Coronavirus

Geld verdienen durch Angst vor Corona? Dieser Hildesheimer will da nicht mitmachen

Hildesheim - Weil Schutzutensilien knapp werden, ist deren Export nun verboten. Der Unternehmer Stefan Berndt hätte mit der Angst vor Corona Geld machen können – will es aber nicht.

Stefan Berndt, Inhaber des Unternehmens Berndt Gefahrgutausrüstung, in seinem Lager in der Hildesheimer Innenstadt. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Während sich Behörden und Mediziner bemühen, die Menschen angesichts der Ausbreitung des Coronavirus über mögliche Gefahren aufzuklären und zugleich dafür zu sorgen, dass niemand in Panik ausbricht, sehen manche in der neuartigen Lungenkrankheit Covid-19 vor allem: ein Geschäft.

Auf Amazon steigen die Wucherpreise weiter

Diverse Anbieter versuchen derzeit, mit der Angst Geld zu verdienen, indem sie Feinstaubfiltermasken und andere Schutzartikel zu völlig überzogenen Preisen anbieten. Gerade auf Onlineportalen wie Amazon und eBay übertreffen sich die Verkäufer in dreisten Forderungen, weil die Nachfrage extrem gestiegen und Nachschub knapp ist, verlangen sie ein Vielfaches vom regulären Verkaufswert. Wo man sonst manche Fünferpacks mit Masken der höheren Schutzklasse für 30 Euro bekommen konnte, verlangen manche Händler jetzt pro Stück horrende Summen: Die Forderungen reichen vereinzelt bis zu 200 Euro und mehr. Auf Amazon schreibt ein Kunde unter solch einem Wucher-Inserat: „Ich könnte im Strahl k..., wenn ich sehe, das sich Leute am Leid oder der Angst anderer Leute reich machen wollen! Schämt euch!!!“



Das mit dem Strahl lässt Stefan Berndt weg, aber inhaltlich liegt der Inhaber des Hildesheimer Unternehmens Berndt Gefahrgutausrüstung durchaus mit dem Amazon-Nutzer auf einer Line: Er hält nichts davon, mit den Sorgen der Bevölkerung Kohle zu machen – und ist deswegen aus dem Handel mit Feinstaubfiltermasken der Klassen FFP2 und FFP3 sowie Einweg-Overalls ausgestiegen.

„Es ist unmoralisch an der Angst verdienen zu wollen“

Nun liefen diese Posten im Angebot des Unternehmens bislang eher nebenbei mit, da Berndts Geschäft nicht auf private Endkunden, sondern auf die professionelle Fahrzeug- und Personen-Ausrüstung von Speditionen ausgerichtet ist. Und der Inhaber muss finanziell nicht groß bluten, wenn er nun den Masken-Verkauf einstellt – doch als Zeichen ist es ihm wichtig. „Es ist unmoralisch, an der Angst der Leute verdienen zu wollen!“, sagt er klipp und klar.

Schon Anfang des Jahres liefen bei ihm wegen der Corona-Verbreitung immer mehr Bestellungen auf. Als er dann Masken und Overalls nachordern wollte, erlebte er eine Überraschung. „Einer unserer langjährigen Vorlieferanten hat kurzerhand die Preise um über 22 Prozent erhöht. Wer solche Geschäftspartner hat, braucht keine Feinde!“, ärgert sich Berndt. „Es kann und darf nicht in unserem Interesse liegen, mit der Angst der Bevölkerung hier bessere Ergebnisse erzielen zu wollen.“

Der Entschluss des Unternehmers stand fest: Seine Firma wird weder Masken noch Overalls für den Einzelverkauf nachordern, im Gefahrgut-Online-Shop finden Kunden bei den entsprechenden Produkten inzwischen den deutlichen Hinweis: Ausverkauft.

„Gründlich Hände waschen – dann ist viel gewonnen“

Weil die Schutzutensilien inzwischen überall Mangelware sind und die zumeist in China sitzenden Produzenten wegen der Corona-Krise im eigenen Land nicht nachliefern können, hat die Bundesregierung am Mittwoch sogar ein Exportverbot für diverse Artikel verhängt, um zumindest die internationale Geschäftemacherei zu beschränken – und vor allem die Versorgung in Deutschland zu sichern. Zu den mit dem Export-Bann belegten Utensilien zählen Schutzbrillen und Visiere, Gesichtsschutzschilde aus klarem Kunststoff, Atemmasken, Schutzkittel, Schutzanzüge und Handschuhe.

Die Nachfrage nach Vollschutzschirmen fürs Gesicht ist auch bei Stefan Berndt deutlich gestiegen – zu den Käufern zählen vor allem Ärzte, berichtet der Unternehmer. Dass die Ausstattung der Mediziner mit Schutzkleidung zurzeit ein ernstes Problem ist, darauf hatte kürzlich gegenüber der HAZ auch die Hildesheimer Ärztefunktionärin Petra Lattmann hingewiesen.

Wer Stefan Berndt nach seiner ganz persönlichen Meinung zum Thema Corona fragt, bekommt eine nüchterne Drei-Stufen-Antwort: „Die Leute sollten sich nicht verrückt machen, sich nur aus seriösen Quellen informieren und sich vor allem gründlich mit Seife die Hände waschen – dann ist schon viel gewonnen.“

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