FDP: „Hohn in den Ohren der Eltern“

Homeoffice: Land Niedersachsen gegen Steuervorteil

Hannover - In der Corona-Krise sind viele Menschen zu Heimarbeit gezwungen, besonders Eltern. Einen finanziellen Vorteil sollen sie nach dem Willen der Landesregierung aber nicht bekommen.

Mehrbelastung Homeoffice? Laut Ministerium würden so immerhin Kosten und Aufwand für beispielsweise die Fahrt zur Arbeit wegfallebn. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Hannover - In der Corona-Krise sind immer mehr Menschen zu Heimarbeit gezwungen. Das betrifft vor allem Eltern, weil Kindergärten und Schulen wochenlang geschlossen waren. Einen finanziellen Vorteil sollen sie nach dem Willen der Landesregierung dadurch aber nicht bekommen. Finanzminister Reinhold Hilbers (CDU) hat einer Steuervergünstigung für das Corona-Homeoffice jetzt eine Absage erteilt.

Absetzbar ja, aber mit Einschränkungen

Das Ministerium weist darauf hin, dass die Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer sowie die Kosten der Ausstattung in Ausnahmen bis zu einer Höhe von 1250 Euro im Jahr steuerlich abgesetzt werden können – auch wegen der Corona-Krise. Das kommt laut Ministerium aber nicht in Betracht, wenn die Beschäftigten aus persönlichen Gründen Heimarbeit machen – wie etwa für die Betreuung von Kindern. Personen im Homeoffice hätten letztlich gar keinen Mehraufwand, weil etwa die regelmäßigen Fahrtkosten für die tägliche Fahrt zur Arbeitsstelle entfielen, heißt es.

FDP fordert höhere Pauschale

Die FDP reagierte empört. „In den Ohren vieler Eltern muss die Absage der Landesregierung für eine Homeoffice-Pauschale wie Hohn klingen“, sagte FDP-Parlamentsgeschäftsführer Christian Grascha der Redaktion. Schulen und Kindergärten seien wochenlang geschlossen. Viele Eltern müssten zwei Jobs machen, ihren Beruf und die Betreuung beziehungsweise das Homeschooling ihrer Kinder.

Die FDP fordert, dass die Werbungskostenpauschale allen Arbeitnehmern, die Homeoffice machen, anerkannt wird. „Außerdem muss in so einer Situation die Pauschale endlich deutlich angehoben werden. Wir schlagen eine Verdoppelung auf 2500 Euro vor“, sagte Grascha. Zudem müsse der Begriff „Arbeitszimmer“ überarbeitet werden. Die Beschränkung auf ein isoliertes Zimmer entspreche nicht mehr der Lebenswirklichkeit vieler Menschen und sei „ziemlich anachronistisch.“

Text: Marco Seng

  • Hildesheim
Anmerkung zum Artikel

Sie haben einen Fehler im Artikel gefunden? Oder haben Sie weitere Informationen zu dem Thema für uns? Dann teilen Sie uns diese gerne mit.