Leute denken, es habe etwas mit den Lichtungen zu tun: „Wir wollen eine Botschaft sichtbar machen.“ Und deswegen werden auch Bilder und Schriftzüge auf die Fassade projiziert. Für die Aktion zu den Menschenrechten hat sich die Klasse von Elena Gilians an der Walter-Gropius-Schule vorbereitet. Der Lichtkünstler Sönke Franz setzt die Ergebnisse als Präsentations-Show technisch um. Und um 18.30 Uhr wird Krügener das Wort ergreifen und zum Thema „Mensch wehr dich! Du hast Rechte!“ sprechen.

Mehr als nur Licht – auch Aktionen

Der Pastor bezieht sich dabei auf die Jesus-Aussage im Neuen Testament, wer auf die rechte Wange geschlagen wird, soll auch die linke hinhalten. „Das hat nichts mit Erdulden, sondern mit Widerstand zu tun“, sagt Krügener. Widerstand gegen Unrecht – ohne dabei zum Rechtsbrecher zu werden, betont er ausdrücklich.

Finanzielle Unterstützung gibt es von der Landeskirche, dem Kirchenkreis und einer Friedensstiftung. Und das Interesse an der Aktion schlägt mittlerweile erste Wellen: „Die Michaelisgemeinde hat bei uns angerufen, ob man nächstes Jahr bei der Aktion zusammenarbeiten könne.“

  • Hildesheim
  • Hildesheim
Anmerkung zum Artikel

Sie haben einen Fehler im Artikel gefunden? Oder haben Sie weitere Informationen zu dem Thema für uns? Dann teilen Sie uns diese gerne mit.

Weitere Artikel