Unfreiwillig ungeimpft

Hildesheimerin in der Zwickmühle: Wegen ihrer Krankheit hat sie Angst vor Impffolgen

Hildesheim - Wer sich aus gesundheitlichen Gründen nicht gegen Corona impfen lassen kann, gerät durch die schärferen Regeln in eine Zwickmühle. Wie es einer 46-Jährigen aus dem Landkreis Hildesheim damit geht.

Viele Menschen haben immer noch Bedenken gegen eine Corona-Impfung - häufig aus Unkenntnis oder Angst. Foto: Chris Gossmann/Symboldbild

Hildesheim - Eigentlich wollte sich die 46-jährige Hildesheimerin schon längst gegen Corona impfen lassen. Doch weil bei ihr eine Autoimmun-Krankheit diagnostiziert ist, hat sie sich bislang noch nicht durchringen können. Auch, weil Ärzte ihr vor einer Impfung abgeraten hätten. Nun steckt sie in einer Zwickmühle: Ein negativer Corona-Test hilft ihr bei vielen Belangen im Alltag nicht mehr weiter.

Das Problem: zu wenige Thrombozyten – also Blutplättchen. Die normalen Referenzwerte liegen bei etwa 150 000 bis 400 000. Die Werte der 46-Jährigen bei 10 000 bis 15 000. Also deutlich niedriger. Und sie verändern sich nicht. „Die Patientin kann aufgrund ihre Vorerkrankung, sie leidet an einer idiopathischen Thrombozytopenie, keine Impfung gegen Covid erhalten“, attestiert die Hausärztin den Befund.

Keine Impfgegnerin

„Ich will nicht als Impfgegnerin gelten“, sagt die 46-Jährige in einem Gespräch mit der HAZ. Doch ihren Namen will sie nicht veröffentlicht sehen. Zu sehr befürchtet sie auf öffentliche Reaktionen und mögliche Beschimpfungen. „Mir wäre es lieber, wenn sich möglichst viele gegen Corona impfen lassen würden, damit sich die Lage für alle auf Dauer wieder verbessert“, sagt sie.

Nur bei ihr sei es eben nicht möglich – oder wie ihre Hausärztin es ihr gegenüber formuliert habe: „Ich muss mich selbst entscheiden, aber es ist eben Russisches Roulette.“ Sie hat wochenlang im Internet recherchiert, Kontakt mit anderen Ärzten aufgenommen, war auch bei der Beratung in einer Impfstation und hat unter anderem an die Firma Biontech geschrieben – aber eine befriedigende Antwort habe sie nicht erhalten, sagt sie.

Autoimmun-Krankheit als Kind

Diagnostiziert wurde die Autoimmun-Erkrankung Immunthrombozytopenie (ITP) bei ihr im Kindersalter von vier Jahren. Symptome sind sind häufige Blutungen, weil die Blutgerinnung beeinträchtigt ist. Sie verzichtet auf Medikamente und lässt aber ihre Blutwerte regelmäßig kontrollieren.

Sie erfreue sich „bester Gesundheit“, sagt die Frau: „Bekannte und Freunde wundern sich immer, wenn ich sage, dass ich nicht geimpft bin.“ Sie zähle zu den rund 30 Prozent der Patienten, die asymptomatisch sind: „Deswegen weiß ich auch nicht, was nach der Impfung passiert, ob sich meine niedrigen Werte vielleicht noch weiter verschlechtern“, sagt die 46-Jährige.

Verunsicherung ist gewachsen

Aber eigentlich spricht sie möglichst wenig über das Thema, will ihr Leben möglichst unauffällig gestalten. Sie meidet Kontakte und geht einkaufen, wenn weniger Menschen unterwegs sind.

Die Verunsicherung wächst bei medizinischen Auskünften, wie in einer Impfstation, in der sie von ihrer Krankheit berichtete: „Mir wurde empfohlen, auf bessere Werte bei den Thrombozyten zu warten. Doch diese Zeiten werden vermutlich für mich nicht mehr kommen.“

Warnhinweis für Impfstoff

Auf Anfrage der HAZ teilt Susanne Stöcker vom Paul Ehrlicher Institut mit, dass dessen Ausschuss für Risikobewertung aktuell internationale Meldungen zum Anlass nimmt, die Produktinformationen für die Impfstoffe Vaxzevira (AstraZeneca) sowie Janssen mit dem Hinweis zu aktualisieren, um ITP als „unerwünschte Wirkung mit unbekannter Häufigkeit aufzunehmen“. Außerdem „sollte vor der Impfung das Risiko der Entwicklung niedriger Blutplättchenwerte bedacht werden“.

Allerdings gebe es keinerlei Hinweise darauf, dass es „ein Risikosignal“ für die mRNA-Impfstoffe gebe. Das lässt sich auch den Informationen des Robert-Koch-Instituts zu ITP entnehmen. Doch bei der 46-Jährigen bleibt die Unsicherheit bestehen, wie ihr Körper tatsächlich auf eine Impfung reagieren wird. Schließlich hat sie von ihrer Hausärztin genau diese Sorge bestätigt bekommen.

Hoffen auf mehr Geimpfte

Aus ihrer Sicht bleibe ihr derzeit jedenfalls keine andere Wahl, als zu warten, bis sich genügend Menschen impfen lassen, um eine ausreichende Sicherheit für alle zu gewährleisten, wieder mit gelockerten Coronaregeln durch den Alltag zu kommen.

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