Neue Betrugsmasche

Falscher Polizist plus falsche Tochter: Duo im Kreis Hildesheim festgenommen

Alfeld/Kreis Hildesheim - Sie kombinierten zwei Betrugsmaschen, doch das angerufene Opfer im Kreis Hildesheim schöpfte Verdacht: Wie die Polizei zwei mutmaßliche Täter stellte.

In Nordrhein-Westfalen warnt die Polizei mit diesem Plakat vor Anrufen falscher Beamter. Auch im Kreis Hildesheim gibt es wieder einen aktuellen Fall – und eine Festnahme. Foto: Martin Gerten/dpa

Alfeld/Kreis Hildesheim - Die Polizei hat im Raum Alfeld ein Duo festgenommen, das offenbar versucht hatte, einen Mann aus demselben Ort mit einer neuen Mischung von zwei verbreiteten Betrugsmaschen übers Ohr zu hauen und ihm Geld abzunehmen. Eine 37-Jährige und ein 65-Jähriger täuschten dabei den Anruf eines angeblichen Polizisten vor und vermischten das Ganze mit dem Vorgehen, das unter dem Etikett „Enkeltrick“ bekannt und verbreitet ist. Doch der Angerufene, ebenfalls 65, schöpfte Verdacht und informierte die Polizei. Die erwartete die Betrüger dann schon, als sie zur telefonisch vereinbarten Geldübergabe kamen.

Weinerliche Stimme

Der Betrug lief folgendermaßen ab: Der 65-jährige Verdächtige gab sich als Polizist aus und den Hörer an die 37-Jährige weiter, die dann behauptete, die Tochter des Angerufenen zu sein. Mit weinerlicher Stimme berichtete sie, bei einem Autounfall eine Frau getötet zu haben. Nun brauche sie eine Kaution in Höhe einer hohen fünfstelligen Summe, sonst werde sie inhaftiert. Der Angerufene ging zunächst darauf ein und erklärte der vermeintlichen Tochter, ihr nur einen Teil der Summe geben zu können. Die weibliche Stimme am Telefon kündigte daraufhin an, eine Frau werde das Geld für sie abholen – sie selbst sei ja bei der Polizei und könne nicht selbst kommen. Alles klang plausibel. Offenbar kannten die Anrufer ihr Opfer und wussten, ob er eine Tochter hatte. Als das Gespräch beendet war, bekam der Alfelder dann doch Zweifel und vertraute sich einem Nachbarn an. Der riet ihm, den Kontakt zur Polizei zu suchen – der war dann schnell klar, dass es sich um einen Betrug handelte.

Meist bleibt es beim Versuch

Dass es in solchen Fällen zu einer Festnahme kommt, ist selten. Immerhin, meistens haben die Betrüger auch gar keinen Erfolg. Die Polizeidirektion Göttingen, zu der auch die Hildesheimer Polizeiinspektion gehört, weist anlässlich des aktuellen Falles auf die Zahlen aus dem vergangenen Jahr hin: 2020 gab es im Bereich der Direktion, zu der neben Göttingen und Hildesheim auch noch die Inspektionen Northeim/Osterode, Hameln-Pyrmont und Nienburg/Schaumburg gehören, 1302 angezeigte Betrugsdelikte durch falsche Polizeibeamte – in 1201 Fällen blieb es beim Versuch. Die 101 Taten, bei denen die Anrufer an Geld kamen richteten allerdings auch eine Menge Schaden an – zusammengerechnet etwa 560 000 Euro.

279 Fälle in Stadt und Kreis Hildesheim im vergangenen Jahr

In Stadt und Landkreis Hildesheim wurden allein 279 Delikte der Masche „Falscher Polizeibeamter“ angezeigt. Die Gesamtzahl ähnlicher Betrugsdelikte, Trickdiebstähle und Täuschungen stieg in und um Hildesheim gegenüber dem Vorjahr stark an: um 372 auf 1076 Fälle. Die Dunkelziffer der Betrugsversuche ist wahrscheinlich hoch: Viele Taten werden nicht angezeigt, weil die Angerufenen die Maschen der Betrüger durchschauen und nicht auf sie eingehen.

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