Ausbreitung des Coronavirus

Hildesheims Corona-Inzidenz fällt auf deutlich unter 200 – das wirft Fragen auf

Kreis Hildesheim - Der Kennwert stürzt auf 179,0 ab – doch viel spricht dafür, dass ein Faktor dabei verzögerte Fallmeldungen an das RKI sind. Ein Effekt, den es auch bundesweit gibt.

Muss das Hildesheimer Gesundheitsamt Rückstände aufholen? Das wäre eine Erklärung für das Ausmaß des Rückgangs der Corona-Inzidenz am Sonntag. Foto: Werner Kaiser

Kreis Hildesheim - Die Sieben-Tage-Inzidenz für Neuinfektionen mit dem Coronavirus ist am Sonntag im Landkreis Hildesheim so massiv gesunken, dass es Fragen nach der Seriosität der Zahlen aufwirft. Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete am Morgen einen Wert von 179,0. Am Samstag hatte die Inzidenz noch 221,4 betragen. Das RKI registrierte lediglich zwei neue Fälle. Am gleichen Tag der Vorwoche waren es 120, die nun aus der Wertung fallen.

Zwei statt 120 Fälle?

Weniger Fälle hatte es zwar auch schon in den vergangenen Tagen gegeben. Doch der Unterschied ist so massiv, dass schwer vorstellbar ist, dass die Daten der Realität entsprechen. Wahrscheinlicher ist, dass es zur Verzögerung bei der Meldung von Fällen vom Gesundheitsamt in Richtung RKI gekommen ist. Landrat Bernd Lynack hatte erst am Donnerstag eingeräumt, dass es Rückstände im Fallmanagement gebe – und angekündigt, diese würden kurzfristig aufgearbeitet. Die nächsten Tage dürften zeigen, ob die Lage sich tatsächlich so einschneidend verbessert hat oder ob das – wie in anderen Regionen Deutschlands auch – auf Meldeverzögerungen beruht.

Holzminden wieder unter 100

Bundesweit fiel die Inzidenz minimal von 442,7 auf 439,2. Ein Faktor auch dabei sind allerdings weiterhin Meldeverzögerungen: Hamburg und Bremen melden derzeit alle Fälle mit einem Tag Verzögerung, somit gehen de facto nur sechs Tage in die Wertung ein. Der Hotspot Sachsen sowie Rheinland-Pfalz melden derzeit die Mehrheit der Fälle verzögert an das RKI. Das verzerrt die Statistik nach unten. Die Inzidenz für Niedersachsen stieg minimal von 203,0 auf 203,5. Bei „Spitzenreiter“ Schleswig-Holstein fiel die Inzidenz von 148,9 auf 142,1.

In der Region Hannover stieg die Inzidenz weiter, nunmehr von 211,8 auf 218,8. Im Landkreis Holzminden fiel der Kennwert hingegen massiv von 132,5 auf 94,0, nachdem dort keine neuen Fälle registriert wurden. Holzminden hat damit die zweitbeste Inzidenz in Deutschland (nach Dithmarschen), trotzdem gilt ab Sonntag auch dort die Warnstufe 2.



In den meisten anderen Hildesheimer Nachbar-Landkreisen stiegen die Kennwerte am Sonntag. Im Einzelnen – Landkreis Peine: 206,9 statt 203,2. Landkreis Wolfenbüttel: 232,9 statt 234,6. Landkreis Hameln-Pyrmont: 203,3 statt 198,5. Landkreis Goslar: 146,3 statt 160,4. Landkreis Northeim: unverändert 180,6, und Stadt Salzgitter: unverändert 364,9. 

Thüringen kommt Sachsen näher

Den bundesweit höchsten Inzidenzwert weist weiter der Landkreis Mittelsachsen auf. Dort stieg der Kennwert auf 2208,5 (Vortag: 2143,8), obwohl auch dort derzeit immer mit einem Tag Verzögerung gemeldet wird – wie in mehreren Kreisen des Bundeslandes.

In ganz Sachsen fiel die amtliche Inzidenz leicht auf 1227,1 (Vortag: 1235,1). In Thüringen stieg der Kennwert auf den Höchstwert von 1036,7 (Vortag: 1026,5). Die dritthöchste Inzidenz weist Sachsen-Anhalt nach einem erneuten Anstieg mit 841,3 (Vortag: 832,7) auf.

Hospitalisierung sinkt weiter

Die Inzidenz bildet nach wie vor das aktuelle Infektionsgeschehen am zuverlässigsten ab. Wichtigster Corona-Indikator für Maßnahmen bleibt auch in der neuen Landesverordnung die sogenannte Hospitalisierungs-Inzidenz. Die Zahl zeigt auf, wie viele Menschen in Niedersachsen in den vergangenen sieben Tagen wegen einer Corona-Infektion ins Krankenhaus gekommen sind, umgerechnet auf 100 000 Einwohner.

Die Hospitalisierungs-Inzidenz für Niedersachsen sank am Sonntag erheblich von 6,7 auf 6,2. Der Grenzwert für die Warnstufe 3 liegt bei 9,0 und rückt in weitere Ferne, vielmehr rückt die Warnstufe 1 wieder in den Blick. Der Anteil der Corona-Patienten auf den Intensivstationen in Niedersachsen sank von 10,0 auf 9,9 Prozent der Kapazität.

Zum Vergleich: In Sachsen lag der Anteil der Corona-Infizierten unter den Intensivpatienten laut DIVI-Intensivregister am Sonntagmorgen bei 40,1 Prozent. In Thüringen sind es 35,3 Prozent, in Bayern 33,7.

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