Delta-Variante

Impfabstände wegen Delta verkürzen? Impfkommission prüft Argumente

Berlin - Zum Schutz vor der ansteckenderen Delta-Variante scheint es besonders wichtig zu sein, auch eine Zweitimpfung zu haben. Sollte man Erstgeimpften die zweite Dosis früher als bisher empfohlen verabreichen?

Sollten die Abstände zwischen den Coronaschutz-Impfungen verkürzt werden, um Menschen vor der Delta-Variante besser zu schützen? Darüber diskutieren aktuell Experten und Expertinnen. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Berlin - Angesichts der angenommenen Wichtigkeit vollständiger Impfserien zum Schutz vor der Delta-Variante des Coronavirus gibt es eine neue Diskussion um die Verkürzung der Impfabstände. Die Frage sei nicht trivial, teilte Thomas Mertens, der Leiter der Ständigen Impfkommission (Stiko), der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage mit. Es gebe verschiedene Pro- und Contra-Argumente, erklärte der Ulmer Virologe. „Wir versuchen derzeit die notwendige Evidenz zu schaffen.

Die Stiko empfiehlt bislang längere Zeitabstände zwischen den zwei Impfungen als es gemäß Zulassung der jeweiligen Impfstoffe möglich wäre. Das hat Gründe: Bei Astrazeneca etwa steigt die Wirksamkeit bei längerem Abstand. Zudem sprach die Impfstoffknappheit dafür, zunächst möglichst viele Menschen mit der Erstimpfung zu versorgen.



Lage bei Astrazeneca, Biontech und Moderna

Bei Astrazeneca lautet der bisherige Rat des Expertengremiums, zwölf Wochen zwischen erster und zweiter Dosis verstreichen zu lassen. Für die mRNA-Impfstoffe (Biontech/Pfizer und Moderna) beträgt der empfohlene Abstand sechs Wochen. Laut Zulassung wären schnellere Impfserien möglich: zwei Biontech-Spritzen im Abstand von drei Wochen, bei Moderna und Astrazeneca im Abstand von vier Wochen.

Beim Vektorimpfstoff von Astrazeneca gilt mittlerweile nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums, dass es Impfwilligen freisteht, den Abstand individuell mit Impfärztinnen und -ärzten im Rahmen des zugelassenen Zeitraums (vier bis zwölf Wochen) zu vereinbaren.



Chance zur Erstimpfung

Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) sagte am Donnerstag im „Morgenmagazin“ auf die Frage, ob die Abstände verkürzt werden sollten, um schneller Menschen vor Delta zu schützen: Die Herausforderung sei zunächst einmal, dass jeder – mit Ausnahme von Kindern unter 12 – eine Chance zur Erstimpfung bekomme. Bei der Zweitimpfung gehe es weniger um die Frage der Bequemlichkeit des Abstands, sondern mehr um die Wirksamkeit. „Wir wissen eben, dass ein gewisser Abstand die Wirksamkeit der Impfung verbessert.“ Er verneinte die Frage, ob eine Verkürzung der Rat der Stunde sei.

Der Immunologe Carsten Watzl schrieb auf Twitter auf eine entsprechende Frage eines Nutzers, dass man bei den aktuell niedrigen Infektionszahlen das lange Astrazenca-Impfintervall nutzen könne.



Zweitimpfung gegen Mutationen „dringend notwendig“

Der Virologe Christian Drosten weist schon länger darauf hin, dass gerade die erste Impfung gegen Delta noch nicht so viel hilft. Auch Watzl hatte der dpa kürzlich gesagt: „Die Zweitimpfung ist dringend notwendig, um auch die Mutanten gut abwehren zu können.“

„Die aktuellen Impfintervalle, insbesondere bei Biontech, zu verkürzen, macht natürlich Sinn, um möglichst schnell eine vollständige Impfwirkung zu erreichen“, erklärte der Vorstandschef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung Andreas Gassen. “Die maximale Spreizung der Impfintervalle bei Biontech hat ja lediglich im Mangel der Impfstoffe ihre Begründung.“

Fälle von Delta-Variante in Deutschland nehmen zu

Auch in Deutschland werden mittlerweile wachsende Anteile der in Indien entdeckten Delta-Variante verzeichnet. Die Fallzahlen durch die Mutante wachsen bislang aber nur relativ leicht, während der Trend bei den Ansteckungen durch die noch dominierende Mutante Alpha stärker zurückgeht. Perspektivisch wird damit gerechnet, dass Delta auch hier das Infektionsgeschehen dominieren wird.

Von Gisela Gross/dpa.

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