Ausbreitung des Coronavirus

Inzidenz in Niedersachsen erstmals über 400 – Hildesheim hat weiter Datenprobleme

Kreis Hildesheim - Der Landkreis meldet Zahlen für einen Tag nach, einer fehlt aber weiterhin. Bundesweit steigt die Inzidenz weiter, aber in zwei Krisenländern fällt sie am Samstag.

Wie viele positive Proben sind es wirklich? Im Landkreis Hildesheim sind die Corona-Daten derzeit nur eingeschränkt aussagekräftig. Foto: Werner Kaiser (Archiv)

Kreis Hildesheim - Die Sieben-Tage-Inzidenz für Neuinfektionen mit dem Coronavirus ist auch am Samstag im Kreis Hildesheim nicht aussagekräftig: Das Gesundheitsamt meldete dem Robert-Koch-Institut zwar die Infektionszahlen für Donnerstag nach, dafür fehlen nun die für Freitag. Damit ist der offizielle Wert von 264,4 (Freitag: 244,0) weiterhin nur eine Sechs-Tage-Inzidenz. Noch immer wirkt sich also ein Software-Problem nach einem Update des Meldeprogramms aus.

Bundesweit knapp unter 500

Bundesweit erreichte die Inzidenz den höchsten Wert seit Beginn der Pandemie in Deutschland. Das RKI gab ihn mit 497,1 an. Am Vortag hatte er noch bei 470,6 gelegen, das war bereits ein Höchstwert gewesen.



Die Inzidenz für Niedersachsen stieg von 380,8 auf 402,5 und damit erstmals über 400. Bestätigt sich die Beobachtung, dass die Omikron-Variante sich zwar schneller ausbreitet, aber im Verhältnis zur Fallzahl weniger Menschen ins Krankenhaus müssen, relativieren sich die hohen Zahlen allerdings.

Massiver Anstieg in Hannover

Ein Grund für den erneuten klaren Anstieg in Niedersachsen: In der Region Hannover stieg die Inzidenz nach einem leichten Rückgang am Freitag nun wieder massiv und ebenfalls erstmals über 400 – der Kennwert kletterte auf 402,9 (Vortag: 364,7). Die Region versucht mit Corona-Regeln, die über die Landesverordnung hinausgehen, gegenzusteuern. In fast allen anderen Hildesheimer Nachbarkreisen stiegen die Werte am Samstag zum Teil deutlich, nur in Wolfenbüttel fielen sie.

Im Einzelnen – Landkreis Peine: 374,4 statt 354,8. Landkreis Wolfenbüttel: 306,6 statt 315,8. Landkreis Hameln-Pyrmont: 289,4 statt 283,3. Landkreis Holzminden: 297,7 statt 264,9. Landkreis Goslar: 246,5 statt 228,7. Landkreis Northeim: unverändert 244,4, und Stadt Salzgitter: 563,2 statt 526,6.

Wende in Bremen?

Die höchste Inzidenz aller Landkreise in Deutschland hat nun der Berliner Bezirk Friedrichshain/Kreuzberg mit 1536,6. Im Stadtkreis Bremen fiel der Kennwert hingegen vom Höchststand 1536,3 am Freitag auf nunmehr 1481,0. Nun stellt sich mit Blick auf die nächsten Tage die Frage, ob Bremen den Höhepunkt der Omikron-Welle damit bereits erreicht hat. Werte über 1000 weisen weiterhin drei weitere Berliner Bezirke auf, zudem Delmenhorst mit 1085,1.

Den höchsten Inzidenzwert aller Bundesländer verzeichnet Bremen weiterhin (in diesem Fall inklusive Bremerhaven), doch auch hier ging der Kennwert etwas zurück, von 1427,2 auf 1378,4. Den zweithöchsten Inzidenzwert hat weiter Berlin mit nun 956,9 (Vortag: 949,8). Es folgen Hamburg nach erneut klarem Anstieg (737,7 statt 665,0) und Schleswig-Holstein, wo die Inzidenz wie in Bremen leicht zurückging (659,9 statt 664,9). Die bundesweit niedrigsten Inzidenzwerte haben weiter jene Länder, die im Dezember noch die größten Krisenherde waren: Thüringen mit 218,5 (Vortag: 228,4), Sachsen mit 228,7 (Vortag: 225,2), und Sachsen-Anhalt mit 267,5 (Vortag: 253,6), wo die Zahlen aber bereits seit einigen Tagen wieder etwas steigen.

Schon Wende im Osten?

In diesen Ländern dominiert die Omikron-Variante offenbar noch nicht. Auch zu Beginn der vierten Welle hatten diese Länder zunächst geringere Inzidenzwerte als viele westdeutsche Länder. Das verkehrte sich aber bald ins Gegenteil. Tatsächlich deutet sich in Sachsen-Anhalt als nördlichstem dieser drei Bundesländer bereits eine Trendwende an.



Die Hospitalisierungs-Rate in Niedersachsen blieb am Freitag stabil bei 4,7. Die Zahl zeigt auf, wie viele Menschen in Niedersachsen in den vergangenen sieben Tagen wegen einer Corona-Infektion ins Krankenhaus gekommen sind, umgerechnet auf 100.000 Einwohner. Der Höchstwert lag bei 7,6 Ende November.

Wieder weniger Intensivpatienten

Der Anteil der Corona-Patienten auf den Intensivstationen in Niedersachsen sank hingegen wieder von 6,7 auf 6,3 Prozent und damit auf einen neuen Tiefstand seit Beginn der Erhebung im November. Hier betrug der bisherige Höchstwert Mitte Dezember 10,9 Prozent. Bisher war es in der Pandemie immer so, dass die Belastung der Intensivstationen mit einigen Wochen Verzögerung zu fallenden Inzidenzen sank – andererseits aber auch mit einigen Wochen Verzögerung zu steigenden Inzidenzen zunahm.

Für eine Rückkehr zur Warnstufe 1 muss die Hospitalisierungsrate fünf Werktage hintereinander bei höchstens 6,0 liegen und zusätzlich entweder der Anteil der Corona-Patienten auf Niedersachsens Intensivstationen mindestens fünf Werktage lang bei höchstens 10,0 Prozent liegen (beide Bedingungen sind derzeit erfüllt) oder aber die Sieben-Tage-Inzidenz in einem Landkreis an fünf Werktagen hintereinander maximal 100 betragen. Unabhängig von all diesen Werten herrscht bis Anfang Februar landesweit im Rahmen der „Winterruhe“ die Warnstufe 3.

Nicht so viele Todesfälle

Blick auf die Intensivstationen anderer Bundesländer: In Sachsen lag der Anteil der Corona-Infizierten unter den Intensivpatienten laut DIVI-Intensivregister am Dienstagmorgen bei 23,4Prozent, in Thüringen bei 21,6 Prozent und in Berlin bei 18,2 Prozent. Der Trend ist seit Wochen rückläufig. Dass diese Länder noch immer die höchsten Zahlen haben, während ihre Inzidenzen zum Teil massiv gesunken sind, zeigt aber auch, wie lange es dauert, bis sich eine positive Entwicklung auch dauerhaft in den Krankenhäusern niederschlägt.

Dazu passt auch, dass die Zahl der vom RKI gemeldeten täglichen Todesfälle – am Samstag waren es bundesweit 235 – derzeit verglichen mit den Höhepunkten früherer Wellen noch vergleichsweise gering ist. Auch hier werden die nächsten Wochen zeigen, ob sich die geringere Todesrate verstetigt.

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