Reaktionen der Beteiligten

Hildesheimer Weihnachtsmarkt: Wie die Beteiligten die Lage einschätzen – und was mit 2Gplus droht

Kreis Hildesheim - Der Hildesheimer Weihnachtsmarkt ist für etliche Menschen ein Lichtblick in Zeiten von Corona, doch gibt es auch deutliche Kritik. Wie Standbetreiber, Besucher und Veranstalter mit der Situation umgehen – und was 2Gplus für sie bedeuten würde.

Kreis Hildesheim - Jeden Tag steigt die Sieben-Tage-Inzidenz im Kreis Hildesheim auf einen neuen Rekordwert, auch die Zahl der derzeitigen Corona-Fälle ist so hoch wie nie – und unter diesen Umständen läuft der Weihnachtsmarkt in Hildesheim?

Schon vor dem Start wurde das Treiben kontrovers diskutiert: Geht es nach den Kritikern, gehört der Markt abgesagt – ja, er hätte gar nicht erst starten dürfen. Sie fragen sich: Halten sich viele Besucher und Besucherinnen an die Regeln? Tragen sie Masken? Können sie wirklich Impfungen nachweisen und haben sie immer ihr „Beweis-Bändchen“ am Handgelenk? Die Antwort der Schausteller, der Standbetreiberinnen und -Betreiber sowie des Stadtmarketings Hildesheim ist klar: Weitgehend ja. „Es gibt Ausnahmen“, räumt Anna van Wijk ein, seit 29 Jahren stets als Beschickerin dabei, die Poffertjes-Frau aus Diekholzen, die es 1988 aus den Niederlanden nach Hildesheim verschlug.

Die Leute sind sehr diszipliniert. Wenn einer kein Bändchen hat, dann holt er sich eben eins

Wolfgang Spiekermann, verkauft Rahmfladen auf dem Weihnachtsmarkt

Sie ist jeden Tag auf den Markt, so wie Wolfgang Spiekermann, der seit fast 30 Jahre dabei ist und Rahmfladen verkauft. „Es läuft ganz gut bei mir“, sagt der Mann. „Und die Leute sind sehr diszipliniert. Wenn einer kein Bändchen hat, dann holt er sich eben eins.“

Wie der Stadtmarketing-Chef die Lage sieht

Auch eigene Marktbesuche in den vergangenen Tagen lassen den Eindruck zu, dass sich die Leute meistens an die Regeln halten. „Haben Sie ein Bändchen?“ schallt es aus einer Bude. Und ein Ehepaar reckt die Arme der Verkäuferin zu, präsentiert gleich die Armbänder. Stadtmarketing-Geschäftsführer Fritz Ahrberg ist bislang zufrieden, dass das Sicherheitskonzept aufgeht, wie er meint. Dies werde selbstverständlich vom eigenen Personal, dem Stadtordnungsdienst und dem Gesundheitsamt stets kontrolliert. Wenn dann auch noch Polizisten über den Markt ihre Runden drehen, komme dies den Marktveranstaltern entgegen.



Was Ahrberg aber auch klar ist, dass manche die Corona-Regeln auf dem Markt anzweifeln. Deren Linie: Ja, gut, einer am Glühwein-Stand wird kontrolliert – aber was ist mit den anderen dreien in der Nähe, denen er Glühweinbecher weiterreicht. Darauf angesprochen betont Ahrberg nachdrücklich: „Jeder, der etwa verzehrt muss ein Bändchen tragen.“ Er ist sich sicher, man hat alles getan, um für die Sicherheit der Marktbesucher zu sorgen, um das Ereignis „verantwortbar“ zu machen – so etwa auch mit der Maskenpflicht, sofern man nicht gerade isst oder trinkt.

2Gplus ab kommender Woche?

Massive Probleme mit Maskenverweigerern wie in Hannover gibt es bislang in Hildesheim offenbar nicht. Zumindest bis jetzt. Bei Kontrollen unter der Woche hatten die Beamtinnen und Beamten noch viele auf die fehlende Maske ansprechen müssen, die sich dann aber durchgehend einsichtig zeigten. Gravierenden Fälle gebe es jedenfalls bislang nicht, so ein Sprecher am Samstag auf HAZ-Nachfrage.

Es macht doch keiner einen Test, bloß um eine Bratwurst zu kaufen. Dann können wir gleich abbauen

Wolfgang Spiekermann, Marktbeschicker

Womit die Veranstalter jedoch rechnen, das ist 2Gplus ab Mittwoch. Heißt: Man muss geimpft oder genesen sein und einen negativen Corona-Test vorweisen, sonst bleiben die Türen des sozialen Lebens vielerorts geschlossen – und man bekommt auf dem Weihnachtsmarkt noch nicht mal eine Wurst. Genau davor graut es Beschicker Spiekermann. „Es macht doch keiner einen Test, bloß um eine Bratwurst zu kaufen. Dann können wir gleich abbauen.“ Und so ähnlich dächten auch andere Standbetreiber, meint er.

Im Moment bleibt für Marktleute und ihr Publikum das Prinzip Hoffnung. Die Besucher jedenfalls nutzen die Gelegenheit, um vorweihnachtliches Flair als Abwechslung zur Corona-Tristesse um sich zu haben. So auch Brigitte und Manfred Gollek aus Schellerten. „Ich habe den Weihnachtsmarkt vermisst“, sagt Brigitte Gollek. Ihr Mann genießt den Glühwein, von 2Gplus auf dem Markt hält er allerdings nichts. „Das wäre übertrieben.“ – „Aber wenn’s der Sicherheit dient?“ fragt seine Frau.

Und was sagen die Besucher und Besucherinnen?

Kristin Hollenstein ist derweil mit einer Freundin auf dem Markt unterwegs. Sie fühlen sich dort sicher: „Wir sind geimpft.“ Die beiden wollen die Schausteller aus der Region mit ihren Besuch unterstützen. Ihre Devise: „Die leben doch davon.“

2Gplus wäre dem Markt nicht abträglich

Robin Peterke, Besucher

Auf der Lilie lassen es sich zwei junge Männer ebenfalls schmecken. „2Gplus wäre dem Markt nicht abträglich“, meint der Hildesheimer Robin Peterke, der mit Patrick Palte aus Gronau um die Buden zieht. Es sind schwierige Zeiten für den Weihnachtsmarkt, keine Frage: „Aber Hauptsache, dass es ihn noch gibt“, findet Plate. „Schön, dass man die Gesichter der Marktleute sieht, die man kennt“, sagt Peterke.

Zu denen gehört auch Ralf Gornhofer, der an Jochens Punschbar den Glühwein eingießt. Der 50-jährige Hildesheimer hat einen Herzenswunsch, er will am Mittwoch, 1. Dezember, erst im Rathaus heiraten – und dann an seinem Stand daneben darauf anstoßen. Aber ob das klappt?



Wolfgang du Carrois, Schausteller seit 1976, will derweil auf Kurs bleiben. „Klar bei 2Gplus wird es schwieriger. Aber wir müssen mit der Krise leben.“ Von der ganzen Situation dürfe man sich nicht „ins Bockshorn jagen lassen.“ Corona wird man nicht wieder los, denkt er. Und ja, fügt der Veteran unzähliger Rummel und Märkte hinzu, „es muss weitergehen.“