Für 2G plus ist Alfeld kaum gewappnet

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Foto: Thomas Jahns

Kostenlose Angebote für Bürgertests sind in der Stadt rar, die Kapazitäten am Anschlag

Von Jan Linkersdörfer

Alfeld. Ab morgen gilt im Landkreis Hildesheim in fast allen Bereichen des öffentlichen Lebens die 2-G-Plus-Regel. Hotel, Restaurant, Fitnessstudio, Kino, Theater, Konzerte und Weihnachtsmärkte: Wer diese Orte besuchen möchte, muss gegen Corona geimpft oder genesen und zusätzlich auch tagesaktuell getestet sein und ein Zertifikat vorlegen können. Alfelder könnte das vor echte Probleme stellen. Denn in der Leinestadt gibt es nur wenige offizielle Teststellen, in denen die kostenlosen Bürgertests angeboten werden.

Und deren Kapazitäten sind begrenzt. Lediglich die Johanniter testen aktuell kostenlos im La Patria an der Winzenburger Straße, freitags von 17 bis 18.30 Uhr und samstags von 10 bis 12 Uhr – allerdings nur mit Termin. Und Termine sind rar, der nächste freie wäre erst am 10. Dezember.

In der 7-Berge-Apotheke kostet ein Corona-Antigen-Test inklusive Zertifikat zehn Euro. Warum gibt es sie dort nicht kostenlos? „Wir sind keine offizielle Teststelle“, sagt Inhaberin Nicole Behrens gegenüber der AZ. Zwar könnte sich die Apotheke als solche zertifizieren lassen und den kostenlosen Bürgertest anbieten, aber: „Dafür fehlt uns das Personal. Außerdem müssten wir teure Schulungen absolvieren, Schutzkleidung tragen und regelmäßig wechseln und einen separaten Raum haben.“ Für eine Apotheke sei das nur schwer machbar. Und weil sie keine offizielle Teststelle betreibt, könne sie die Tests eben auch bei keiner offiziellen Stelle abrechnen, so Behrens.

„Wir müssen unsere Tests teuer einkaufen, die Preise steigen aktuell wieder.“ Grund seien Lieferprobleme in China, wo der Großteil der Antigen-Tests hergestellt werde. Und: „Großkonzerne kaufen gerade die Märkte leer, damit sie ihre Produktionen am Laufen halten können“, so Behrens. Die Knappheit macht sich auch in den Supermärkten bemerkbar: Wo Tests zwischenzeitlich für weniger als einen Euro zu haben waren, kosten sie jetzt teilweise das Dreifache oder sind ausverkauft.

Mit Sorge blickt Behrens auf den morgigen Mittwoch, wenn die 2-G-Plus-Regel in Kraft tritt. „Dann bricht alles zusammen“, fürchtet sie. Schon jetzt seien die Testkapazitäten in Alfeld ausgereizt, ihr Personal am Rande der Kräfte. „Wir gehen schon auf dem Zahnfleisch und müssen uns dazu noch täglich beschimpfen lassen von unzufriedenen Kunden oder Corona-Leugnern. Unsere Nerven liegen blank.“ Ein Lichtblick sei jedoch, dass jüngst auch die Marien-Apotheke angefangen hat, zu testen.

Hoffnung macht indes auch das Unternehmen Kamedi aus Delligsen, eigentlich Spezialist für moderne Wundversorgung, das jetzt in die Bresche springen will. Wenn alles nach Plan läuft, eröffnet Kamedi am Mittwoch eine Corona-Teststelle im Alfelder Club Sound. „Die Genehmigung vom Kreisgesundheitsamt liegt vor“, sagt Geschäftsführerin Katharina Halfpap im AZ-Gespräch. Mit an Bord sind die Pflegedienste Eldercare und Paland, die die Organisation tatkräftig unterstützen und Personal zur Verfügung stellen.

Im Sound werden nur Antigen-Schnelltests angeboten, keine PCR-Tests. Spontanbesuche sind nicht möglich, getestet wird nur, wer vorher einen Termin über die Internetseite www.kamedi.eu bucht. Erst einmal öffnet die Teststelle wochentags von 12 bis 16 Uhr. Am Wochenende sind die Nachmittage angepeilt, Details sollen in Kürze auf der Internetseite veröffentlicht werden.

Kamedi betreibt bereits eine Teststelle in Grünenplan. „Wir sind alles Pflegerinnen oder Krankenschwestern, die nebenbei noch einen Vollzeitjob haben.“ So kurzfristig ein weiteres Testzentrum zu eröffnen, sei für alle Beteiligten eine Herausforderung. Aber: „Wir sind gut aufgestellt“, gibt sich Halfpap optimistisch. In der kommenden Woche will das Unternehmen eine weitere Teststation in Freden einrichten.

Das Alfelder Ameos-Klinikum bietet aktuell nur PCR-Tests an: montags, mittwochs und freitags von 12 bis 13.30 Uhr (nach Überweisung von einem Hausarzt) und von 13.30 bis 14.30 Uhr (Selbstzahler).

Der Landkreis Hildesheim unterdessen betreibt keine eigenen Teststellen, er fungiert lediglich als Genehmigungsbehörde. „Leistungserbringer können auf Antrag beauftragt werden (ein Testzentrum zu eröffnen), wenn sie bestimmte Mindestanforderungen erfüllen“, schreibt die Kreispressestelle auf Nachfrage. Seit der Wiedereinführung des Anspruchs auf mindestens einen kostenlosen PoC-Antigen-Schnelltest pro Woche seien wieder vermehrt Anträge auf derartige Beauftragungen beim Gesundheitsamt des Landkreises Hildesheim eingegangen, erklärte die Pressestelle.

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