Abschied im Hildesheimer Südkreis

Er hat Grass und Quadflieg nach Lamspringe gelockt

Lamspringe - Kulturelles Aushängeschild der Region: die Reihe „Lamspringer September“ – Leiter Hans Joachim Lehmann gibt Vereinsvorsitz ab. Und so heißt sein Nachfolger.

32 Jahre hat Hans-Joachim Lehmann den „Lamspringer September“ geleitet. Foto: Jürgen Zimmat

Lamspringe - Schweren Herzens geht der „September-Mann“: Hans Joachim Lehmann gibt nach langen Jahren den Vorsitz in der Lamspringer September-Gesellschaft ab. Uwe Bestian-Lehmann wurde zu seinem Nachfolger gewählt.

1989 der erste „Lamspringer September“

Mit dem ersten Lamspringer Bildhauer-Symposium im Klostergarten, das Ernst August Quensen 1984 in Abstimmung mit dem Gemeinderat organisierte, fing alles an. Quensen entwickelte und forcierte die Idee, eine zeitgemäße Kulturinitiative auf professionellem Niveau zu schaffen. So fand im Jahr 1989 der erste „Lamspringer September“ statt.

Frei nach Goethes Erkenntnis „Alles, was uns imponieren will, muss Charakter haben“ war gleich im ersten Jahr kein geringerer als Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass der erste Literat, der im Abtsaal des Klosters mit einer Autorenlesung die Gäste faszinierte.

Regensburger Domspatzen nach Lamspringe geholt

Lehmann hat in all den Jahren den Lamspringer September maßgeblich geprägt. Zu Beginn noch „beobachtend, begleitend“, so Lehmann, folgte dann „der richtige aktive Einstand 1990, als ich die Regensburger Domspatzen, nach einem Konzert in der Münchner Philharmonie, das erste Mal nach Lamspringe holte“.

Die Anfänge seien schwierig gewesen, zum Beispiel gab es nur wenige Verkaufsstellen. Da es keine nummerierten Plätze gab, reisten die Zuschauer immer sehr früh an, um gute Plätze zu ergattern. Im Schafstall gab es noch keine Stühle, die Besucher saßen auf Bierzeltbänken, die auf dem Naturboden standen. Die selbstgebaute Bühne musste nach den Veranstaltungen wieder abgebaut werden, damit der örtliche Reitverein die Halle dann wieder als Reithalle nutzen konnte.

Will Quadflieg und seine Hotelwünsche

Es gab immer wieder nette Begegnungen mit den Künstlern, so wie mit Will Quadflieg, der 1993 zu Gast war, erinnert sich Lehmann: „Laut Vertrag wurde ein 4-Sterne-Hotel verlangt und ich habe ein Zimmer im Relexa reserviert. Ich habe ihn vom Bahnhof in Göttingen abgeholt. Er war auf dem Bahnsteig nicht zu übersehen, ein Mann von hünenhafter Gestalt mit einem großen Hut. Auf der Fahrt zum Hotel fragte er, wo er denn untergebracht sei. Ich erzählte ihm das und seine Reaktion war heftig und überraschend für mich. Er würde da auf keinen Fall schlafen, er wolle in Lamspringe bleiben wollen. Meine Einwände, dass es nur ein einfaches Hotel sei, ließ er nicht gelten. Er meinte, es müsse nur ein Fernseher im Zimmer sein, er wolle die Sportschau sehen. Daraufhin habe ich im Hotel Lindenhof ein Zimmer geordert.“ Und dort, so Lehmann weiter, sei es nach dem Auftritt ein sehr netter Abend mit einigen Gläsern Rotwein geworden.

Kulturelle Aushängeschild der Region

1994 entstand die bis heute aktive „Lamspringer September-Gesellschaft e. V.“. Künstler wie Hermann Prey, Ephraim Kishon, Bill Ramsey, Tom Pauls, Wladimir Kaminer und Hanns-Dieter Hüsch gaben sich die Ehre. „Noch heute verbindet mich mit dem Leiter des Montanara Chors eine jahrelange Brieffreundschaft“, berichtet Lehmann stolz. So wurde der Lamspringer September „das kulturelle Aushängeschild der Region“, wie erst kürzlich die Erste Kreisrätin Evelin Wißmann bestätigte.

„Es war und ist mit sehr viel Arbeit verbunden und jedes Jahr auch eine finanzielle Herausforderung. Aber ich würde es immer wieder machen. Wir können stolz darauf sein, etwas so Großartiges für Lamspringe und die Region auf den Weg gebracht zu haben“, so Lehmanns Resümee. Für seine besonderen Verdienste, für sein jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement für das Sozialwesen und Gemeinwohl, bekam er vor acht Jahren das Bundesverdienstkreuz.

Neuer Ehrenvorsitzender

„Wenn die Besucher und die Künstler glücklich und zufrieden waren, dann war ich es auch“, sagt Hans Joachim Lehmann. Der Verein hat den 81-Jährigen zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

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